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Kreis sieht HandlungsbedarfDie St.-Nikolaus-Schule in Kall platzt aus allen Nähten

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Schulleiterin Kathrin Kuhl steht in der Mehrzweckhalle.

Die Nikolaus-Schule in Kall ist zu klein. Die Förderschule des Kreises benötigt mittelfristig zwei Klassenzimmer. Dafür ist die Mehrzweckhalle nach der Flut wieder hergerichtet. Auf Schulleiterin Kathrin Kuhl warten in den kommenden Jahren viele Baustellen.

Das Gebäude in Kall soll aufgestockt und energetisch saniert werden. 26 Millionen Euro sind veranschlagt. Die Förderlage ist unsicher.

Die geplante Erweiterung und energetische Sanierung der St.-Nikolaus-Schule in Kall soll trotz aktuell unsicherer Förderlage weiter vorangetrieben werden. Darüber informierte die Kreisverwaltung jetzt im Schulausschuss. Hintergrund ist der akute Raumbedarf an der Förderschule sowie die überraschende Schließung eines wichtigen Förderprogramms.

Ursprünglich hatte der Kreis Euskirchen gehofft, die Maßnahme über das Programm „Rheinisches Revier – Energetische Sanierung kommunaler Gebäude“ finanzieren zu können. Dafür war im März bereits ein Planungsbüro mit der Erstellung eines Sanierungs- und Aufstockungskonzeptes beauftragt worden, als noch die Aussicht auf eine Förderung von bis zu 95 Prozent bestanden hatte.

Das Förderprogramm wurde kurzfristig eingestellt

Doch wie Achim Blindert, Allgemeiner Vertreter des Landrats, nun berichtete, haben sich die Rahmenbedingungen unerwartet geändert. Nachdem es zuvor keine Hinweise auf ein Ende gegeben hatte, wurde im Mai bekannt, dass das Förderprogramm kurzfristig eingestellt werden könnte. Bereits einen Tag später folgte die nächste Veröffentlichung, in der Vollzug gemeldet wurde: Es werden keine weiteren Anträge mehr angenommen. Die Planungsunterlagen wurden seitens des Kreises dennoch vorsorglich fertiggestellt und eingereicht, um mögliche Nachrückverfahren oder alternative Förderwege offenzuhalten.

Für die energetische Sanierung und Erweiterung der Nikolaus-Schule in Kall werden derzeit förderfähige Kosten von rund 25,1 Millionen Euro veranschlagt. Hinzu kommen weitere nicht förderfähige Kosten von etwa 1,2 Millionen Euro. Doch unabhängig von der Förderfrage sieht die Kreisverwaltung einen erheblichen Handlungsbedarf in der Schule. Die Schülerzahlen an der Nikolaus-Schule steigen kontinuierlich. Waren im vergangenen Schuljahr noch 83 Schülerinnen und Schüler angemeldet, besuchen aktuell 87 Kinder die Schule. Für das kommende Schuljahr rechnet die Schulleitung bereits mit 105 Schülerinnen und Schülern. Um den zusätzlichen Bedarf aufzufangen, muss eine weitere Unterstufenklasse eingerichtet werden.

Einige Räume in der Nikolaus-Schule werden mehrfach genutzt

Die räumlichen Kapazitäten sind dem Kreis zufolge jedoch bereits jetzt nahezu ausgeschöpft. Fachräume und Besprechungsräume müssen zu Klassenräumen umfunktioniert werden, andere Räume werden mehrfach genutzt. Auch die sanitären Anlagen stoßen zunehmend an ihre Belastungsgrenzen. Die geplante Aufstockung des Gebäudes soll den dringend benötigten Raum schaffen.

