Mähroboter, die nachts in Betrieb sind, verletzen oder töten unzählige Igel. Dennoch verhängt der Kreis Euskirchen kein Verbot.
Igel in GefahrKreis Euskirchen will nächtliches Mähen nicht verbieten

Die Narben im Gesicht des Igels zeugen von einer Begegnung mit einem Mähroboter.
Copyright: Ulla Jürgensonn
Die wirklich schweren Fälle bekommt kein Besucher zu sehen. Die Igel, die noch offene Wunden haben, sind in der Quarantänestation. Aber auch so macht der Anblick traurig: Narben, die zeigen, dass ein Mähroboter das kleine Tier gewissermaßen skalpiert hat, dass Gliedmaßen abgeschnitten worden sind, der Bauch aufgeschlitzt war. Ausgewachsene Igel, die noch nicht einmal 400 Gramm auf die Waage bringen. Auch wenn es den Igeln in der Obhut von Birgit Jansen gut geht – dem Igel an sich geht es schlecht.

Oft werden Beine und Pfoten verletzt, manchmal sogar abgetrennt.
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Die Tierschützerin aus Dom-Esch zählt eine ganze Reihe von Faktoren auf, die den Tieren das Leben schwer machen. Und fast alle sind menschengemacht. Eine Folge des Klimawandels sei, dass die Igel im Frühjahr zu früh aus der Winterruhe erwachten und dann noch nicht genügend Insekten – ihre Hauptnahrung – unterwegs seien. Das generelle Insektensterben verknappe die Nahrung auch im weiteren Jahresverlauf.
Gärten bieten Igeln kaum noch Lebensraum
Früher seien pro Jahr rund 2,5 Millionen Igel auf der Straße totgefahren worden. Dass diese Zahl bei Weitem nicht erreicht werde, sei nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht: Es gebe schlicht nicht mehr so viele. Die meisten Gärten böten keinen Lebensraum mehr. Und dann die mechanischen KiIler: Laubsauger, Freischneider, Mähroboter.

Birgit Jansen päppelt die verletzten Igel wieder auf.
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Überall sieht man die automatisierten Helferlein, die das Gras zu einem ebenso makellosen wie ökologisch wertlosen grünen Teppich stutzen. Wenn sie das bei Nacht tun, sind sie die reinsten Killer. „Mähroboter verletzen oder töten nicht nur Igel, sondern auch jede Menge andere kleine Lebewesen“, beklagt Birgit Jansen.
Mähroboter verletzen oder töten nicht nur Igel, sondern auch jede Menge andere kleine Lebewesen.
Dagegen will die Untere Naturschutzbehörde des Kreises etwas tun. Allerdings nicht mit einem Verbot (siehe: Rhein-Erft-Kreis verhängt Verbot), sondern mit einer Aufklärungskampagne. „Eine nächtliche Kontrolle von Gärten, die oftmals von außen nicht einsehbar sind, ist wenig erfolgversprechend und eine Nachweisführung somit überhaupt nicht möglich“, begründet der Kreis, warum er sich gegen das Verbot entschieden hat.
Birgit Jansen ist der gleichen Meinung: „Das Verbot ist ein Papiertiger.“ Sie plädiert stattdessen für eine grundlegende Richtlinie, wie Gärten auszusehen habe: mit verwilderten Ecken, die nicht nur Igeln Schutz und Nahrung bieten.
Flyer soll in Baumärkten ausgelegt werden
In das Versprechen mancher Hersteller, dass der Mähroboter Hindernisse – also auch Igel – erkenne und dann ausweiche, hat sie wenig Vertrauen. Mit der Wildtierhilfe Nordeifel erstellt der Kreis derzeit einen Flyer, der in Bau- und Fachmärkten ausliegen soll.
In Kürze würden die Märkte gefragt, ob sie dabei mitmachen wollen, heißt es aus der Kreisverwaltung. Eine Abfrage in den Nationalparkschulen und -kindergärten sei bereits erfolgt. Die Wildtierhilfe arbeitet mit diversen Pflegestellen zusammen, auch die Auffangstation von Birgit Jansen ist nicht nur beim Tierschutz Euskirchen e.V., sondern auch bei der Wildtierhilfe registriert.
Sie stinken und machen Schweinerei.
56 Igel hat sie derzeit in ihrer Obhut. Wenn sie ganz junge Patienten bekommt, kann es passieren, dass sie die mit zur Arbeit ins Ordnungsamt der Stadt Euskirchen nimmt – schließlich brauchen die Kleinen regelmäßig Nahrung.
Das Zusammenleben mit den Stacheltieren ist kein reines Vergnügen. „Sie stinken und machen Schweinerei“, sagt die Tierschützerin, die noch jede Menge anderer Tiere beherbergt, vom Eichhörnchen bis zur Gans.
Die schlimmste Zeit in Sachen Igel kommt erst noch, weiß sie. Denn in den kommenden Wochen sind allmählich die Jungtiere unterwegs. Etwa zwei Drittel der Igel, die zu ihr kommen, überleben nicht, schätzt sie. Und nach mehr als 30 Jahren macht ihr das immer noch zu schaffen: „Man stirbt jedes Mal ein Stück mit.“
Der Rhein-Erft-Kreis hat ein Nachtmähverbot verhängt
Der Nachbarkreis geht einen anderen Weg: Seit Mai dieses Jahres ist es im Rhein-Erft-Kreis verboten, Mähroboter bei Nacht durch die Gärten fahren zu lassen. Der Kreistag hat dazu allerdings zwei Anläufe benötigt, ein erster Antrag wurde abgelehnt. Mit dem Verbot einher geht eine Aufklärungskampagne. Ob das Verbot den gewünschten Effekt erzielt, lasse sich noch nicht sagen, heißt es aus der Bergheimer Kreisverwaltung.
Der Kreis stehe in Kontakt mit den Igelhilfen in den Kommunen, die Rückmeldungen über die Zahlen der verletzten Igel geben. Ob weniger Tiere durch Mähroboter zu Schaden gekommen sind, werde sich erst nach einem längeren Beobachtungszeitraum beurteilen lassen. Bisher gebe es einen Hinweis von Nachbarn auf nächtliches Mähen. In dem Fall wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Ein Bürger habe eine Ausnahmeregelung beantragt, die abgelehnt worden sei.
