Vieles hat Euskirchen beim Wiederaufbau geschafft, doch große Projekte wie der Neubau des City-Forums und des Waldfreibads dauern lange.
Fünf Jahre nach der FlutEuskirchen hat beim Wiederaufbau noch viel Arbeit vor sich

Die von der Flut zerstörte Fußgängerzone, hier die Neustraße, wurde im April 2025 wiedereröffnet. Die Erneuerung gehörte zu den großen Projekten beim Wiederaufbau.
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Todesopfer, Leid, Zerstörung, Millionenschäden – Euskirchen wurde von der Flut 2021 hart getroffen. Die Fassungslosigkeit von damals lasse einen nicht mehr ganz los, sagte Bürgermeister Sacha Reichelt (CDU) bei der städtischen Gedenkveranstaltung zum fünften Jahrestag der Katastrophe.
Doch bei allem Schrecken dürften die Euskirchener und Euskirchenerinnen auch stolz sein, nämlich auf das, was sie anschließend gemeinsam geschafft hätten, und auf den Zusammenhalt, der sich in den Monaten nach dem Hochwasser entwickelt habe: „Dieses Gefühl ist vielleicht das wichtigste Überbleibsel der Flut“, sagte Reichelt.
Aus harmlosen Bächen in Euskirchen wurden reißende Flüsse
Menschen in weiten Teilen des Euskirchener Stadtgebiets bekamen die Folgen der Flutkatastrophe am 14. und 15. Juli 2021 und in der Zeit danach hautnah zu spüren. Neben der Erft waren zahlreiche andere Wasserläufe über die Ufer getreten, unter anderem Veybach, Bleibach und die Zuläufe der Swist wie Steinbach, Sürstbach, Flämmerbach und Orbach. Selbst der Mitbach, der in normalen Zeiten oft nur als harmloses Rinnsal daherkommt, schwoll zu einem breiten Strom an.
Riesige Flächen wurden überschwemmt, unzählige Gebäude liefen voll. Drei Menschen im Stadtgebiet verloren ihr Leben. Viele andere kämpften sich durch Hochwasser, Schlamm und Trümmer, um sich vor dem Tod zu retten. Bahnlinien, Straßen, Brücken und Gebäude wurden zerstört, Telefon und Stromversorgung fielen aus. An vielen Stellen spielten sich dramatische Szenen ab. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz.
Von der Steinbachtalsperre ging eine große Gefahr aus
Eine große Gefahr ging von der Steinbachtalsperre aus. Gegen 20 Uhr am 14. Juli kam es zum Kronenstau, die Talsperre lief über. Bis zu 120.000 Liter Wasser pro Sekunde flossen talwärts. Weil ein Dammbruch nicht auszuschließen war, wurden im Euskirchener Stadtgebiet Schweinheim, Flamersheim und Palmersheim evakuiert, drei Orte mit zusammen rund 4800 Einwohnerinnen und Einwohnern. Dörfer im Rhein-Sieg-Kreis wurden ebenfalls geräumt.
An der Talsperre begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Feuerwehr, das Technische Hilfswerk (THW) und die Bundeswehr waren im Einsatz, um den Damm zu stabilisieren. Der Floisdorfer Tiefbauunternehmer Hubert Schilles riskierte sein Leben, als er den mit Erde und Geröll zugeschwemmten Abfluss freibaggerte. Der Talsperrenwärter Carsten Bönsch und der Ingenieur Wolf-Christian Lorenz öffneten per Hand den elektrischen Schieber für den Abfluss. Am 19. Juli war die Gefahr gebannt.

Der Damm der Steinbachtalsperre, der überströmt worden war, musste ständig beobachtet werden.
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Schweinheim wurde zum Sinnbild für die zerstörerische Kraft des Wassers.
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Das City-Forum wurde durch die Flut schwer beschädigt und später abgebrochen.
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In Schweinheim, wo Sürst- und Steinbach zusammentreffen, blieb dennoch kaum ein Gebäude verschont, das Dorf wurde zum Sinnbild für die zerstörerische Kraft des Wassers. In vielen anderen Ortsteilen und in der Euskirchener Innenstadt, durch die der Veybach fließt, entstanden ebenfalls Schäden in enormer Höhe.
Das City-Forum wurde derart stark demoliert, dass die Stadt es abbrechen ließ. In der Fußgängerzone und den Nebenstraßen kam jeglicher Geschäftsbetrieb zum Erliegen, weil es alle Ladenlokale und Gastronomiebetriebe erwischt hatte – wie auch etliche andere Einrichtungen, darunter sieben städtische Kitas, der Kulturhof mit Museum und Bibliothek, Schulgebäude samt Turnhallen, Sportanlagen, Spielplätze, das Waldfreibad, zudem Straßen und Brücken sowie – als Beispiel für große private Objekte – die Therme.
Aus ganz Deutschland sind Helferinnen und Helfer hierhergekommen.
Die Solidarität war groß nach der Katastrophe. Aus allen Richtungen kam Unterstützung. Bürgermeister Reichelt sagte am Jahrestag: „Wir haben das nicht alleine geschafft, wir haben einander geholfen und wir haben auch sehr viel Hilfe bekommen. Aus ganz Deutschland sind Helferinnen und Helfer hierhergekommen. Sie haben mit aufgeräumt, haben Schlamm geschaufelt, Keller ausgeräumt und so vieles mehr.“ In der Fußgängerzone prägten über Wochen von auswärts engagierte Kräfte in weißen Schutzanzügen das Bild.
Die Stadt baut mit Unterstützung von Bund und Land ihre Infrastruktur wieder auf. Der Wiederaufbauplan umfasst 166 Maßnahmen. Viele sind mittlerweile abgeschlossen. Bisher wurden mehr als 132 Millionen Euro bewilligt und ausgezahlt. Die Finanzhilfe für Privathaushalte und Wohnungswirtschaft summiert sich auf gut 124 Millionen Euro.
Die Erneuerung der Fußgängerzone führte zu Einschränkungen
Im April 2025 wurde die sanierte Fußgängerzone eingeweiht. Viele Geschäftsleute hatten den Wiederaufbau ihrer Ladenlokale in den Jahren zuvor für eine umfassende Modernisierung genutzt. Der Straßenneubau löste Sperrungen und andere Einschränkungen aus, sie wurden wegen der Aussicht auf ein komplett erneuertes Umfeld aber meist ohne großes Murren hingenommen.
Viele städtische Einrichtungen waren schon vorher erneuert worden, bei anderen dauert es noch.

