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Nach Aus der ambulanten PflegeDiakonie will in Euskirchen weiterhin präsent bleiben

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Das Bild zeigt das Gebäude, in dem die Diakonie-Station noch bis Ende März ihre Heimat hat.

Die Diakonie-Station an der Ecke Roitzheimer Straße/An der Vogelrute stellt Ende März die ambulante Pflege im Kreis Euskirchen ein.

Nach dem Aus der Diakonie-Station stehen 399 Pflegebedürftige ohne Pflegedienst da – derweil will die Diakonie in Euskirchen präsent bleiben.

Die Diakonie-Station Euskirchen wird wie berichtet zum 31. März geschlossen – der ambulante Pflegedienst kann wegen Personalmangels nicht fortgeführt werden. Damit stehen ab April 399 Menschen ohne Pflegedienst da. Nach der Hiobsbotschaft sind nach wie vor Fragen offen.

Auch die Politik hat Fragen.Entsprechend hat die Koalition aus CDU und SPD einen Antrag für den zuständigen Fachausschuss gestellt, der die Situation der ambulanten Pflege darlegen soll. Auch die Fraktion der Grünen hatte in der jüngsten Kreistagssitzung Fragen, die in die ähnliche Richtung gehen. Antworten gibt es dann vielleicht am 4. März ab 17 Uhr in der Sitzung des Sozialausschusses.

Pflegedienste wollen Ressourcen prüfen und einspringen

Im Hinblick auf das Aus für die ambulante Pflege bei der Diakonie-Station Euskirchen haben unter anderem das Kreiskrankenhaus Mechernich mit seinem ambulanten Pflegedienst sowie das Euskirchener Unternehmen Stern mit Sitz an der Nordstraße im Gespräch mit dieser Zeitung angekündigt, ihre eigenen Ressourcen zu prüfen, um gegebenenfalls einzelne Patientinnen und Patienten übernehmen zu können.

Zudem arbeitet das Marien-Hospital Euskirchen mit Hochdruck am Aufbau eines eigenen ambulanten Pflegedienstes. Nach Informationen dieser Zeitung schließen sich einige Mitarbeitende, die bei der Diakonie gekündigt haben, dem neuen Pflegedienst am Euskirchener Krankenhaus an.

Senioreneinrichtung wirbt mit 3000 Euro Wechselbonus

Dennoch wird – dafür muss man wohl kein Prophet sein – eine Versorgungslücke entstehen, zumal der Pflegebereich im Allgemeinen weiterhin stark unter Fachkräftemangel leidet. Eine Senioreneinrichtung in Euskirchen wirbt derzeit offensiv mit 3000 Euro Wechselbonus.

Doch wie geht es mit der Diakonie in Euskirchen weiter? Nicht wenige im Umfeld der Einrichtung befürchten, dass nicht nur die Tage des ambulanten Pflegedienstes gezählt sein könnten. Diesen Gerüchten widerspricht die Diakonie Bonn und Region, die die Diakonie Euskirchen zum Jahreswechsel 2024/25 übernommen hat, jedoch vehement.

Wir schließen die Diakonie-Station, weil wir die Fachkräfte nicht mehr vorhalten können, die notwendig sind, um einen Pflegedienst zu betreiben.
Andrea Hillebrand, Bereichsleitung Kommunikation

Die anderen Angebote der Diakonie vor Ort – etwa Schulbegleitung, Betreutes Wohnen, der Familienunterstützende Dienst oder der Kleiderladen – blieben bestehen. Das teilte das Diakonische Werk Bonn und Region, zu dem die Euskirchener Einrichtungen seit Jahresbeginn gehören, auf Anfrage mit.

„Wir schließen die Diakonie-Station, weil wir die Fachkräfte nicht mehr vorhalten können, die notwendig sind, um einen Pflegedienst zu betreiben“, erklärt Andrea Hillebrand, Bereichsleitung Kommunikation und Fundraising. Externe wie interne Ausschreibungen seien ohne Erfolg geblieben – ebenso wie der Versuch, die vakante Leitung und Stellvertretung zu besetzen. Ohne eine verantwortliche Pflegedienstleitung hätte der Einrichtung die Anerkennung durch die Krankenkassen entzogen werden müssen.

Strukturelle und personelle Veränderungen Teil der Eingliederung

Die Eingliederung der Euskirchener Diakonie in das Diakonische Werk Bonn und Region gGmbH zum 1. Januar 2025 sei ursprünglich ein Schritt zur langfristigen Sicherung der Arbeit gewesen, betont Pfarrer Ulrich Zumbusch im Namen der vier Oberlandgemeinden. „Eine Diakonie mit einem Jahresumsatz von rund zehn Millionen Euro konnte mit ihren Risiken nicht länger von vier Kirchengemeinden getragen werden“, erklärt er.

Strukturelle und personelle Veränderungen seien Teil dieser Eingliederung gewesen, um Prozesse zu vereinheitlichen und rechtliche Vorgaben zu erfüllen. „Diese Änderungen dienten gerade der Konsolidierung der Arbeit – nicht ihrer Schließung“, so Zumbusch. Ausschlaggebend für das Ende der Diakonie-Station sei allein der akute Personalmangel gewesen.

Trotz der Schließung bleibe die Diakonie in Euskirchen präsent. Rund 160 Kinder und Jugendliche würden weiterhin im Rahmen der Inklusionsassistenz begleitet – der Bedarf steige sogar, so Zumbusch. Eine langfristige Prognose für die künftige Arbeit in Euskirchen sei schwierig, ergänzt Hillebrand: „Diakonische Arbeit ist ihrem Wesen nach flexibel. Wir gehen aber fest davon aus, dass wir auch in fünf Jahren diakonische Dienste in Euskirchen leisten.“