Wie groß der Druck inzwischen ist, machte Schulleiterin Kathrin Kuhl im Ausschuss deutlich. Die Schule platze aus allen Nähten. Fachräume gingen verloren, weil sie als Klassenräume noch dringender benötigt werden. Gleichzeitig nehme der Unterstützungsbedarf vieler Schülerinnen und Schüler zu. Insbesondere Kinder aus dem Autismus-Spektrum oder mit anderen besonderen Förderbedarfen benötigten individuelle Rückzugs- und Fördermöglichkeiten. Dafür fehlten jedoch derzeit geeignete Räume.

Schulleiterin fordert, dass die Schule größer wird

Die Schulleiterin betonte, dass die Schule zwar gerne die steigende Nachfrage und die positiven Rückmeldungen von Eltern sehe, die Situation aber zunehmend schwieriger werde. „Es muss etwas passieren, damit unsere Schule größer wird“, lautet daher ihre eindringliche Botschaft an Politik und Verwaltung.

Neben dem zusätzlichen Platzbedarf weist das Gebäude nach Angaben des Kreises auch erhebliche energetische Defizite auf. Sowohl das Dach als auch die Fassade entsprechen nicht mehr den heutigen Standards. Die Folgen sind im ohnehin stark belasteten öffentlichen Geldbeutel spürbar: Durch den hohen Energieverbrauch steigen die Betriebskosten.

Dachkonstruktion lässt keine Installation von PV-Anlagen zu

Zudem lässt die bestehende Dachkonstruktion derzeit keine Installation von Photovoltaikanlagen zu. Erst im Zuge der geplanten Dachsanierung und Aufstockung könnten die baulichen Voraussetzungen geschaffen werden, um künftig Solarstrom zu erzeugen und die Energiekosten dauerhaft zu senken.

Nach Ansicht der Kreisverwaltung sind Erweiterung und energetische Sanierung deshalb als Gesamtprojekt zu betrachten. Die Maßnahme diene nicht nur der Sicherung des Schulbetriebs, sondern auch dem Klimaschutz und einer langfristigen Entlastung des Kreishaushalts.

Kreis Euskirchen will trotz unklarer Situation die Planung vorantreiben

Trotz der derzeit unklaren Situation bei der Förderung empfiehlt die Verwaltung, die Planungen für die Nikolaus-Schule konsequent fortzuführen. Geplant ist, die weiteren Leistungen für die Detailplanungen öffentlich auszuschreiben und schrittweise zu vergeben. Die Kosten hierfür werden auf rund 3,2 Millionen Euro geschätzt.

Die Verwaltung argumentiert, dass eine fortgeschrittene Planung Voraussetzung für nahezu alle künftigen Förderprogramme sei. Blindert: „Ein Aufschub würde erhebliche Risiken mit sich bringen. Neben weiter steigenden Energiekosten drohen ein wachsender Sanierungsstau, der Verlust möglicher Fördermittel sowie deutlich höhere Baukosten.“


Pläne für die Kreisverwaltung

Über das Förderprogramm „Rheinisches Revier – Energetische Sanierung kommunaler Gebäude“ sollte ursprünglich auch das Kreishaus energetisch saniert werden. Der Kreis hatte für die Sanierung der Förderschule in Kall und der älteren Gebäudebereiche des Kreishaus-Komplexes auf eine Förderung in Höhe von jeweils 95 Prozent gehofft.

Doch diese Rechnung wird so nicht aufgehen. Aktuell gibt es laut Achim Blindert, Allgemeiner Vertreter des Landrats, für den Kreis insgesamt lediglich 6,9 Millionen Euro aus den Fördertöpfen. Laut Blindert kostet allein die angedachte Sanierung der Fensterfront und der Heizung in der Kreisverwaltung schon etwa 40 Millionen Euro.

Wie die Verwaltung nun bei in Aussicht stehenden 6,9 Millionen Euro und einem Bedarf von 76 Millionen – 26 entfallen auf die energetische Sanierung der Nikolaus-Schule – vorgeht, ist noch nicht entschieden. Blindert hofft, dass er bis zum Kreisausschuss am 24. Juni weitere Informationen zur Fortsetzung des Förderprogramms hat.