Mit ihrer Single „Adrenalin“Euskirchenerin Anastida möchte als Schlagerstar durchstarten

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Schlagersängerin Anastida präsentiert ihre Debüt-Single. Im Hintergrund ist sie selbst auf einem Mac-PC in einem YouTube-Video abgebildet.

26.04.2023 Schlagersängerin Anastida präsentiert ihre Debüt-Single.

Die 21-Jährige Sängerin Anastida liebt Schlager, kommt aus Kreuzweingarten und präsentiert ihre erste Single.

Sie ist jung, sie macht Schlager und sie weiß, dass das in ihrem Alter ungewöhnlich ist. Aber Anastasia Algeer glaubt, dass sie die Menschen so einfach besser erreichen kann. Algeer ist gerade 21 geworden, kommt aus Kreuzweingarten und möchte nach ihrer Abschlussprüfung zur Industriekauffrau auch als Schlagersängerin durchstarten.

„Ich liebe es einfach zu singen, und da habe ich mich umgeschaut, was man damit so machen kann“, sagt sie. Umgeschaut hat sie sich vor allem im Internet. Bei einer Google-Recherche stieß sie auf das in Friesheim ansässige Label „Goldtime Records“ von Fränk Hechler – ein Label direkt in der Nachbarschaft. Ohne zu zögern schrieb die 21-Jährige eine Bewerbungsmail und schickte ein Gesangsvideo mit. Hechler antwortete prompt und lud Algeer in sein Dachgeschoss-Studio nach Friesheim ein.

„Ich erinnere mich noch gut daran, wie Anastasia hier aufgetaucht ist“, sagt er. Schon viele Menschen seien in sein Studio gekommen, hätten sich dort aufgeführt wie Superstars. Nicht so Anastasia Algeer. „Die hat sich einfach so gezeigt, wie sie ist“ – bodenständig, ehrlich, freundlich. Sie habe es einfach probieren wollen, sagt Hechler. Probiert hat sie es dann zunächst mit einem Song von Bruno Mars. „Und das war gut“, sagt der Produzent. „Nicht überragend, aber gut. Eine gute sechs auf einer Skala von eins bis zehn.“

Stimme wie Anett Louisan, aber „einfach total Schlager“

Algeer: „Ich war so aufgeregt.“ Zum ersten Mal sei sie in einem Studio gewesen. Zum ersten Mal habe sie ein Mikrofon vor dem Gesicht gehabt. Und zum ersten Mal saß auf der anderen Seite jemand, der ihren Gesang objektiv bewertete. „Beim Singen hat meine Stimme geflattert“, erinnert sie sich.

„Sie war schüchtern“, sagt Hechler. „Aber das macht nichts, ich mag das. Viele mögen das.“ Was den Produzenten mehr gestört hatte als diese Schüchternheit, war, dass sie versuchte, jemand anderes zu imitieren. Einen Klang zu präsentieren, den sie sich abgeschaut hatte, der aber nicht ihrer war. Deswegen habe er ihr eine Ballade gegeben, deren Text und Melodie sie nicht kannte. Denn dabei konnte sie niemanden imitieren, musste sich ganz auf sich selbst verlassen.

Und da habe er ihre klare, unverstellte Stimme zum ersten Mal gehört. Als jugendlich, nahbar und niedlich beschreibt er sie – am ehesten zu vergleichen mit der deutschen Chanson-Sängerin Annett Louisan. Aber im Gegensatz zu Louisan sei Algeers Stimme „einfach total Schlager“.

Im Prüfungsstress an der Gesangskarriere gefeilt

„Und dann ging alles ganz schnell“, sagt die junge Sängerin. Sie saß im Auto, war von den Probeaufnahmen auf dem Weg nach Hause, als Fränk Hechler anrief und ihr mitteilte, dass er sie gerne unter Vertrag nehmen würde. Das war im November. Seitdem haben die beiden intensiv an ihrer Gesangskarriere gearbeitet – so intensiv es eben ging neben den Vorbereitungen auf ihre Abschlussprüfungen.

Fränk Hechler in seinem Tonstudio

Fränk Hechler produziert in seinem Tonstudio die Single ‚Adrenalin‘ von der Euskirchenerin Anastida.

Hechler verpasste ihr zunächst einen Künstlernamen. Denn: „Anastasia konnte sie nicht heißen.“ Zu viele Einträge gebe es bei Google zu diesem Namen bereits. Deswegen spielten sie mit ihrem Vornamen herum, kamen bald auf „Anastida“.

Wer jetzt Anastida googelt, findet sofort die Debüt-Single der jungen Schlagersängerin und ein australisches Unternehmen für Schönheitsbehandlungen. „Dann hat Fränk mir eine Menge Fragen über mich gestellt“, erinnert sich Algeer. Und daraufhin erzählte sie ihm von ihrer großen Leidenschaft: dem Motorradfahren.

