Ein Sponsor für die Räumlichkeiten der Ideenfabrik in der Alten Tuchfabrik ist gefunden. Die Abstimmung im Kreistag dürfte spannend werden.
Parteien uneinigKosten für Ideenfabrik in Alter Tuchfabrik in Euskirchen erneut gesenkt

Wie geht es mit der Ideenfabrik weiter? Darüber wird der Kreistag am 7. Oktober entscheiden.
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Die Ideenfabrik Nachhaltige Wirtschaft in der Alten Tuchfabrik soll bis Ende 2030 fortgeführt werden. Dafür schlägt die Kreisverwaltung ein umfangreiches Spar- und Finanzierungspaket vor. Durch geringere Ausgaben, zusätzliche Einnahmen und ein Sponsoring der Kreissparkasse soll der jährliche Zuschussbedarf des Kreises deutlich sinken.
Allein für 2027 reduziert sich der kalkulierte Finanzierungsbedarf von ursprünglich rund 192.700 Euro auf etwa 126.400 Euro. Das entspricht einer Verbesserung um gut 66.000 Euro. In den folgenden Jahren soll der Kreis Zuschüsse zwischen knapp 125.000 und rund 130.000 Euro leisten. Insgesamt wären von 2027 bis einschließlich 2030 rund 510.600 Euro erforderlich.
Kreistag entscheidet über die Zukunft des Gründungszentrums
Über die Fortführung und die Bereitstellung der Mittel wird der Kreistag am 7. Oktober entscheiden. Die Parteien äußern sich im Gespräch mit dieser Zeitung heterogen über die Ideenfabrik. Mit einem Votum aus dem Fachausschuss ist nicht zu rechnen. Dem Vernehmen nach wird der Antrag aus dem Fachausschuss direkt in Richtung Kreisausschuss und anschließend in den Kreistag geschoben.
Bestandteil der Beschlussempfehlung ist zudem, den Mietvertrag für die Räume in der Alten Tuchfabrik bis Ende 2030 zu verlängern und die Personalstelle für den Betrieb der Ideenfabrik beizubehalten. Ein wesentlicher Baustein des neuen Finanzierungskonzepts ist die Unterstützung durch die Kreissparkasse Euskirchen. Sie hat laut Verwaltung ihre Bereitschaft erklärt, die Ideenfabrik von 2027 bis 2030 mit jährlich 30.000 Euro zuzüglich Umsatzsteuer zu unterstützen. Voraussetzung ist, dass die Einrichtung fortgeführt und ein entsprechender Sponsoringvertrag geschlossen wird.
Vermieter kommt dem Kreis Euskirchen entgegen
Auch der Vermieter der Alten Tuchfabrik kommt dem Kreis entgegen. Bei einer Verlängerung des Mietvertrags um drei Jahre stellt er laut Verwaltung eine jährliche Mietreduzierung von 7200 Euro in Aussicht. Begründet wird dies mit dem positiven Beitrag der Ideenfabrik zur Entwicklung des gesamten Areals. So habe sich ein Unternehmen nach erfolgreichem Wachstum in der Ideenfabrik vergrößert und anschließend zusätzliche Flächen in der Alten Tuchfabrik angemietet.
Weitere Einsparungen sollen durch den Wegfall einer Hilfskraft, geringere Ausgaben für Öffentlichkeitsarbeit und eine angepasste Reinigung erzielt werden. Die Marketingmittel können nach Einschätzung der Verwaltung reduziert werden, weil die Ideenfabrik inzwischen bekannt und etabliert sei. Insgesamt ergeben sich aus diesen drei Bereichen Einsparungen in Höhe von rund 15.400 Euro pro Jahr.
An vielen Bereichen den Rotstift angesetzt
Gleichzeitig sollen zusätzliche kostenpflichtige Angebote entwickelt werden. Geplant sind eine Gründungsakademie für Gründungsinteressierte und junge Unternehmen sowie eine Transferakademie für kleine und mittlere Betriebe. Inhaltlich soll es unter anderem um Kreislaufwirtschaft, Innovation, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Automatisierung gehen.
Die Verwaltung rechnet dadurch mit zusätzlichen Einnahmen von 5000 Euro jährlich. Weitere 1000 Euro sollen durch eine angepasste Preisstruktur erzielt werden. Eine erste Erhöhung der Mietpreise für die Angebote der Ideenfabrik wurde bereits zum 1. Juni 2026 umgesetzt.
