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Straße benanntEuskirchen gedenkt des in Afghanistan gefallenen Soldaten Stefan Kamins

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Hans-Friedrich Konze hält ein Foto in die Kamera, auf dem Soldaten zu sehen sind.

Ein Foto aus Kabul hat Hans-Friedrich Konze, Oberstleutnant a.D., als Erinnerung mit nach Euskirchen gebracht. Es stammt aus dem Mai 2003 und zeigt die von ihm in Afghanistan geleitete Gruppe Soldaten, zu der auch Stefan Kamins (3.v.l.) gehörte.

23 Jahre nach dem Tod von Stefan Kamins in Afghanistan hat die Stadt Euskirchen eine Straße nach ihm benannt.

Am Himmelfahrtstag 2003 starb Stefan Kamins im Alter von 28 Jahren. Er war als Soldat in Afghanistan im Einsatz. An den Stabsgefreiten, der in der Euskirchener Mercator-Kaserne stationiert war, erinnert jetzt ein Straßenschild. Die Stadt Euskirchen hat für den Zweck die Zufahrt zur Kaserne an der Frauenberger Straße umbenannt, um des Gefallenen zu gedenken.

Die Feierstunde zu Ehren Kamins war angemessen, sie fand am Samstag zeitgleich zum zweiten Veteranentag in Euskirchen statt. Angereist waren auch die Eltern des Soldaten, seine Schwester und sein Neffe. Sie sowie die weiteren Gäste, zu denen auch Landrat Markus Ramers und der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Voussem zählten, verfolgten die Ansprachen, die die Standortälteste Flottillenadmiral Dr. Sabine Reppin eröffnete.

Stefan Kamins starb bei Patrouillenfahrt in Kabul

Sie erinnerte an den 29. Mai 2003. Stefan Kamins war Teil eines Geo-Teams, das in Kabul Stab und Truppe sowie die afghanischen Behörden beim Wiederaufbau eines Vermessungs- und Katasterwesens unterstützte. An jenem Tag, so Reppin, hatten der Stabsgefreite Stefan Kamins und weitere Soldaten der ISAF in Kabul den Auftrag, im Zuge einer Patrouillenfahrt mit insgesamt vier Wolf-Fahrzeugen verschiedene Ausfallstraßen aus Kabul zu erkunden, um die Nutzung enger Straßen in der Stadt zu vermeiden. Kamins saß am Steuer des zweiten Fahrzeugs und geriet damit auf eine Panzerabwehrmine. Stefan Kamins wurde durch die Explosion tödlich verletzt, sein Beifahrer verwundet.

Ein Wolf-Militärfahrzeug steht auf einem gepflasterten Platz.

Ein Wolf-Militärfahrzeug, wie es Stefan Kamins am 29. Mai 2003 wenige Kilometer außerhalb von Kabul steuerte und in dem er starb, war auf dem Hof der Mercator-Kaserne geparkt.

„Er hatte keine Chance“, erinnert sich Hans-Friedrich Konze, Oberstleutnant a.D., an den Tod des ihm damals in Kabul unterstellten Soldaten. Stefan Kamins war der erste Soldat, der in Deutschland in der seit 1970 von der Bundeswehr geführten Mercator-Kaserne stationiert war und in einem Auslandseinsatzsein Leben ließ. Beigesetzt wurde Kamins in seinem Geburtsort Mirow in Mecklenburg-Vorpommern.

Nach der Grundausbildung bei der Militärgegografischen Stelle in Kiel

Was war Stefan Kamins für ein Mensch? Hans-Friedrich Konze erinnert sich an einen jungen, dynamischen Mann: „Er war intelligent“. Kamins war im Kartenteam der ISAF (International Security Assistance Force) in Kabul im Plotter- und Druckerbereich tätig. Seine Tätigkeit in der Bundeswehr hatte 1998 in der 2. Kompanie des Führungsunterstützungsregiments 10 in Eutin begonnen.

Nach der Grundausbildung war er in der damaligen Militärgeografischen Stelle in Kiel bis August 2002 eingesetzt. Anschließend wurde er zum Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr in Euskirchen versetzt. Wenig später trat er seinen ersten Auslandseinsatz an, beim ISAF-Kommando in Kabul.

