In den kommenden fünf Jahren wird in Euskirchen jedes Verkehrsschild, jede Straße digital erfasst. Personen und Nummernschilder werden gepixelt.
Wie Google MapsEin Hightech-Auto vermisst das Straßennetz von Euskirchen in 3D

Die Euskirchener Verwaltung erfasst digital das komplette Straßennetz der Stadt. In den kommenden fünf Jahren fährt ein Auto mit Kamera durchs Stadtgebiet.
Copyright: Tom Steinicke
Von außen wirkt das Fahrzeug relativ unscheinbar – abgesehen von der schwarzen Stange auf dem Dach. Und weiteren Antennen und Aufbauten. Wer in den kommenden Wochen im Westen des Euskirchener Stadtgebiets ein Auto mit aufwendiger Kamera- und Sensortechnik auf dem Dach entdeckt, sieht den Start eines Großprojekts.
Die Stadt Euskirchen beginnt mit dem Aufbau eines sogenannten Pavement-Management-Systems – einer digitalen Bestandsaufnahme aller Straßen. Ziel ist nach Angaben des Technischen Beigeordneten, Wolfgang Honecker, den Zustand der gesamten Verkehrsinfrastruktur systematisch zu erfassen, um so künftige Sanierungen besser planen zu können.
Dadurch können wir Sanierungsmaßnahmen künftig noch gezielter planen und unsere finanziellen Mittel sinnvoll einsetzen.
„Mit dem Pavement-Management-System schaffen wir erstmals eine flächendeckende und objektive Datengrundlage für unser gesamtes Straßennetz“, sagt Honecker: „Dadurch können wir Sanierungsmaßnahmen künftig noch gezielter planen und unsere finanziellen Mittel sinnvoll einsetzen.“
Den Anfang machen das westliche Stadtgebiet sowie die Ortsteile Wißkirchen, Euenheim und Stotzheim. Insgesamt wird das gesamte Straßennetz über einen Zeitraum von fünf Jahren erfasst. Jedes Jahr werden rund 20 Prozent beziehungsweise etwa 60 Kilometer Straßen vermessen. Die Einteilung erfolgt dabei nicht nach dem Zustand der Straßen, sondern nach organisatorischen Aspekten. Gleichzeitig erfüllt die Stadt damit auch Vorgaben übergeordneter Behörden wie der Bezirksregierung.

Laser und 360-Grad-Kamera befinden sich auf dem Autodach.
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Im Kofferraum ist die Technik verbaut.
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Herzstück des Projekts ist ein speziell ausgerüstetes Messfahrzeug. Auf dessen Dach befinden sich mehrere 360-Grad-Kameras, hochpräzise Laserscanner und GPS-Technik. Während der Fahrt entstehen alle fünf Meter Rundumbilder der Umgebung. Gleichzeitig tastet der Laserscanner die Straße und ihr Umfeld mit bis zu zwei Millionen Messpunkten pro Sekunde ab – und das auf Entfernungen von bis zu 200 Metern.
„Das Fahrzeug liefert uns deutlich mehr als nur Bilder der Straße“, erklärt der Erste Beigeordnete: „Wir erfassen gleichzeitig die Fahrbahnoberfläche, Verkehrszeichen, Bänke, Leitpfosten und viele weitere Bestandteile der Verkehrsinfrastruktur. Außerdem entsteht ein exaktes digitales Abbild der Straße.“
Auto fährt im Idealfall nicht schneller als 30 km/h
Damit diese Daten die notwendige Genauigkeit erreichen, fährt das Messfahrzeug bewusst langsam. Mehr als 30 Stundenkilometer sind bei den Aufnahmen nicht vorgesehen. Die Daten werden zunächst auf einer tragbaren Festplatte gespeichert und anschließend im Büro ausgewertet.
Die umfangreiche Datensammlung soll künftig die Grundlage für strategische Entscheidungen bilden. Bisher stützt sich die Stadt vor allem auf Hinweise aus der Bürgerschaft, Meldungen aus der Politik sowie die regelmäßigen Kontrollen der Straßenwärter und Mitarbeitenden des städtischen Technischen Dienstes.
