Der Kreis Euskirchen soll dem Regionalpakt beitreten, der vorbeugende Maßnahmen im Erftbereich besser koordiniert.
Regionalpakt geplantHochwasserschutz kennt im Kreis Euskirchen keine Grenzen

Die Spuren der Hochwasserkatastrophe sind vielerorts, hier Bad Münstereifel kurz nach der Flut, längst beseitigt.
Copyright: Rocco Bartsch
Der Hochwasserschutz im Einzugsgebiet der Erft soll künftig noch stärker über kommunale Grenzen hinweg organisiert werden. Der Kreistag wird am Mittwoch, 7. Oktober, darüber entscheiden, ob der Kreis Euskirchen dem Regionalpakt für Hochwasserschutz Erft beitritt. Darin wollen das Land Nordrhein-Westfalen, Bezirksregierungen, Kreise, Städte, Gemeinden und der Erftverband ihre Zusammenarbeit verbindlicher strukturieren und Schutzmaßnahmen möglichst schneller umsetzen.
Hintergrund ist der im Februar 2026 unterzeichnete Landespakt für Hochwasserschutz NRW. Auf dessen Grundlage werden nun für einzelne Flussgebiete Regionalpakte vereinbart. Der Pakt für das Erft-Einzugsgebiet soll im Dezember 2026 unter anderem vom nordrhein-westfälischen Umweltminister, dem Erftverband, den Mitgliedern der interkommunalen Hochwasserschutzkooperation „hwsErft“ sowie weiteren Kommunen unterzeichnet werden.
Hochwasserschutz endet nicht an Stadt- oder Kreisgrenzen
Dass Hochwasserschutz nicht an Stadt- oder Kreisgrenzen enden kann, ist eine der zentralen Erkenntnisse aus der Flutkatastrophe von 2021. Maßnahmen an einem Oberlauf können erhebliche Auswirkungen auf weiter flussabwärts gelegene Orte haben. So beeinflusst etwa die Steuerung eines Rückhaltebeckens nicht nur die unmittelbar angrenzende Kommune, sondern möglicherweise zahlreiche Unterlieger.
Der Regionalpakt soll deshalb eine Gesamtkonzeption für das gesamte Einzugsgebiet der Erft schaffen – von der Quelle bis zur Mündung. Und unter Einbeziehung der Nebengewässer. Grundlage sind nach Angaben der Kreisverwaltung die bestehenden Strukturen der hwsErft, die 2022 von besonders stark von der Flut betroffenen Kommunen, Kreisen und dem Erftverband gegründet wurde. Vorhandene Hochwasser- und Starkregenschutzkonzepte sowie Maßnahmenprogramme sollen zusammengeführt und besser aufeinander abgestimmt werden.
„Ein wesentliches Ziel besteht darin, Planung, Genehmigung und Bau von Schutzmaßnahmen zu beschleunigen“, heißt es in der Ausschussvorlage. Gemeinsame Zeitpläne, digitale Beteiligungsformate und ein früher Austausch mit Landwirtschaft, Wirtschaft, Naturschutz und Grundstückseigentümern sollen Konflikte möglichst frühzeitig lösen. Vorgesehen sind zudem Pilotprojekte, mit denen neue Formen der Zusammenarbeit erprobt werden können.
Hochwasserkoordinatoren sollen aufgebaut werden
Weil fehlendes Fachpersonal bei Kommunen und Genehmigungsbehörden als ein wesentliches Hindernis gilt, soll der Erftverband ein Projekt mit Hochwasserkoordinatoren aufbauen. Sie könnten die Kommunen unter anderem bei der Planung von Maßnahmen, bei der Vergabe von Ingenieurleistungen, bei Förderanträgen sowie bei der Abstimmung mit Behörden und der Öffentlichkeit unterstützen. Auch Termine und Kosten sollen auf diese Weise besser überwacht werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Sicherung geeigneter Flächen. Dabei geht es vor allem um Bereiche, die bei Hochwasser Wasser aufnehmen und zurückhalten können. Solche Retentionsräume sollen frühzeitig identifiziert und möglichst in der Regional-, Flächennutzungs- und Bauleitplanung berücksichtigt werden.
Landwirtschaftliche Flächen könnten zeitweise als Rückhalteräume dienen
Angestrebt wird laut Kreis auch eine multifunktionale Nutzung: Landwirtschaftliche Flächen könnten im Hochwasserfall zeitweise als Rückhalteräume dienen. Für mögliche Ernteausfälle, Flächenreinigungen oder eine notwendige Neuansaat müssten dann Entschädigungsmöglichkeiten geschaffen werden.
Darüber hinaus sieht der Pakt eine stärkere Information der Bevölkerung über die private Hochwasservorsorge vor. Angebote wie der Hochwasser-Pass, das Hochwasser-Infomobil und die Hochwasser-App des Landes sollen bekannter gemacht werden. Zusätzliche Vorsorgepflichten für Privatleute oder Unternehmen entstehen durch den Pakt allerdings nicht.
Austausch von Daten soll verbessert werden
Auch der Austausch von Daten soll verbessert werden. Eine geplante landesweite digitale Hochwasserplattform soll Informationen von der Maßnahmenplanung über die Genehmigung bis zur Förderung bündeln. Die Daten sollen zudem mit der bestehenden digitalen Karten- und Informationsplattform der hwsErft verknüpft werden. Auf diese Weise sollen Projekte transparenter begleitet, Fristen besser eingehalten und Maßnahmen aufeinander abgestimmt werden.
In der vorläufigen Maßnahmenliste des Regionalpakts finden sich mehrere Projekte im Kreis Euskirchen. Dazu gehören der geplante Hochwasserabschlag aus dem Vlattener Bach in den Zülpicher Wassersportsee und ein Hochwasserrückhaltebecken am Rotbach vor Schwerfen.
Der Kommerner Mühlensee soll zu einem Hochwasserrückhaltebecken umgebaut werden. Weitere Rückhaltebecken sind unter anderem am Eschweiler Bach bei der Möschemer Mühle sowie am Sürstbach vor Schweinheim vorgesehen.
Für Schweinheim wird zudem der Ausbau von Sürstbach, Steinbach und Orbach in der Ortslage aufgeführt. Die meisten dieser Vorhaben befinden sich noch in der Vorplanung oder in der Entwurfs- und Genehmigungsphase. Die geschätzten Kosten reichen – abhängig vom Projekt – von weniger als einer Million Euro bis hin zu 20 Millionen Euro.
Der Regionalpakt verpflichtet die beteiligten Kommunen jedoch nicht rechtlich dazu, sämtliche aufgelisteten Vorhaben tatsächlich umzusetzen. Eine rechtliche Bindung entstehe erst, wenn Genehmigungen oder Fördermittel beantragt würden, so der Kreis. Mit seinem Beitritt soll sich der Kreis Euskirchen zunächst zur engeren regionalen Zusammenarbeit verpflichten. Zusätzliche Kosten entstehen dem Kreis dadurch nach Angaben der Verwaltung nicht.