Stadt Euskirchen will ein Zeichen setzen

Auf dem Gelände der Kaserne erinnert nicht nur eine Gedenktafel an Kamins. Wie Reppin berichtet, ist auch ein Raum nach ihm benannt. „Sein Tod führt uns schrecklich vor Augen, welchen Gefahren unsere Soldaten ausgesetzt sein können“, so Reppin weiter. Umso wichtiger sei es, dass die Stadt Euskirchen mit der Benennung einer Straße nach Stefan Kamins ein Zeichen setze. „Es ist ein Zeichen der Anerkennung und des Respekts. Und auch des Zusammenhalts und der Verankerung der Bundeswehr in der Gesellschaft“, so die Standortälteste.

Ein ergreifender Moment: Euskirchens Stadtbürgermeister Sacha Reichelt (links) und Standortälteste Flotillenadmiral Sabine Reppihn überreiche den Eltern von Stefan Kamins eine Kopie des neuen Straßenschildes.

Die Eltern erhielten eine Kopie des Straßenschilds.

Standortälteste Sabine Reppin steht in Uniform an einem Pult und spricht in ein MIkrofon

Standortälteste Sabine Reppin erinnerte an den Gefallenen und die Gefahren des Berufs.

In einem Innhof steht ein Stein, an dem zwei Gedenktafeln angebracht sind.

In der Kaserne wird ebenfalls an Stefan Kamins erinnert.

Zwei Frauen und zwei Männer stehen aneiner Kreuzung unter einem Straßenschild.

Die Familie von Stefan Kamins schaut sich das neue Straßenschild an.

Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt griff dies auf und erinnerte daran, dass der Stadtrat im März den Beschluss zur Umbenennung der Straße einstimmig gefasst habe, nachdem die Anregung dazu vonseiten der Bundeswehr gekommen sei. Reichelt betonte: „Stefan Kamins war bereit, bis zum Äußersten zu gehen und Gesundheit und sein Leben für unser Land und unsere Freiheit einzusetzen. Für unsere Freiheit und unsere Werte, die im Grundgesetz zum Ausdruck kommen. Und an deren Spitze die Würde des Menschen steht.“

In dem Zusammenhang ging Reichelt auch auf die aktuellen Entwicklungen ein. Es mache ihn traurig zu sehen, dass die Zahl derjenigen steige, die bereit seien, diese Werte aufzugeben. Reichelt mahnte: „Wir dürfen als Gesellschaft nicht so bequem sein, die Gefahr für diese Freiheit zu ignorieren. Wir müssen vielmehr bereit sein, sie zu verteidigen.“ Und mit Blick auf das Gedenken des Gefallenen: „Das ist kein Gerede, wenn die Bundeswehr sagt: Du wirst nie vergessen.“  Euskirchen, Standort der Mercator-Kaserne und der Generalmajor-Freiherr-von-Gersdorff-Kaserne an der Kommerner Straße, sei stolz, eine Kasernenstadt zu sein.

Ökumenische Andacht zum Gedenken an Euskirchener Soldaten

In einer abschließenden ökumenischen Andacht würdigten die Militärseelsorger Heiko Schulz (Evangelische Kirche) und Lars Spohr (Katholische Kirche) Stefan Kamins: „Sein Name ist mit der Straßenumbenennung auch außerhalb der Kaserne sichtbar. Und das ist gut“, so Schulz: „So bringen wir unseren Respekt und unsere Hoffnung zum Ausdruck. Denn wer nicht erinnert, verliert sich im Heute und gibt die Gestaltung der Zukunft aus der Hand.“

Danach kam es zum vielleicht eindringlichsten Moment der Gedenkstunde. Den Eltern von Stefan Kamins, Lieselotte und Richard Kamins, seiner Schwester Petra Koller und deren Sohn Maximilian, wurde eine Kopie des wenige Stunden zuvor vor der Kaserne angebrachten Straßenschildes überreicht.

Vor dem Zugang zur Kaserne war auch ein Wolf-Militärfahrzeug geparkt worden. Ein Modell des Fahrzeugs, in dem Stefan Kamins am 29. Mai 2003 sein Leben ließ. Die Fahrzeuge der damaligen Baureihe waren zwar geländegängig, aber nicht gepanzert, so Hans-Friedrich Konze, Oberstleutnant a.D. Der Schutz wurde erst in später angeschafften Wolf-Fahrzeugen verbaut.