Hinweise zu Straßenschäden aus der Bevölkerung weiter wichtig
Daran werde sich auch künftig nichts ändern. „Jeder Hinweis aus der Bevölkerung bleibt weiterhin wichtig“, betont Honecker: „Wenn Bürger Schlaglöcher oder andere Schäden melden, werden diese selbstverständlich geprüft. Das neue System ersetzt diese Rückmeldungen nicht, sondern ergänzt sie um eine vollständige Bestandsaufnahme.“
Nach Einschätzung der Stadt befindet sich das Euskirchener Straßennetz insgesamt in einem guten Zustand – auch im Vergleich zu anderen Kommunen. Natürlich gebe es einzelne Problemstellen, die nach entsprechender Prüfung beseitigt würden. Das neue System ermögliche es jedoch, Entwicklungen über Jahre hinweg nachzuvollziehen und Sanierungen langfristig zu planen. Selbst Straßen, die in naher Zukunft ohnehin umgebaut werden sollen, werden deshalb mit erfasst.
Vermessung der Euskirchener Welt überwiegend in den Sommermonaten
Die Vermessung erfolgt überwiegend in den Sommermonaten. Regen, Schnee oder die tief stehende Sonne würden die Qualität der Messungen erheblich beeinträchtigen. Auch rote Ampel sind der Datenübermittlung nicht zuträglich. Steht das Auto zu lange an einer Stelle, bekomme das System praktisch eine Reizüberflutung, sagt Messingenieur Sirwan Rashid, der für das beauftragte Unternehmen „Ginger – Lehmann und Partner“ in Euskirchen tätig ist.
Als Fahrer plant er seine Touren eigenständig und arbeitet sich systematisch von den Hauptverkehrsstraßen bis in die Wohngebiete vor. Das blau-grüne Fahrzeug sorgt allerdings immer wieder für Nachfragen. Viele Passanten halten es zunächst für ein Auto von Google Street View. Manche sprechen den Fahrer an, vereinzelt kommt es auch zu skeptischen oder sogar aggressiven Reaktionen.
Viele Menschen glauben zunächst, wir würden private Grundstücke fotografieren oder für Google unterwegs sein.
„Viele Menschen glauben zunächst, wir würden private Grundstücke fotografieren oder für Google unterwegs sein“, berichtet Experte Sirwan Rashid: „Deshalb habe ich immer eine Bestätigung der Stadt dabei und erkläre, worum es bei dem Projekt tatsächlich geht.“
In einer anderen Stadt seien er und das Auto sogar schon mal von einem Mann mit einer großen Stange angegriffen worden. Der Mann habe versucht, die Kameras vom Auto zu schlagen.
Datenschutz spielt bei dem Projekt eine zentrale Rolle. Gesichter von Personen und Kfz-Kennzeichen werden mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) automatisch unkenntlich gemacht, bevor die Daten weiterverarbeitet werden.
Der Schutz personenbezogener Daten hat für uns höchste Priorität.
„Der Schutz personenbezogener Daten hat für uns höchste Priorität“, sagt Torsten Wershoven, Mitarbeiter der Stadt Euskirchen im Fachbereich Tiefbau und Verkehr: „Gesichter und Kennzeichen werden automatisiert anonymisiert. Die Aufnahmen dienen ausschließlich der Erfassung der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur.“
Mit dem Aufbau des Pavement-Management-Systems investiert die Stadt langfristig in eine moderne Infrastrukturverwaltung. Statt ausschließlich auf Einzelmeldungen reagieren zu müssen, erhält die Verwaltung künftig eine flächendeckende Datengrundlage für den Zustand aller Straßen.
„Je besser wir den tatsächlichen Zustand unseres Straßennetzes kennen, desto besser können wir notwendige Investitionen planen und Schäden frühzeitig erkennen“, fasst Wershoven zusammen: „Davon profitieren am Ende sowohl die Stadt als auch alle Verkehrsteilnehmer.“
