Jeden Donnerstag kochen Ehrenamtliche in der evangelischen Sophiengemeinde Euskirchen ein kostenfreies Mittagsmenü.
EhrenamtWarme Mahlzeit für Bauch und Herz in der Suppenkirche Euskirchen

Verfechter der Hausmannskost: Robert Ziemons ist Koch im Team 3. Heute gibt es frische Bratwurst mit Möhrenallerlei und Pudding.
Copyright: Heike Nickel
Es ist kurz nach 11 Uhr an einem Donnerstag und an fast allen Tischen im Gemeindesaal der evangelischen Sophiengemeinde haben bereits Menschen Platz genommen. Da gibt es einen Tisch, an dem sich alle seit Jahren kennen und an denen Freundschaften entstanden sind. An einem anderen Tisch treffen sich ältere Damen, die ebenfalls jeden Donnerstag hierherkommen und sich über das leckere Mittagsmahl mindestens genauso freuen wie über die nette Gesellschaft.
Die Suppenkirche der Gemeinde ist seit jeher ein Erfolgsmodell. Diakon Jens Schramm gibt zu, eher skeptisch gewesen zu sein, als das Projekt 2015 an den Start gegangen ist. Die Skepsis wandelte sich schnell in Begeisterung, die ihm bis heute geblieben ist: „Es ist einfach ein tolles Projekt, und auch die Spendenbereitschaft vieler Menschen zeigt uns, dass die Suppenkirche den Leuten wichtig und ans Herz gewachsen ist.“
Alles wird frisch gemacht in Team 3 der Euskirchener Suppenkirche
In der Küche ist heute Team 3 zugange. Über die Pfannen gebeugt steht Robert Ziemons am großen Herd. Mit flinker Hand brät er Dutzende Würste gleichzeitig und legt die fertigen in große Warmhaltebehälter. Zur Bratwurst gibt es Möhrenuntereinander, wie bereits das Schild am Eingang zum Saal verrät. Ein sehr rheinländischer Schmaus, der auch unter Muurejubbel oder Murrejemangs bekannt ist.
Alles wird frisch gemacht, nichts kommt aus der Tüte: Der 77-jährige Ziemons hat Spaß an seinem Einsatz hier und darüber hinaus den Anspruch, dass das Essen schmecken soll. Helfende Hände in der Küche sind Klaus Ranke, Alice Blumenthal, Anita Neugebauer und Erika Kaiser. Die Stimmung ist gut, es wird gearbeitet und gleichzeitig viel gelacht. „Das ist einfach ein tolles Team hier, ich komme mit jedem gut parat“, sagt Blumenthal, die zuletzt in einer Postfiliale gearbeitet hat.
Die Menschen freuen sich einfach, wenn man sie kennt, grüßt und freundlich bedient.
Anita Neugebauer hebt hervor, dass ihr die Nähe zu den Gästen im Saal besonders gut gefalle: „Die Menschen freuen sich einfach, wenn man sie kennt, grüßt und freundlich bedient.“ Die Suppenkirche sei zudem für jeden ohne Beschränkung zugänglich, meint Erika Kaiser, die bis 2014 Schulleiterin der Blankenheimer Hauptschule war und sich seit 2015 hier engagiert: „Wir haben ein sehr gemischtes Publikum. Manche kommen aus Not und Hunger, andere freuen sich, einmal in der Woche nette Gesellschaft und ein offenes Ohr zu finden.“
Während es in anderen Bereichen zunehmend schwieriger wird, Ehrenamtler zu rekrutieren, hat es bei der Suppenkirche bisher keine Personalengpässe gegeben, zumal sehr viele der 45 Ehrenamtler schon seit Anbeginn dabei sind. Eine Warteliste für Interessenten, wie es sie früher einmal gab, hat man allerdings auch hier nicht mehr. „Derzeit suchen wir sogar Menschen, vor allem solche, die als Koch oder Köchin mitmachen wollen“, sagt Schramm.

Gut besucht ist die Suppenkirche immer, viele der Menschen, die hier einkehren, sind Stammgäste und freuen sich auch über Gespräche und Gesellschaft.
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Für ein kleines Schwätzchen mit den Gästen ist immer Zeit: Anita Neugebauer, die seit dem Start der Suppenkirche mit dabei ist.
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Sind begeisterte Ehrenamtliche in der Suppenkirche: Alice Blumenthal (v.l.), Erika Kaiser und Wolfgang Gerhardt.