Ihre Liebe zum Adrenalin kann Anastida auf dem Motorrad ausleben

„Ich bin hier auf dem Dorf aufgewachsen“, sagt sie und sieht aus dem Fenster. Draußen ist es ruhig und grün. Nur die Autos auf der Landstraße von Euskirchen nach Bad Münstereifel sind zu hören. „Viel los ist hier nicht gerade“, sagt sie. Als Teenager habe sie irgendwann das starke Gefühl bekommen rauszuwollen, etwas erleben zu wollen.

Deswegen hat sie ihren Motorradführerschein gemacht. A1 mit 16 Jahren. A2 mit 19 Jahren. „Ich wollte einfach unabhängig sein und Freiheitsluft spüren.“ Sie lacht verlegen. Sie lacht so, wie jemand lacht, der fürchtet, etwas zu Kitschiges gesagt zu haben.

„Jedenfalls liebe ich den Adrenalin-Kick, den mir das Motorradfahren gibt“, sagt sie. Sie fühle sich dabei so lebendig, wach und stark. Sie erinnert sich daran, wie sie mit dem Motorrad im Kreisverkehr gestürzt ist. „Ich habe das Motorrad nach dem Sturz aufgehoben, als würde es nichts wiegen.“ So etwas mache das Adrenalin mit ihr, es wecke beinahe unmenschliche Kräfte.

An das Dasein als Schlagerstar muss sich die junge Euskirchenerin noch gewöhnen

Um den Adrenalin-Rausch beim Motorradfahren geht es deswegen auch in ihrer ersten Single. „Adrenalin“ heißt sie. In dem Musikvideo fährt sie gemeinsam mit ihrem Freund auf dem Motorrad über eine Landstraße in Friesheim. „A – A – Adrenalin – wenn die Gefahr meinen Verstand besiegt“, singt die junge Musikerin in dem Video.

„Oh Gott, wie seh’ ich da aus“, sagt Algeer beim Blick auf das Cover-Bild auf dem Bildschirm. Sich selbst zu hören, habe die 21-Jährige mittlerweile trainiert – durch ständiges Anhören ihrer Lieder und mit Hilfe ihres Gesangstrainers. Sich selbst zu sehen sei aber noch eine völlig andere Sache – und zwar eine, an die sie sich noch gewöhnen müsse.

Darüber, dass der Text, den Hechler für sie geschrieben hat, auf Deutsch ist, ist Anastida glücklich. „Denn ich glaube, auf Deutsch kann ich Gefühle einfach besser transportieren.“ Es sei ihre Muttersprache, eine Sprache, in der sie sich wohlfühle. Eine Sprache, in der sie alle ihr vertrauten Gefühle schon gefühlt hat. „Ich fühle einfach auf Deutsch“, sagt sie. Auf Englisch könne sie Emotionen nicht so gut rüberbringen. Und weil Deutsch die Sprache ist, in der Anastida fühlt, müsse es auch die Sprache sein, in der Anastida singt.

„Die Leute lieben Biersaufen“ - doch Anastida will nicht auf den Ballermann

Das sei aber nicht der einzige Grund, aus dem Algeer deutschen Schlager mache, erklärt Hechler. Im Schlagerbereich könne Algeer „von der Stimme her voll mithalten“, im Pop-Bereich hingegen sei die Konkurrenz viel zu groß. Zu schnell würden Künstler international verglichen, wenn sie Englisch sängen. Im Schlager habe Algeer einfach bessere Chancen. Außerdem hebe sich die Kreuzweingartnerin ab von so vielen anderen Frauen, die jung seien und Schlager machen wollten.

„Wenn es heutzutage um den Schlager geht, dann schaut man häufig als Erstes nach Mallorca“, sagt Hechler. Jeder würde sie kennen: die typischen Ballermannhits. Die Kleider der Sängerinnen seien knapp. Es ginge viel ums Äußere und ums „Biersaufen“.

„Anastida ist anders“, sagt er. So richtig auf den Ballermann passe sie auch gar nicht. Bei Algeer gehe es mehr darum, mit der Musik Geschichten zu erzählen. Zu fühlen statt zu gucken. Hechler ist sich sicher, dass das schwieriger wird, denn: „Die Leute lieben Biersaufen. Das funktioniert einfach.“ Aber er ist sich auch sicher, dass Anastida ein Publikum findet – aber vielleicht ein ruhigeres.


„Adrenalin“

Anastidas erste Single „Adrenalin“ ist seit Donnerstag, 27. April, auf der Plattform Youtube online und kann dort angehört werden. Weitere Songs von Anastida werden folgen, sagt Manager Fränk Hechler.

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