Abo

Ausstellung in der EifelWie ein kleines Museum in Monschau zum Hotspot der Fotoszene wurde

5 min
Ausstellungsraum des Fotografie-Forums der Städteregion Aachen in Monschau, hier: Robert-Capa-Ausstellung März 2026.

Noch bis zum 3. Mai ist die aktuelle Robert-Capa-Ausstellung zu sehen. Monschau ist die letzte Station der Schau in Europa.

Das Fotografie-Forum in Monschau besteht seit 25 Jahren. Die Ausstellungen locken ein bundesweites Publikum in die Nordeifel.

Mit einer Hommage an einen der wichtigsten Fotojournalisten des 20. Jahrhunderts ist das Fotografie-Forum der Städteregion Aachen in seine Jubiläumssaison zum 25-jährigen Bestehen gestartet: Dem Fotografen Robert Capa, der 1913 als Endre Ernő Friedmann in Budapest zur Welt kam, ist die Ausstellung „Der visuelle Journalist“ gewidmet, die in den ersten beiden Wochen nach der Eröffnung am 8. Februar bereits 2000 Besucher angelockt hat.

„Diese Ausstellung hat das Zeug dazu, sich in die Liste unserer meistbesuchten Ausstellungen einzureihen“, glaubt Dr. Nina Mika-Helfmeier, Leiterin und Kuratorin des Fotografie-Forums in Monschau: „Am Eröffnungstag reichte die Schlange der Besucher von der Austraße bis zum Marktplatz.“

Arbeiten namhafter Fotokünstler wurden schon in der Nordeifel gezeigt

Im Laufe des vergangenen Vierteljahrhunderts waren in Monschau bereits viele Größen der Fotokunst mit ihren Werken vertreten: Berenice Abbott, Henri Cartier-Bresson, Anton Corbijn, Bruce Davidson, Lotte und Ruth Jacobi, Robert Lebeck, Herbert List, Vivian Maier, Lee Miller – die Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen. Vier bis sechs Ausstellungen pro Jahr realisiert die Kuratorin, die seit dem Bestehen des Hauses an diesem Herzensprojekt mitarbeitet.

SPAIN. Córdoba front. Early September, 1936. Death of a loyalist militiaman.

Ob die Aufnahme „Death of a loyalist militiaman“ tatsächlich den Augenblick des Todes zeigt, wird seit Jahrzehnten diskutiert. Mit der Frage beschäftigen sich etliche wissenschaftliche Untersuchungen.

INDOCHINA (VIETNAM). May, 1954. Motorcyclists and woman walking on the road from Nam Dinh to Thai Binh.

Im Mai 1954 war Robert Capa im heutigen Vietnam unterwegs, wo er durch eine Landmine zu Tode kam. Dies ist eines seiner letzten Fotos.

In der Foto-Szene ist Mika-Helfmeier bestens vernetzt. Die Ausstellungen, die in Monschau zu sehen sind, entstehen oft in Zusammenarbeit mit bedeutenden Museen und Sammlungen im In- und Ausland. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Monschau als Ausstellungsort in einer Reihe mit Städten wie Berlin, Paris und Wien steht.

„Ich selbst fotografiere gar nicht“

„Die Fotokunst fasziniert mich bereits seit meiner Jugend – obwohl ich selbst gar nicht fotografiere“, bekennt Mika-Helfmeier. Besonders am Herzen liegen ihr dabei dokumentarische und politische Fotografie. „Bilder prägen Meinungen und Haltungen in der Gesellschaft“, sagt die Kuratorin über die Bedeutung ikonischer Fotografien von zum Beispiel Robert Capa: „Sein Bild eines sterbenden Milizionärs im Spanischen Bürgerkrieg ist das stärkste Anti-Kriegsfoto überhaupt“, so Mika-Helfmeier.

Die Aufnahme aus dem Jahr 1936 machte Capa, der als Draufgänger und Lebemann galt, auf einen Schlag weltberühmt und gehört natürlich auch zu den Arbeiten, die noch bis zum 3. Mai in Monschau zu sehen sind.

Dr. Nina Mika-Helfmeier, Leiterin und Kuratorin des Fotografie-Forums der Städteregion Aachen in Monschau, steht neben einem Foto, das Robert Capa und John Stinbeck zeigt.

Das Lieblingsfoto der aktuellen Ausstellung von Kuratorin Dr. Nina Mika-Helfmeier zeigt den Fotografen Robert Capa zusammen mit dem Schriftsteller John Steinbeck.

