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MedizinÄrztliche Versorgung im Kreis Euskirchen bereitet trotz der Statistik große Sorgen

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Ein Hausarzt misst einer Patientin den Blutdruck.

Die ärztliche Versorgung im Kreis Euskirchen ist gemäß der Statistik zufriedenstellend, bereitet aber Sorgen. Alleine im Bereich Euskirchen sind 14 Hausarztsitze frei.

Im Bereich Euskirchen sind 14 Hausarztsitze frei, in vielen Praxen steht für die Ärzte der Ruhestand bald an. Die Versorgung im Kreis bereitet Sorgen.

Von einer insgesamt stabilen Versorgung im Kreis Euskirchen spricht Hildegard Arntz, Teamleiterin „Strategische Versorgungsstrukturen“ der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein. Doch deswegen herrscht nicht eitel Sonnenschein – und es steht ein Generationenwechsel bei den niedergelassenen Ärzten an.

Im Kreis-Gesundheitsausschuss informierte die KV zur ambulanten Gesundheitsversorgung. Sie hat den gesetzlichen Auftrag, diese sicherzustellen. Dazu beobachtet sie die Versorgungslage, ermittelt mögliche Engpässe und entwickelt mit Kommunen und anderen Partnern Maßnahmen zur Verbesserung der Situation.

Alleine im Bereich Euskirchen fehlen derzeit 14 Hausärzte

Nach den Daten zum Stand 1. Januar 2026 liegt der Versorgungsgrad bei den Hausärzten im Kreis Euskirchen insgesamt bei 103,3 Prozent. Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede innerhalb des Kreises. Während die Bereiche Mechernich und Schleiden rechnerisch aktuell über dem Bedarfswert liegen, weist der Mittelbereich Euskirchen mit 91,5 Prozent den niedrigsten Versorgungsgrad auf. Dort bestehen bei 14 freien Arztsitzen die größten Möglichkeiten für neue Niederlassungen. Im Bereich Schleiden sind demnach 1,5 Sitze frei, im Bereich Mechernich keiner.

Die Menschen haben Sorge, dass sie bei Ärzten vor verschlossener Tür stehen oder nicht mehr angenommen werden.
Karl Vermöhlen, Arzt und SPD-Politiker

Doch die Statistik ist das eine – das, was die Patienten wahrnehmen, ist etwas ganz anderes. Karl Vermöhlen, der für die SPD im Ausschuss sitzt und selbst Arzt ist, fasst dies prägnant zusammen: „Die Menschen haben Sorge, dass sie bei Ärzten vor verschlossener Tür stehen oder nicht mehr angenommen werden. Ängste lassen sich nicht mit Statistiken vertreiben.“ Dr. Manfred Wolter, FDP-Politiker und ebenfalls Arzt, bestätigte dies: „Das ist eine gefühlte, strukturierte Unterversorgung.“

Keinen Widerspruch gab es dazu von Frank Gummelt, KV-Vorsitzender im Kreis. Er zeigte darüber hinaus auf, dass die Probleme nicht an Kreisgrenzen haltmachen. Nach der Schließung einer größeren gynäkologischen Praxis in Hillesheim seien zahlreiche Patientinnen und Schwangere auf Praxen im Kreis Euskirchen ausgewichen. Solche zusätzlichen Patientenströme werden laut Gummelt in den regionalen Versorgungsplanungen oft nicht ausreichend berücksichtigt. Die Folge: Die ohnehin stark ausgelasteten Praxen im Kreis geraten weiter unter Druck.

Auch die Vorgaben bereiten den Ärzten zunehmend Probleme

Gleichzeitig zeige sich im Praxisalltag, dass nicht jeder Arztbesuch medizinisch zwingend notwendig sei. „Es gibt heute Menschen, die wegen kleinster Beschwerden zum Arzt gehen“, so Gummelt. Solche Termine blockierten Kapazitäten, die an anderer Stelle dringend benötigt werden. Besonders problematisch sei dies bei Facharztpraxen, in denen ohnehin sehr lange Wartezeiten bestehen.

Er kritisierte zudem Vorgaben bei der Verordnung bestimmter Medikamente. So kann es vorkommen, dass ein Rheumatologe ein Medikament verordnet und die medizinische Notwendigkeit feststellt, der Hausarzt das Präparat jedoch nicht weiter verschreiben darf. Also muss der Patient regelmäßig zum Facharzt – nur fürs Rezept. „Dadurch werden Termine gebunden, die eigentlich für schwer erkrankte Patienten benötigt würden“, so der KV-Chef. Hausärzten drohen laut Gummelt Rückforderungen der Krankenkassen, wenn sie Medikamente außerhalb ihrer Verordnungsbefugnis verschreiben: „Das ist für viele Kolleginnen und Kollegen nicht nachvollziehbar.“

Für einige Kommunen im Kreis Euskirchen gibt es Förderprogramme

Besondere Aufmerksamkeit richtet die KV auf die Altersstruktur der Ärzteschaft. Das Durchschnittsalter der Hausärzte liegt kreisweit bei 53,8 Jahren. Im Raum Schleiden beträgt es mehr als 56 Jahre. Für viele Praxen werden daher in den kommenden Jahren Nachfolger gesucht. Gleichzeitig veränderte sich das Berufsbild: Junge Ärztinnen und Ärzte bevorzugen zunehmend Anstellungen, Teilzeitmodelle und die Arbeit in größeren Teams anstelle der klassischen Einzelpraxis.

Auch bei den Fachärzten klaffen Wahrnehmung und Statistik weit auseinander. Während Patienten oft über lange Wartezeiten auf einen Termin klagen, ist die Versorgungslage nach der KV-Statistik gut. Die meisten Fachrichtungen erreichen oder übertreffen die Bedarfsplanung. Handlungsbedarf sieht die KV bei Kinder- und Jugendärzten. Hier liegt der Versorgungsgrad bei 95,9 Prozent, zwei weitere Niederlassungen wären möglich. Als Erfolg wertete Arntz die Besetzung eines bislang freien Neurologensitzes. Der neue Facharzt wechselt aus einer Klinik und startet seine Praxistätigkeit zum 1. Juli.

Um Niederlassungen und Praxisübernahmen attraktiver zu machen, setzt die KV auf Förderprogramme. In bestimmten Gebieten können Ärztinnen und Ärzte bis zu 70.000 Euro Investitionskostenzuschuss erhalten. Für die Anstellung zusätzlicher Mediziner in bestehenden Praxen sind Zuschüsse bis zu 50.000 Euro möglich. Zu den Fördergebieten im Kreis Euskirchen zählen Dahlem, Bad Münstereifel, Euskirchen, Weilerswist und Zülpich. Seit 2018 wurden laut KV im Kreis 45 Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von rund 850.000 Euro bewilligt.