Alternative Betriebsformen wie ein Förderverein, ein eingetragener Verein oder eine GmbH wurden ebenfalls geprüft. Nach Einschätzung der Verwaltung bietet jedoch keine davon wesentliche wirtschaftliche oder organisatorische Vorteile. Deshalb soll die Ideenfabrik weiterhin als Betrieb gewerblicher Art geführt werden.
Ideenfabrik als Veranstaltungsort soll bleiben
Auch eine Verlagerung der Veranstaltungen in Räume der Kreisverwaltung hält die Verwaltung nicht für gleichwertig: Die Ideenfabrik lebe von einer eigenständigen und innovationsfördernden Atmosphäre. Zudem seien die Verwaltungsräume bereits stark ausgelastet. Für zehn größere Veranstaltungen in extern angemieteten Räumen würden nach Berechnungen des Kreises zusätzliche Kosten von etwa 7500 Euro entstehen.
Nach Ansicht der Verwaltung hat sich die Ideenfabrik als zentraler Ort für Innovation und Vernetzung etabliert. Sie ermögliche den Austausch zwischen Unternehmen, Verwaltung, Wissenschaft und weiteren Akteuren aus der Region.
Rund 80 Prozent der laufenden Kosten entfallen auf Personal und Miete, so dass der Spielraum für weitere Einsparungen begrenzt sei. Eine Schließung würde nach Einschätzung der Verwaltung den Verlust einer etablierten Plattform bedeuten und die Förder-, Vernetzungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für Unternehmen im Kreis Euskirchen deutlich schwächen.
Das sagt die Kreis-Politik zur Ideenfabrik in Euskirchen
Wie viel darf Wirtschaftsförderung kosten – und wie lässt sich ihr Erfolg überhaupt messen? An diesen Fragen scheiden sich die Geister, wenn es um die Zukunft der Ideenfabrik Nachhaltige Wirtschaft im Kreis Euskirchen geht. Während SPD, Grüne und Linke das Projekt grundsätzlich weiter unterstützen wollen, lehnt die FDP eine Fortführung ab. Im Mittelpunkt der Debatte stehen dabei nicht nur die jährlichen Kosten von 135.000 Euro, sondern auch die Frage, welchen konkreten Nutzen die Ideenfabrik für Unternehmen und Gründer im Kreis bringt.
Die CDU ist laut Fraktionschef Jochen Kupp gespalten. „Es gibt CDUler, die sehen die Ideenfabrik kritisch. Aber nur mit Blick auf den Haushalt, nicht bei der Sache an sich“, sagt Kupp, der selbst ein großer Befürworter der Ideenfabrik ist. Einen Fraktionszwang werde es bei der Abstimmung im Kreistag nicht geben. Jeder dürfe nach seinem Gusto abstimmen, sagt Kupp, der sich wünscht, dass die Institution im Südkreis noch bekannter gemacht wird.
SPD wird für Fortführung stimmen
Für die SPD ist ein Rückzug gerade angesichts der schwierigen konjunkturellen Lage der falsche Weg. „Wir werden dem zustimmen, weil in einer Situation, in der die Wirtschaftslage etwas stottert, es nicht viel Sinn ergibt, die Hände in den Schoß zu legen und zuzugucken“, sagt Fraktionsvorsitzender Thilo Waasem. Dass sich künftig auch externe Unternehmen finanziell an der Ideenfabrik beteiligen wollen, wertet er als positives Signal. Dies zeige, dass das Angebot auch von der Wirtschaft als wichtiges Instrument anerkannt und wertgeschätzt werde.
Grüne sehen Verbesserungspotenzial
Ähnlich argumentieren die Grünen. Fraktionsvorsitzender Jörg Grutke verweist vor allem auf den Nachhaltigkeitsgedanken. Die Ideenfabrik solle Unternehmen dabei unterstützen, ihren CO2-Ausstoß zu verringern. Ursprünglich habe sogar das Ziel im Raum gestanden, bis zu 100 Unternehmen klimaneutral aufzustellen. Deshalb dürfe der Erfolg nicht ausschließlich daran gemessen werden, welcher finanzielle Ertrag unmittelbar zu Buche schlage.
„Jedes eingesparte Gramm CO2 besitzt schließlich auch einen volkswirtschaftlichen Wert“, sagt Grutke. Gleichzeitig müsse das Projekt regelmäßig evaluiert und weiterentwickelt werden. Einen besonderen Wert sieht er zudem in der Begleitung von Gründern und der Netzwerkvermittlung. Dieses Angebot habe ein Alleinstellungsmerkmal, das über den Kreis Euskirchen hinausreiche.