Es ist aber auch eines der umstrittensten Bilder des Fotografen: „Die Frage, ob das Bild gestellt ist oder tatsächlich den Augenblick des Todes zeigt – wie Capa immer behauptet hat –, beschäftigt die Fachwelt seit Jahrzehnten“, so Mika-Helfmeier. Ganz unabhängig davon folgt die Aufnahme jedoch dem wichtigsten Credo des „berühmtesten Kriegsfotografen der Welt“, wie Capa zu Lebzeiten genannt wurde: „Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran“ – ein Satz, der auch heute noch im Fotojournalismus gilt.

Capa-Fotos vom „D-Day“ sind in Monschau zu sehen

Ganz nah dran war Robert Capa auch beim „D-Day“, der Landung alliierter Soldaten in der Normandie am 6. Juni 1944 am Omaha Beach. Heute würde man von Embedded Journalism sprechen, denn der Fotograf setzte mit den Landungstruppen von England nach Frankreich über. Wegen eines Fehlers bei der Entwicklung der Filme im Londoner Fotolabor gibt es von der Invasion allerdings nur elf brauchbare Fotos von Capa. „Sieben dieser Fotos sind in unserer Ausstellung zu sehen“, freut sich die Kuratorin.

Ihr Lieblingsbild unter den insgesamt rund 100 Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Ausstellung ist jedoch ein anderes: „Es ist ein Selbstporträt im Spiegel, das Robert Capa 1947 mit einer zweiäugigen Rolleiflex und der Zigarette im Mundwinkel zusammen mit John Steinbeck zeigt“, sagt Mika-Helfmeier.

Gezeigt wird in Monschau auch das letzte Foto, das Capa gemacht hat: Nachdem der Fotograf sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von der Kriegsfotografie abgewandt hatte, kehrte er 1954 zur Kriegsberichterstattung zurück, als das Magazin „Life“ im Indochinakrieg dringend einen Fotojournalisten brauchte. Am 25. Mai 1954 kam Capa in Französisch-Indochina ums Leben, als er auf eine Antipersonenmine trat.

Im Schnitt kommen pro Jahr 30.000 Gäste ins Fotografie-Forum

Ein weiteres Zitat, das Robert Capa zugeschrieben wird, lautet „Die Wahrheit ist das beste Bild“ – ein Satz, der in der Diskussion über den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) bei der Erstellung von Bildern und Videos einen ganz aktuellen Bezug erhält. „KI-Kunst werden wir hier im Fotografie-Forum nicht zeigen, solange ich verantwortlich bin“, sagt Mika-Helfmeier selbstbewusst.

Der Erfolg der Ausstellungen, die sie in den vergangenen Jahren in das oft als „verschlafen“ betitelte Eifelstädtchen geholt hat, gibt der Kuratorin jedoch Recht: „Im Schnitt kommen rund 30.000 Besucher pro Jahr zu unseren Ausstellungen. Viele davon sind Stammgäste, die für einen Besuch bei uns von weither anreisen“, so Mika-Helfmeier. Besucher kommen aus Aachen, der Eifel und dem ganzen Rheinland – aber auch aus Hamburg oder Frankfurt.

Am Anfang hatte es das Museum nicht leicht im Eifelstädtchen Monschau

Damit ist das Fotografie-Forum längst zu einem Faktor für den Tourismus in der Stadt geworden. „Doch das war nicht immer so“, blickt die Leiterin auf die schwierigen Anfangsjahre zurück: „Damals sind wir sehr kritisch beäugt worden. Mitunter gab es sogar Forderungen, manche als anstößig geltende Aufnahmen aus den Ausstellungen zu entfernen.“

Doch mit den steigenden Besucherzahlen erkannten immer mehr Hoteliers und Anbieter von Ferienwohnungen, welchen Schatz sie da inmitten ihrer Stadt haben. „Heute kommen die Gastgeber selbstständig vorbei, um sich für ihre Gäste mit unseren Programm-Flyern einzudecken“, berichtet Mika-Helfmeier.

Erst noch durchsetzen muss sich allerdings das „Lernatelier“: Bereits 2022 startete das Fotografie-Forum dieses Angebot, um insbesondere Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen umfassenden Einblick in die Fotografie zu ermöglichen. Auf dem Programm stehen zum Beispiel Workshops für Schulklassen und Jugendgruppen und spezielle Jugend-Führungen durch die aktuellen Ausstellungen.


Die Robert-Capa-Schau „Der visuelle Journalist“ mit rund 100 Schwarz-Weiß-Fotografien ist noch bis zum 3. Mai in Monschau zu sehen. Es ist die letzte Station der Ausstellung in Europa.

Geöffnet ist das Fotografie-Forum, Austraße 9, jeweils dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Infos zum Jahresprogramm und zu weiteren Angeboten gibt es im Internet.