Rund 4200 Anliegen hat die Verbraucherzentrale Euskirchen 2025 bearbeitet. Meist geht es Probleme mit Verträgen oder dem Energieversorger.
VerbraucherzentraleImmer mehr Menschen im Kreis Euskirchen suchen unabhängige Beratung

Pressekonferenz der Verbraucherzentrale im Kreishaus: Landrat Markus Ramers, die Leiterin der Beratungsstelle Euskirchen, Monika Schiffer (M.), und Regionalleiterin Beate Fackeldey.
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Eine falsche Zählernummer, eine verschwundene Rechnung oder ein Paket mit dem falschen Inhalt: Was zunächst wie ein kleines Ärgernis klingt, entwickelt sich für viele Verbraucher schnell zu einem nervenaufreibenden Problem. Nicht selten geht es dabei um mehrere Hundert oder sogar Tausende Euro. Wer dann Hilfe sucht, landet häufig bei der Verbraucherzentrale im Kreis Euskirchen. Die Bilanz des vergangenen Jahres zeigt, wie stark die Nachfrage nach unabhängiger Beratung inzwischen ist.
Rund 4200 Anliegen bearbeitete die Beratungsstelle im Jahr 2025. In knapp 2000 Fällen blieb es nicht bei einer einfachen Auskunft. Hier mussten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rechtlich tätig werden, Schreiben aufsetzen, Ansprüche durchsetzen oder Verbraucher gegenüber Unternehmen vertreten. Die Zahl dieser Vertretungen ist nach Angaben der Verantwortlichen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Neue Regelungen beinhalten oft auch neue Fehlerquellen
Die meisten Anfragen drehen sich nach Angaben von Monika Schiffer, Leiterin der Verbraucherzentrale in Euskirchen, nach wie vor um Verträge und Energie. Mit 39 Prozent aller Fälle lagen allgemeine Vertragsangelegenheiten im vergangenen Jahr knapp vor dem Energierecht mit 38 Prozent. Die Bandbreite der Probleme ist groß. Sie reicht von fehlerhaften Handyverträgen über Schwierigkeiten beim Online-Einkauf bis hin zu existenzbedrohenden Forderungen von Energieversorgern.
Obwohl gesetzliche Änderungen auf dem Energiemarkt und neue Vorgaben der Bundesnetzagentur Abläufe beschleunigen sollen, sorgen sie nach Einschätzung der Verbraucherzentrale gleichzeitig für neue Fehlerquellen. Immer wieder beschäftigen die Beratungsstelle Fälle mit fehlenden Zählern, falschen Datensätzen oder ungeklärten Zuständigkeiten zwischen Netzbetreibern und Energieversorgern. Für die Betroffenen können solche Fehler laut Schiffer gravierende Folgen haben.
Manche Verfahren ziehen sich über Jahre hin
Anders als bei vielen anderen Verträgen lässt sich ein Energievertrag nicht ohne Weiteres kündigen oder wechseln. Verfahren ziehen sich teilweise über Monate oder sogar Jahre hin. In manchen Fällen drohen Versorgungslücken oder hohe Nachforderungen. Auch der Online-Handel sorgt der Verbraucherzentralen-Chefin zur Folge weiterhin für zahlreiche Beschwerden. Besonders häufig geht es um Reklamationen und Rückerstattungen.
Kunden berichten immer wieder, dass Händler Mängelrügen mit fragwürdigen Begründungen zurückweisen oder Rücksendungen nicht anerkennen. Pakete mit falschem Inhalt Zunehmend häufen sich Fälle, in denen Verbraucher teure Produkte bestellen, aber einen völlig anderen Inhalt im Paket vorfinden. Händler verweigern dann oftmals die Rückerstattung mit dem Hinweis, dass das ursprünglich bestellte Produkt nicht zurückgesandt worden sei. Die Folge sind schwierige Beweissituationen.
