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Gothic in FarbeDunkelbunter Szenemarkt lockte Scharen von Steampunk-Fans zur Burg Satzvey

4 min
Zwei Menschen sind als Geisterpirat und Tiermensch mit Anlehnung an einen Wolf verkleidet.

Farbenfrohes Gewimmel auf dem Burggelände: Geisterpiraten wie der „Fliegende Holländer“ und Tiermenschen trafen beim dunkelbunten Szenemarkt mit vielen weiteren Fantasy- und Mittelalterfiguren zusammen.

Aufgrund des hohen Andrags gestaltete sich die Anfahrt schwierig. Einige Zufahrtstraßen mussten zwischenzeitlich gesperrt werden.

Während zahlreicher Ereignisse im Jahr wie den Ritterspielen, dem Ostermarkt oder auch dem Gruselspaß an Halloween zieht es regelmäßig Tausende von Besuchern auf das Gelände rund um die Satzveyer Wasserburg. Auch zum „dunkelbunten Szenemarkt“ nach der Winterpause hatten sich die Veranstalter daher auf einen großen Ansturm vorbereitet.

„Wir haben schon im vergangenen Jahr gemerkt, dass die Leute besonders an den ersten schönen Frühlingstagen endlich wieder raus wollen. Aber was heute hier los ist, hat niemand von uns erwartet“, berichtete Marc Schwarz vom Organisationsteam. Bereits eineinhalb Stunden vor der offiziellen Eröffnung des Marktes hatten sich lange Warteschlangen vor den Eingangstoren zur Burg gebildet. Und diese sollten bis zum späten Nachmittag nicht verschwinden.

Ab den Mittagsstunden sorgte der enorme Zulauf sogar dafür, dass sich selbst die Durchquerung des Ortes mit dem Auto zu einer Schleichfahrt entwickelte. Zwischenzeitlich mussten einige Zufahrtsstraßen für den Verkehr gesperrt werden, um den Ortskern zu entlasten, denn auch die Parkplatzsituation konnte der Menge an Besuchern kaum gerecht werden.

90 Austellerinnen und Aussteller bereiten ein vielfältiges Angebot

„Wir haben für diejenigen, die Karten für den heutigen Markt vorbestellt hatten, Parkplätze frei gehalten. Daher mussten wir leider einige Gäste wegen Überfüllung wieder nach Hause schicken“, so Schwarz.

Auch das Quartett hat sich im Stil des Szenemarktes verkleidet. Die vier Musiker haben Kostüme, die dem Steampunk zuzurechnen sind, angezogen und spielen im Freien.

Für die passende musikalische Unterhaltung sorgte das Quartett „Folk Dandies" mit den ebenfalls fantasievoll gestalteten Instrumenten.

Wem es gelang, das Verkehrschaos hinter sich zu bringen, für den sollte sich die längere Wartezeit auszahlen. Insgesamt rund 90 Ausstellerinnen und Aussteller, ebenfalls eine deutliche Steigerung zu den Vorjahren, präsentierten ein vielfältiges Angebot. Zwischen kulinarischen Köstlichkeiten, zumeist selbstentworfenen Dekorationen und Schmuck sowie zahlreichen Accessoires für die eigene Gewandung schlenderten schon kurz nach der Eröffnung mehr als 3000 Besucher über das Burggelände.

„Für uns Händler ist hier alles immer super organisiert, und mit so vielen Menschen ins Gespräch über das eigene Hobby kommen zu können, ist einfach toll“, freute sich Michaela Novak, die gemeinsam mit Tochter Nina Novak 3D-Drucke von Fantasy-Figuren zum Verkauf anbot. „Wir kommen schon seit einiger Zeit hierher und sind jedes Mal begeistert, wie hier jeder seine Vorliebe für Fantasy und Mittelalter ausleben kann.“

Stammgäste aus der Steampunk-Szene freuen sich übers Wiedersehen

Tatsächlich habe sich zwischen den zahlreichen Gelegenheitsbesuchern in den vergangenen Jahren auch bereits eine eingeschworene Gemeinschaft von Stammgästen entwickelt, die regelmäßig ein Wiedersehen auf dem „dunkelbunten Szenemarkt“ feiert.

„Wir sind zwar erst seit knapp zwei Jahren in der Steampunk-Szene unterwegs, wurden aber vom ersten Moment an sehr herzlich aufgenommen“, erklärte Michael Tokarski. Die Gewandungen des „Steampunk“ orientieren sich grob am Kleidungsstil des aufkommenden Industriezeitalters zwischen dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, vereinen sich jedoch mit zahlreichen Fantasy-Aspekten. „An Karneval 2024 haben meine Frau und ich uns erstmals für Kostüme dieser Art entschieden. Und dann haben wir schnell eine neue Leidenschaft entdeckt“, so Tokarski.

Die oben genannten Eheleute sind in dunklen Kostümen verkleidet und stehen inmitten von Marktbuden.

Genießen ihre kurzen Zeitreisen: Marion und Michael Tokarski.

„In unserer Freizeit konnten wir uns schon immer für kleine Zeitreisen ins Mittelalter oder andere Epochen begeistern. Und aktuell rangiert der Steampunk ganz weit oben“, fügte Ehefrau Marion Tokarski hinzu.

Kreative Kostüme wurden indivudell gestaltet

Während insbesondere bei den Ritterspielen häufig Krieger in strahlenden Rüstungen und Adelsvolk in bunter Kleidung das Bild auf der Burg Satzvey bestimmen, ließ sich am Sonntag kaum ein einheitliches Erscheinungsbild erkennen. Vom Geisterpiraten des Fliegenden Holländers über in dicke Fellkostüme gekleidete Tierwesen bis hin zu finsteren Figuren der Gothic-Szene kannte die Kreativität der Marktbesucher kaum Grenzen.

Ein Mann und eine Frau tragen Verkleidungen mit Mänteln und markanten Brillenaufsätzen, die auf ihren Kopfbedeckungen aufliegen.

Ein Outfit nach eigenen Vorstellungen bevorzugen Sandra und Donald.

Diese Freiheiten bei der Gestaltung des eigenen Outfits hat nach eigenem Bekunden auch Sandra und Donald dazu bewogen, ihren Stil dem Steam-Punk anzupassen: „Bei Mittelalterfesten ist man oft ziemlich eingeschränkt, da es doch immer wieder Hobbyhistoriker gibt, die sehr genau auf bestimmte Details achten.“ Da es die „Steam-Punk-Ära“ in dieser Form jedoch nie gegeben habe, sei auch die Wahl der Accessoires keinen Vorgaben unterworfen.

„Bei uns ist jeder willkommen. Und wir möchten allen Gästen hier einen Safe Space bieten, den sie in der heutigen Zeit im Alltag leider oftmals vermissen“, betonte Marc Schwarz. Dabei solle bereits der Name des Marktes verdeutlichen, dass der Spaß stets im Vordergrund stehe. „Die Kleidung innerhalb der Gothic-Szene ist meist von schwarzen, also dunklen Tönen bestimmt. Trotzdem sind alle auf ihre Weise auch bunt und sollen dies auf unserem dunkelbunten Szenemarkt ausleben können.“