Die Fußgängerzone Neustraße war lange eine Baustelle.
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NRW-Bau- und Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) besuchte Euskirchen, um sich die Erneuerung der Erftbrücke Kölner Straße erläutern zu lassen.
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Ihre zerstörten Kindertageseinrichtungen ersetzte die Stadt durch Neubauten, teils an den alten, teils an anderen Standorten. Nur der Neubau der Kita Nahestraße wartet nach einem Wasserschaden noch auf die Neueröffnung. Der sanierte Kulturhof hatte rasch wieder seine Pforten geöffnet, im Frühjahr 2022. Straßen- und Brückenerneuerungen liefen überwiegend nach Plan, auch die Sportanlagen in Flamersheim und Stotzheim und die allermeisten Kinderspielplätze wurden wiederhergestellt.
Das Waldfreibad an der Steinbachtalsperre, dessen Umbau läuft, soll 2027 eröffnet werden. Ursprünglich hatte die Stadtverwaltung 2026 als Ziel ausgegeben.
Der Damm der Steinbachtalsperre soll 2029/2030 erneuert werden
Die Talsperre, die dem Wasserversorgungsverband Euskirchen-Swisttal gehört und vom Unternehmen „e-regio“ betrieben wird, liegt nach wie vor trocken. Wie es im Mai in einem Bericht für den Rat hieß, ist die Erneuerung des Staudamms für 2029/2030 geplant. Die Kosten werden mit 17 bis 20 Millionen Euro veranschlagt. Bürgermeister Reichelt sprach mit Blick auf die Dauer des Wiederaufbaus von frustrierender Behördenbürokratie und vom komplexesten Verwaltungsverfahren, das er bisher erlebt habe.
Mit der Fertigstellung des neuen City-Forums in der City Süd wird für 2030 gerechnet.
Wir gehen von einer Fertigstellung im ersten Quartal 2029 aus.
Das Gymnasium Marienschule steht weiter ohne Sporthalle da. Planungs- und Vergabeverfahren ziehen sich in die Länge. Eine Tragluft- und eine Freilufthalle können den Ausfall nur zum Teil kompensieren. „Wir gehen von einer Fertigstellung im ersten Quartal 2029 aus“, sagt Stadtsprecher Tim Nolden.
Die Sportanlage Im Auel, wo für mehr als sechs Millionen Euro unter anderem Fußballfelder und eine Freilufthalle entstehen, will die Stadt in diesem Jahr eröffnen. Die Arbeiten hatten rund ein halbes Jahr später begonnen als ursprünglich geplant.
Nicht alle zerstörten Ladenlokale in Euskirchen sind erneuert worden
In Nebenlagen der Fußgängerzone, etwa in der Hoch- und in der Wilhelmstraße, ist der Wiederaufbau einzelner Ladenlokale bisher ausgeblieben. In der Wilhelmpassage laufen die Arbeiten seit Kurzem. Roitzheim hat seit der Flut keinen Sportplatz mehr. Ein Ersatzbau am alten Standort an der Erft war nicht möglich. Die SC-Fußballer tragen ihre Heimspiele in Stotzheim aus, demnächst sollen sie in Kuchenheim eine neue Heimat finden.

Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt (CDU).
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„Ich bin froh, dass schon viele Projekte beim Wiederaufbau der Infrastruktur abgeschlossen sind, es liegt aber noch wahnsinnig viel Arbeit vor uns“, sagt Reichelt. Damit meint er die städtischen Großvorhaben, aber auch die Umsetzung des Hochwasserschutzkonzepts.
Katastrophen sind nach wie vor nicht zu verhindern.
„Man muss offen und ehrlich sein“, betont der Bürgermeister: „Katastrophen sind nach wie vor nicht zu verhindern. Wenn es heute wieder so käme, wäre das wahrscheinlich nicht das Gleiche wie vor fünf Jahren, aber es würde wieder heftig einschlagen. Es gibt keine Maßnahmen, die das komplett verhindern können.“
Es sei deshalb „die Verpflichtung der Stadt, möglichst viel zu tun, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Schäden möglichst gering ausfallen“. Dabei müsse man allerdings auch stets die Finanzierbarkeit im Auge behalten. „Und wir brauchen dafür die Unterstützung vieler Menschen. Solidarität ist gefragt“, sagt Reichelt. Dies gelte auch für den Fall, dass die Stadt für den Hochwasserschutz ein privates Grundstück benötige.
Das Stadtoberhaupt lenkt den Blick auch auf positive Effekte, die die Flut bei allem Schrecken mit sich brachte. Er erwähnt den Zusammenhalt beim Aufräumen und beim Wiederaufbau oder auch Bauprojekte: „Die Sanierung der Fußgängerzone ging mit Entbehrungen einher, aber sie ist wirklich schön geworden.“ Und auch aus der Sportanlage Im Auel und dem Waldfreibad würden echte Schmuckstücke.
Hochwasserschutz: Gute Grundlagen, doch das Tempo fehlt
Der Rat hat Ende 2025 das städtische Hochwasserschutzkonzept verabschiedet. 19 große Maßnahmen sind vorgesehen, darunter der Bau von Verwallungen und Entlastungsgräben sowie Brückenerneuerungen. Das Euskirchener Konzept ist Bestandteil der interkommunalen Hochwasserschutzkooperation Erft.
Ihr Ziel: die Kräfte der beteiligten Städte und Gemeinden zu bündeln, um wirksame Strategien zu entwerfen. Die Federführung hat der Erftverband. Er führt auch Regie bei der Planung von Regenrückhaltebecken. Eines soll am Sürstbach oberhalb von Schweinheim entstehen.
In Schweinheim selbst, um Beispiele zu nennen, plant die Stadt unter anderem einen Ersatzbau für die Brücke in der Irmelsgasse und die Umgestaltung des Dorfplatzes, zudem eine Verwallung in der Nähe des Steinbachs. Ob die Liste in der vorgeschlagenen Reihenfolge abgearbeitet wird, hängt von Vorgaben der Aufsichtsbehörden und der Verfügbarkeit von Fördermitteln ab.

Wolfgang Honecker, Technischer Beigeordneter, ist unzufrieden, weil die Umsetzung des Hochwasserschutzes so lange dauert.
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Überhaupt spielen äußere Einflüsse eine große Rolle, sagt der Technische Beigeordnete Wolfgang Honecker: „Wie bewerten die Behörden das Kosten-Nutzen-Verhältnis? Wer finanziert Maßnahmen, wer realisiert sie? Wie sieht es mit unseren eigenen Kapazitäten aus?“ Es stecke viel Ungewisses im Detail.
„Wir kommen nur langsam in die Umsetzung, deshalb bin ich nicht zufrieden“, fügt er hinzu. „Wichtig ist aber, dass wir mit der ausführlichen Erarbeitung des Konzepts eine gute Grundlage geschaffen haben.“ Die Stadt hatte die Bevölkerung in Workshops einbezogen. Honecker spricht von einem Musterprozess der Öffentlichkeitsbeteiligung.
Wir denken Hochwasserschutz auf allen Ebenen mit, auch wenn es nicht immer von außen sichtbar ist.
Die Verwaltung hat im Vorgriff auf die großen Vorhaben seit 2021 schon eine Reihe von Schutzmaßnahmen umgesetzt. So wurde die Pflege von rund 40 Kilometern Gräben intensiviert. Auf fünf Kilometern entfernte die Stadt Abflusshindernisse. An anderen Stellen verbesserte sie durch den Umbau von Wegen die Wasserführung und erhöhte die Leistungsfähigkeit von Kanälen.
Die Arbeit der Verwaltung, so Honecker, werde dadurch geprägt, „dass wir den Blick interdisziplinär nach vorne richten“. Bei der Planung öffentlicher Räume werde der Hochwasserschutz stets integriert, „durch Entsiegelung, die Anwendung des Schwammstadtprinzips oder Begrünungsmaßnahmen“. Auch aus diesem Grund verzichte man auf eine Wiederbebauung des Klostergartens, auf dem das City-Forum stand.
Auf einer Fläche in der City Süd sei ebenfalls Grün statt eines durchaus denkbaren Gebäudes eingeplant. Dort entstünden zudem ein Stauraumkanal und eine Zisterne zur Wasserrückhaltung. In Kirchheim sei eine Rückhaltung für Hangwasser vorgesehen, um ein geplantes Wohngebiet zu schützen.
„Wir denken Hochwasserschutz auf allen Ebenen mit, auch wenn es nicht immer von außen sichtbar ist“, sagt Honecker, der nicht zuletzt auf das Leader-Projekt „Wasserrückhalt im Wald“ verweist, an dem sich die Stadt Euskirchen beteiligt.