Abofallen im Internet sind ein Dauerbrenner
Zwar empfehlen Verbraucherschützer, das Öffnen hochpreisiger Sendungen per Video oder im Beisein von Zeugen zu dokumentieren, im Alltag sei dies jedoch nur begrenzt praktikabel. Kritisch sieht die Verbraucherzentrale außerdem die Rolle großer Bezahldienstleister wie PayPal oder Klarna. Deren Käuferschutzsysteme stärkten nach Einschätzung der Berater häufig die Position der Unternehmen. Automatisierte Verfahren, Inkassoschreiben und Hinweise auf mögliche Schufa-Einträge setzten Verbraucher zusätzlich unter Druck.
Ein Dauerbrenner bleiben zudem sogenannte Abofallen im Internet. Dabei imitieren professionell gestaltete Webseiten offizielle Angebote und Behördenportale. Betroffen sind unter anderem Dienstleistungen rund um Rundfunkbeiträge, Nachsendeaufträge, Rentenauskünfte oder Schufa-Abfragen. Viele Nutzer bemerken erst später, dass sie einen kostenpflichtigen Vertrag abgeschlossen haben. Die rechtliche Verfolgung solcher Anbieter gestaltet sich oft schwierig. Die Betreiber sitzen nicht selten im Ausland und verändern ihre Internetseiten regelmäßig.
Oft gibt es Ärger um Supermarktparkplätze
Hinzu kommen Fake-Shops, untergeschobene Zeitschriftenabonnements, problematische Retourenabwicklungen oder irreführende Werbeschreiben im Zusammenhang mit Telefonverträgen. Ein weiteres Thema, das die Verbraucherzentrale zunehmend beschäftigt, ist der Glasfaserausbau. Beschwerden gibt es insbesondere über aggressive Vermarktungsmethoden, Verzögerungen nach Vertragsabschlüssen und Probleme bei der Umsetzung.
Selbst Supermarktparkplätze sorgen inzwischen für Ärger. Immer häufiger wenden sich Verbraucher an die Beratungsstelle, weil sie Vertragsstrafen aufgrund vermeintlicher Verstöße gegen Parkregeln erhalten haben. Die strenge Überwachung vieler Parkflächen führt regelmäßig zu Beschwerden. Vor neuen Herausforderungen steht die Verbraucherzentrale durch den zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz.
Die KI schürt sehr hohe Erwartungen, die oft leider falsch sind
Immer häufiger gehen Schreiben ein, die offensichtlich mit KI-Systemen erstellt wurden. Äußerlich wirken sie professionell und juristisch fundiert. Im persönlichen Gespräch zeigt sich jedoch oftmals, dass die tatsächliche Sachlage deutlich von den schriftlichen Darstellungen abweicht. Die Berater beobachten zudem, dass Verbraucher fehlerhafte Gesetzeszitate, falsche Rechtsauffassungen oder unrealistische Erwartungen aus KI-generierten Antworten übernehmen.
In einem Fall hatte eine KI sogar fälschlicherweise behauptet, die Verbraucherzentrale unterstütze bei Kindergeldanträgen. Solche Fehler führten immer wieder zu Missverständnissen und unnötigen Konflikten. „Die KI schürt sehr hohe Erwartungen, die oft leider falsch sind“, so Schiffer. Hinzu komme ein praktisches Problem: Die Beschaffung vollständiger Unterlagen wird immer schwieriger. Informationen liegen heute häufig verteilt in Briefen, E-Mails, Kundenportalen, SMS, Messenger-Nachrichten oder Screenshots vor.
Gerade bei komplexen Fällen kostet die Zusammenstellung aller relevanten Dokumente viel Zeit. Ohne vollständige Unterlagen seien fundierte Empfehlungen und eine erfolgreiche Rechtsvertretung jedoch kaum möglich. Landrat Markus Ramers lobte die Arbeit der Verbraucherzentrale: „Es ist ganze wichtige Arbeit, die da passiert. Für die Menschen im Kreis Euskirchen, mit Themen aus dem Alltag der Menschen.“