Grutke macht dazu eine einfache Rechnung auf: Wenn es mithilfe des Gründerzentrums gelinge, auch nur ein zusätzliches Unternehmen dauerhaft im Kreis anzusiedeln, könne der daraus resultierende Gewerbesteuerertrag die jährlichen Kosten von 135.000 Euro um ein Vielfaches übersteigen. Die Grünen sehen allerdings auch Verbesserungsbedarf. Vor allem im mittleren und südlichen Kreisgebiet müsse die Ideenfabrik stärker Fuß fassen. Grutke nennt dabei ausdrücklich Blankenheim, Dahlem und Nettersheim. Dort müsse das Angebot stärker verankert werden.
Linke stimmen grundsätzlich der Ideenfabrik zu
Grundsätzliche Zustimmung kommt auch von der Linken. „Dass der Kreis Euskirchen die regionale Wirtschaft bei der ökologischen Transformation unterstützt sowie eine Plattform für Innovation und Vernetzung bietet, ist ein richtiger und notwendiger Schritt“, sagt Gruppensprecherin Dshamila Swirschuk. Positiv bewertet die Linke zudem die gezielte Ansprache von Gründerinnen und die Einbindung des örtlichen Handwerks. Allerdings fordert die Linke Veränderungen.
Vor allem müsse die Ideenfabrik bekannter werden. „Was keiner kennt, kann auch nicht erfolgreich sein“, sagt Swirschuk. Ein öffentlich finanziertes Angebot dürfe kein „Geheimtipp für Eingeweihte“ bleiben. Mit einer aktiveren und zielgruppengerechten Kommunikation müssten insbesondere kleine Betriebe, Handwerker und Initiativen im gesamten Kreis erreicht werden.
Darüber hinaus fordert die Linke, den Begriff Nachhaltigkeit breiter zu fassen. Neben Ökologie und Digitalisierung sollten auch soziale Aspekte wie gute Arbeitsbedingungen, Tariftreue und Arbeitsschutz stärker in den Angeboten der Ideenfabrik berücksichtigt werden. Wenn ökologische Verantwortung konsequent mit sozialer Gerechtigkeit verbunden werde und das Projekt größere Bekanntheit erreiche, könne es „zu einem echten Gewinn für den gesamten Kreis Euskirchen“ werden, so Swirschuk.
FDP wünscht sich ein echtes Start-up-Zentrum
Deutlich kritischer fällt die Bilanz der FDP aus. „Wir lehnen die Fortführung der Ideenfabrik ab. Das Konzept hat die Erwartungen bislang nicht erfüllen können und ist zu teuer“, sagt Fraktionsvorsitzender Frederik Schorn. Angesichts der angespannten kommunalen Haushaltslage seien zusätzliche Ausgaben besonders kritisch zu prüfen.
Schorn warnt davor, dass die Finanzprobleme der Kommunen letztlich zu höheren Steuern für die Bürger führen könnten. „Das wäre angesichts von Wirtschaftskrise und Inflation fatal.“ Aus Sicht der FDP müssten deshalb alle Beteiligten daran arbeiten, zusätzliche Belastungen zu verhindern.
Gegen die Förderung von Gründern an sich hat die FDP allerdings nichts einzuwenden. Ein „echtes Start-up-Zentrum“ im Kreis könne sich die Fraktion in finanziell besseren Zeiten durchaus vorstellen. Voraussetzung sei dann allerdings, private Unternehmen und die regionale Wirtschaft stärker einzubinden.
Ionana Sülzner, Fraktionsvorsitzende der AfD, sagt: „Wenn sich ein Projekt, das subventioniert war, von Anfang bis Ende als dauerdefizitär erweist, denn das tut es, so ist es – noch dazu bei der Haushaltslage des Kreises – nicht mehr tragbar. Die Ideenfabrik ist ein Nice to have, wenn man als Kreis über die nötigen Finanzen verfügt. In Zeiten von Haushaltssperre muss die Priorität auf Konsolidierung des Haushaltes liegen und auf radikalen Sparmaßnahmen.“
Nach Informationen dieser Zeitung könnte die Ideenfabrik nach ein paar Jahren umziehen – in die Zukunftswerkstatt, die „An der Katzenhecke“ vor den Toren Euskirchens gebaut wird. Das hätte dem Vernehmen nach den Vorteil, noch mehr Synergien nutzen zu können – und dass die Miete günstiger wird. q