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Abwasch, der sichtlich Spaß macht: Klaus Ranke und Alice Blumenthal, zwei der ehrenamtlichen Helfer.
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Die Töpfe und Pfannen, in denen für über 90 Menschen gekocht wird, sind mächtig.
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Dabei müssten es keine echten, ausgebildeten Köche sein, nur Menschen mit Erfahrung, die einfach Spaß daran haben, am Herd zu stehen: „Da die Köchinnen und Köche die Leitung der Gruppen innehaben, sollten sie auch Teamgeist und Organisationstalent mitbringen.“ Schramm ist überzeugt, dass die ehrenamtliche Arbeit in dem Projekt für alle etwas birgt: für die Gäste gutes Essen und soziale Kontakte, für die Teams eine sinnhafte Tätigkeit, bei der man unmittelbar mitbekommt, wie sie bei den Menschen ankommt: „Viele haben ein Leuchten in den Augen, wenn man ihnen den Teller reicht.“ Hinterher, wenn die Gäste satt und zufrieden den Saal verlassen haben und alles wieder an seinem Platz ist, setzen sich auch die Helferinnen und Helfer an einen Tisch und essen gemeinsam. Ein beliebtes Ritual, das den Mitarbeitenden gut gefällt und den Zusammenhalt stärkt.
Irgendwann greift Pfarrer Frank Thönes zu einer kleinen Glocke und die Gespräche im Saal verstummen. Er begrüßt alle herzlich, erzählt von einer Veranstaltung, die er am Vortag besucht habe zu Ehren von Konrad Adenauer, „dem Mann, der dafür gesorgt hat, dass wir ein freies Land geworden sind“. Ein kurzes Tischgebet, dann die wöchentliche Verlosung: Damit nicht alle gleichzeitig zur Essensausgabe stürmen, bestimmt der Zufall die Reihenfolge der Tische. Dass Kartoffel-Möhren-Untereinander, Bratwurst und Pudding allen gut munden, zeigt sich an der Stille, die sich kurzzeitig über den Saal legt. Allein die Bestecke klappern und kratzen auf den Tellern. Nächsten Donnerstag sind sie wieder alle da. Gäste und Ehrenamtliche.
Nur ein einziges Mal musste die Suppenkirche in den Jahren ihres Bestehens ausgefallen – am 15. Juli, dem Tag nach der Flutkatastrophe, als die Stadt ohne Strom war. Und so – das ist der Wunsch aller – soll es auch in Zukunft bleiben.
Neue Ehrenamtliche werden gesucht
Im Schnitt 90 Menschen aller Altersklassen werden seit 2015 jeden Donnerstag im Gemeindesaal der evangelischen Sophiengemeinde in Euskirchen kostenlos verköstigt. Möglich machen das rund 45 Ehrenamtliche, die sich einen Donnerstag im Monat 8 bis 14.30 Uhr Zeit nehmen, Gemüse zu putzen, den Kochlöffel zu schwingen, Tische zu decken, Essen auszuteilen und hinterher den Abwasch zu machen und wieder aufzuräumen. Viele der Ehrenamtlichen sind von Anfang an dabei, und regelmäßig kommen auch neue helfende Hände dazu. Doch es wird Zeit für neue Helferinnen und Helfer, da manch einer aus Altersgründen ausscheidet. Allen voran werden Köche und Köchinnen gesucht, die Spaß an so einer Aufgabe haben und sich vorstellen können, die Zubereitung der Mahlzeiten in die Hand nehmen.
„Es wird keine besondere fachliche Qualifikation erwartet, Hobbyköche und Quereinsteiger sind herzlich willkommen“, sagt die Ehrenamtskoordinatorin der Gemeinde, Iris Hoffmann. Und wer bislang noch nicht in großen Mengen gekocht hat, erhält Unterstützung und Anleitung. Gekocht wird mit Profiausstattung, auch erprobte Rezepte sind vorhanden. Die fünf Küchenteams der Suppenkirche benötigen auch Unterstützung beim Auf- und Abbau von Tischen und Stühlen im Gemeindesaal und überall da, wo gerade zupackende Hände gebraucht werden. Iris Hoffmann: „Das ist kein Knochenjob, gemeinsam geht es schnell und Zeit zum Durchatmen bleibt allemal.“
Ein unverbindlicher „Schnupper-Termin“ kann vereinbart werden bei Jens Schramm, Tel.0 22 51/81 33 213, oder Iris Hoffmann, Tel.0 22 51/81 33 214.

