Experten geben am 4. Oktober an fünf Stationen im Kreis Euskirchen Einblicke in ihre Forschungsarbeit.
AusflugstippArchäologietour bietet eine spannende Reise in die Vergangenheit der Nordeifel

Im Felsenkeller stellten Landschaftsverband Rheinland und Nordeifel-Tourismus das Programm der Tour vor.Frank Neuenhausen
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Viele fahren täglich keine 15 Meter daran vorbei, haben sie aber noch nie wahrgenommen. Nur kurz hinter dem Kreisel an der L194/B51 sieht man eine Tür in einem Steinbogen. Sie führt direkt in den Felsen. Dahinter öffnet sich ein gemauerter Keller mit Münstereifeler Geschichte. Dieser Eiskeller ist einer von fünf verborgenen archäologischen Besonderheiten, die im Rahmen der Archäologietour Nordeifel am Sonntag, 4. Oktober, in den Fokus rücken. Individuell können die Stationen angefahren werden, die Busexkursionen sind bereits ausgebucht, hier gibt es eine Warteliste.
In der Station Eiskeller Bad Münstereifel stellten unter der Führung von Norbert Liebing, ehrenamtlich für den Bereich Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) tätig, Patrick Schmidder, Geschäftsführer der Nordeifel Tourismus GmbH, Bürgermeister Sebastian Glatzel und Landrat Markus Ramers das Programm vor.
Auch ohne Eis ist es im Eiskeller ganz schön eisig
Im ehemaligen Eiskeller der Brauerei Hendrichs spürt man sehr schnell die Kälte: 9,8 Grad bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit lassen erahnen, warum man im 19. Jahrhundert zur kühlen Lagerung von Bier gerne in den Felsen gegangen ist. Der Keller wurde von der damals größten Eifeler Brauerei Hendrichs angelegt. Sie bestand ab 1865. Zuvor befand sich am Ort eine Art Stollen, nachdem im Jahr 1720 ein Ofenbauer dort nach Steinkohle gesucht hatte. Die Historie des Eiskellers hat Liebing mithilfe vieler Dokumente zusammengestellt. Behilflich war dabei die Nachlassverwaltung der ehemaligen Brauerei Hendrichs.
Das heutige Kellergewölbe ist sehenswert. Durch zwei Raumabschnitte gelangt man zum einstigen Lagerraum. Eine massive Wand aus Grauwacke am Ende gibt Einblick in die Beschaffenheit des Felsens. Quer zur Lagerung des Gesteins haben sich die Erbauer allmählich vorgearbeitet. Über einem bogenförmigen Holzgerüst wurde nach und nach ein Gewölbe errichtet. Als Material verwendete man die abgebauten Gesteinsreste und Mörtel. Die Stabilität dieses Tonnengewölbes hat auch Bombenangriffe und Sprengungen in der Zeit des Zweiten Weltkriegs überstanden.
Bad Münstereifeler produzierten 500.000 Liter Bier
Vor der Felswand und damit an der höchsten Stelle des Kellers, wurde das Eis gelagert. „Das stammte aus dem so genannten Eisweiher“, so Liebing. Dieser Teich war extra für die Eisgewinnung angelegt worden, diente aber auch zeitweise zur Fischzucht und als Badesee. Im Winter sägte man Blöcke aus dem Eis. War es zu mild, wurde auch Schnee von den umliegenden Hängen geholt und gepresst. Meist verrichteten Landwirte diese Arbeit, die eine winterliche Einnahmequelle brauchten.
Auf Fuhrwerken und später auf Lastwagen, wurden die Blöcke zum Keller gefahren und mit Eishaken an ihren Platz an der hinteren Wand gezogen. Da kalte Luft nach unten fällt, konnte sie so langsam in den Raum gleiten. Anschließend lagerte man das Bier davor.
Geliefert wurde das Bier der Firma Hendrichs bis nach Gemünd. Bis zu 500.000 Liter wurden produziert. Die notwendige Gerste und die Hefen baute man selbst an, Hopfen musste zugekauft werden. Als man im 20. Jahrhundert in der Innenstadt einen neuen Keller anlegte, wurde der Felsenkeller aufgegeben. Er diente im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzraum.
Damit der Besichtigung im Rahmen der Archäologietour nichts im Wege steht, hat Bernhard Ohlert von der Nachlassverwaltung tüchtig mit angepackt und die Räume von Unrat und Dreck befreit. Die Fledermäuse, die den Keller gerne zur Überwinterung nutzen, kommen üblicherweise etwas später, um sich dort niederzulassen. Zu sehen gibt es neben dem Gewölbe noch originale Eishaken und ein Kühlraum, der nie in Betrieb ging. Warum? Das verraten die aufschlussreichen Führungen. rum Nettersheim.
Die weiteren Stationen
An der Burg Blankenheim, unter dem Spiel- und Bolzplatz der heutigen Jugendherberge, wurden im November 2025 mithilfe moderner Bodenradartechniken die Wege und Terrassen eines barocken Gartens nachgewiesen. Auch der Verlauf der Wasserleitung, die unter anderem einen Springbrunnen ermöglichte, konnte sichtbar gemacht werden. Eisenklammern, die die Holzrohre miteinander verbanden, liefern heute ein Verlaufsprotokoll. Auch die komplizierte Technik hinter der Wasserversorgung lässt über die Fähigkeiten der damaligen Zeit staunen. Die größte Grafschaft der Eifel legte im 18. Jahrhundert den Garten an, um die üblichen repräsentativen Zwecke einer Regionalmacht zu erfüllen. Nach dem Wegzug der Grafenfamilie 1794 wurde das Gelände teilweise eingeebnet. Bei der Archäologietour werden die Experten des LVR einen Eindruck vermitteln, wie der Barockgarten ausgesehen hat und wie dies erforscht wurde.
Die „Alte Burg“ bei Flamersheim ist nicht etwa eine mittelalterliche Ruine, sondern ein römischer Burgus, eine turmartige Kleinbefestigung aus dem 3./4. Jahrhundert. Bei Führungen im Wald wird bei der Archäologietour die Anlage aus Wall und Graben erklärt, die im Relief noch sichtbar erhalten ist. Der LVR erklärt, dass sie im Innenbereich 35 mal 45 Meter groß ist und von einem etwa zehn Meter breiten Graben mit gerundeten Ecken umgeben war.
Am Bahnhof ist Kall ist der Vorplatz neu gestaltet worden. Dort ist auch ein Teilstück des Römerkanals zu sehen. Laut LVR stammt es aus dem Kalksteinbruch des einstigen Zementwerks Sötenich. Es wurde 1989 freigelegt, archäologisch untersucht, in Teilen geborgen und in die Mauer am Bahnhofsvorplatz integriert. Bei der Archäologietour gibt’s hier für Familien mit Kindern ein vielfältiges Angebot an römischen Spielen.
Bei Mechernich-Berg sind in einem alten Steinbruch Millionen Jahre alte Fossilien zu entdecken. Sie mögen unscheinbar wirken, geben den Forschern jedoch spannende Einblicke in die damalige Umwelt. Bei Führungen zeigen sie nicht nur die Fossilien, sondern geben auch Einblicke in ihre Arbeit und die geologische Geschichte der Region. (fkn/rha)
