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Neues ProjektBetreutes Wohnen für die Tauben in der Euskirchener City

3 min
Auf einem eingezäunten Grundstück steht ein umgerüsteter Bauwagen.

In dem umgebauten Wagen sollen die Euskirchener Stadttauben einen dauerhaften Lebensraum erhalten.

Tierschutz, Caritas und die Stadt Euskirchen machen bei einem Projekt gemeinsame Sache. Der Taubenbestand soll reguliert werden.

Betreutes Wohnen für die Tauben in der Euskirchener Innenstadt klingt zunächst ungewöhnlich. Doch genau das ist in einem umgebauten Bauwagen an der Johannesbergstraße entstanden. Das neue Taubenhaus wurde nun eingeweiht. Entstanden ist es als Gemeinschaftsprojekt der Stadt, der Caritas und des Tierschutzes.

Den Anstoß gab vor rund eineinhalb Jahren die SPD-Fraktion im Stadtrat. Auf Initiative des Vereins Tierschutz Euskirchen beantragte sie die Einrichtung einer Taubenunterkunft nach dem sogenannten Augsburger Stadttaubenkonzept. Nachdem das Konzept vorgestellt worden war, stimmte der Rat fraktionsübergreifend zu. Für den Bau des Taubenwagens wurden rund 25.000 Euro veranschlagt.

Kotverschmutzungen in der Stadt sollen zurückgehen

Doch was steckt hinter der Idee? Der Taubenwagen dient Stadttauben als Brut-, Fütterungs- und Aufenthaltsort. Außen verfügt er über Anflugöffnungen, im Inneren befinden sich Nistkästen, Sitzgelegenheiten und Futterplätze. Statt sich unkontrolliert an Gebäuden oder öffentlichen Plätzen niederzulassen, sollen die Tiere den Wagen als festen Lebensraum annehmen.

Davon profitieren nicht nur die Tauben, sondern auch die Stadt. Kotverschmutzungen an Gebäuden und Plätzen sollen zurückgehen. Gleichzeitig erhalten die Tiere artgerechtes Futter und sauberes Trinkwasser. Auch die Bestände lassen sich besser steuern. Da Taubenpaare bis zu sechsmal im Jahr brüten können, werden in den Nistkästen die gelegten Eier gegen Attrappen ausgetauscht. Auf diese Weise wird die Population tierschutzgerecht reguliert.

Ein Lockschwarm soll andere Tauben in den Wagen führen

Diese Informationen erläuterte Sylvia Stoffels vom Vorstand des Tierschutzes Euskirchen. Doch wie finden die Tauben überhaupt den neuen Standort? „Wir haben in Vorbereitung auf den Taubenwagen einen Lockschwarm von 20 bis 30 Tieren herangezogen“, erklärt sie. Dabei handelt es sich um Tauben, die vom Tierschutz aufgenommen wurden und zunächst einige Wochen im Wagen leben. Sie sollen weitere Tiere anlocken. Gleichzeitig wird beobachtet, ob sich dort Paare bilden.

Männer und Frauen versammeln sich vor dem Taubenwagen.

Die Projektpartner stellten das Taubendomizil und das Konzept vor.

In einem Napf befindet sich Futter für die Tauben.

Futternapf für die Tiere.

Zwei Männer und zwei Frauen stehen im Taubenwagen.

Ein Blick ins Innere des Wagens.

Die Erfahrungen aus Augsburg und anderen Städten zeigen, dass dieses Konzept funktionieren kann. Haben die Tauben den Wagen als sicheren Lebensraum angenommen, lassen sich Bestand und Gesundheit dauerhaft kontrollieren. Sollte der Standort wider Erwarten nicht angenommen werden, kann der Bauwagen problemlos an einen anderen Ort versetzt werden. Platz bietet er für bis zu 150 Tauben.

Kindergärten verzierten den Wagen mit bemalten Holztauben

Der Taubenwagen ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit verschiedener Akteure. Michael Höllmann (SPD) zeigte sich bei der Einweihung zufrieden mit dem Ergebnis der politischen Initiative. Ein Team des Caritas-Projekts „Moses Plus“ baute den ehemaligen Bauwagen unter fachlicher Leitung von Herbert Vogel zum Taubenhaus um und bereitete das Grundstück vor. Gary Falkenstein begleitete das Projekt für das Ordnungsamt, dessen Leiter Jan-Christoph Neitscher die Finanzierung über das Budget der Behörde verantwortete.

Der Tierschutz Euskirchen brachte seine fachliche Expertise ein und übernimmt künftig die Betreuung der Tiere. Für einen farbenfrohen Akzent sorgten mehrere Kindergärten, deren Kinder Holztauben bemalten, die nun die Außenwände des Wagens schmücken.

Beteiligte hoffen auf mögliche Vorbildfunktion

„Learning by Doing“ sei das Motto während des Umbaus gewesen, sagte Oliver Mühleis vom Projekt „Moses Plus“. Der Wagen ist die erste betreute Taubenunterkunft in Euskirchen. Nun richtet sich der Blick auf die neuen Bewohner. „Jetzt müssen nur noch die Tauben einziehen“, sagte Höllmann mit einem Schmunzeln. Wie hoch die laufenden Kosten des Projekts ausfallen werden, lasse sich derzeit noch nicht abschätzen. „Da werden wir erst einmal Erfahrungen sammeln müssen.“

Ob sich das Modell bewährt, werden die kommenden Monate zeigen. Die Beteiligten hoffen jedoch, dass der Taubenwagen langfristig sowohl den Tieren als auch dem Stadtbild zugutekommt – und vielleicht sogar Vorbild für weitere kreative Gemeinschaftsprojekte in Euskirchen wird.