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Fünf Jahre nach der FlutIn Kommern beginnt der Umbau des Mühlensees zum Rückhaltebecken

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Das Luftbild (Drohnenaufnahme) zeigt den Bereich des derzeit ungestauten Mühlensees an der B266 in Kommern.

Auf dem Grund des Kommerner Mühlensees hat sich eine üppige „Spontanvegetation“ ausgebreitet. Um Bodenbrüter zu schützen, die sich dort eventuell in diesem Jahr angesiedelt haben, wird mit der Umgestaltung des Geländes erst im zweiten Bauabschnitt begonnen.

Ziel ist ein besserer Hochwasserschutz für Kommern und die weiteren Anlieger des Bleibachs. Wiederaufbauprojekte in Mechernich sind weitgehend abgeschlossen.

Bereits am Morgen des Katastrophentags rückte für die Einsatzkräfte der Feuerwehr der Kommerner Mühlensee in den Fokus: Nach tagelangem Dauerregen hatte der Bleibach den See bereits bis knapp unterhalb der Dammkrone gefüllt. „Wir werden nun Wasser aus dem See abpumpen, um Zeit zu gewinnen“, sagte Einsatzleiter Andre Leisten einem Reporter dieser Zeitung, der die Einsatzkräfte am Vormittag des 14. Juli 2021 besuchte: „Aber wenn der See noch voller wird, haben wir ein Problem.“

Das Problem entwickelte sich. Mit Hochleistungspumpen gelang es der Feuerwehr zwar, 4800 Liter Wasser pro Minute aus dem Mühlensee in den Bleibach zu pumpen, um ein Überlaufen des Sees zu verhindern. Die Wassermenge des Bleibachs aber war trotzdem zu groß, um schadlos durch Kommern ablaufen zu können: Brücken wurden beschädigt, zahlreiche Häuser von den Wassermassen geflutet.

Mechernicher Stadtgebiet war bei der Flut weniger stark betroffen

Im Vergleich zu anderen Kommunen im Kreis Euskirchen fielen die Schäden im Gebiet der Stadt Mechernich relativ gering aus. „Dem vorbeugenden Hochwasserschutz kommt nun eine umso größere Bedeutung zu, weil sich das Stadtgebiet am Oberlauf von Veybach, Bleibach und Rotbach befindet“, betont Mechernichs Erster Beigeordneter Thomas Hambach.

Die KI-gestützte Darstellung zeigt das Durchlassbauwerks am HRB in Kommern.

Mit den Arbeiten am neuen Durchlass- und Drosselbauwerk (hier eine KI-gestützte Darstellung) wird in diesen Tagen begonnen. Der offizielle Spatenstich für das Projekt ist für den 25. August geplant.

Die KI-gestützte Darstellung zeigt die künftige Gestaltung des Mühlensees, der zu einem  Hochwasserrückhaltebecken umgebaut wird.

So soll der Bereich des Mühlensees künftig aussehen: Eine kleine Restwasserfläche bleibt erhalten, der Bleibach wird in einem neu gestalteten Bett hindurchgeleitet, und für Erholungssuchende werden Wege angelegt.

Dass der Mühlensee bislang nicht zur Hochwasserregulierung des Bleibachs eingesetzt werden konnte, hatte seinen Grund in dem in die Jahre gekommenen Ablassbauwerk, das eine Steuerung der Abflussmenge unmöglich machte. Doch das will der zuständige Erftverband nun ändern: In diesen Tagen beginnen die Bauarbeiten zur Umgestaltung des Mühlensees in ein Hochwasserrückhaltebecken (HRB).

Im ersten Bauabschnitt wird im Damm ein neues Durchlass- und Drosselbauwerk errichtet. „Die Bauzeit beträgt voraussichtlich ein Jahr“, schätzt Volker Gimmler, der als Ingenieur das Projekt beim Erftverband koordiniert: „Mit diesem Bauwerk wird bei Hochwasser ein Teil des Abflusses im Becken zurückgehalten.“

Erftverband: Der Mühlensee-Umbau ist ein Kompromiss

Wenn das Rückhaltebecken fertig ist, wird künftig nur so viel Wasser in Richtung Kommern weitergeleitet, wie dort abfließen kann, ohne Schäden zu verursachen. „Auf einen Dauerstau im Becken wird künftig verzichtet, um möglichst viel Wasser bei Hochwasser zurückhalten zu können und den Hochwasserschutz zu verbessern“, so Gimmler weiter. Eine Entscheidung, die nicht ganz unumstritten war in Kommern: Einige wollten auf den seit Jahrzehnten bestehenden See als Erholungsgebiet nicht verzichten.

Wir haben als Stadt bereits Gespräche mit Eigentümern geführt, um an Flächen zu kommen, wo weitere Rückhaltebecken gebaut werden könnten.
Thomas Hambach, Beigeordneter Stadt Mechernich

Die Lösung, die jetzt realisiert wird, ist ein Kompromiss. Eine kleinere Wasserfläche wird – auch aus Naturschutzgründen – erhalten. „Schließlich stellt der Mühlensee ein wichtiges Laichgewässer für Amphibienarten dar“, so Gimmler. Zusätzlich wird das maximale Stauvolumen durch ein Absenken der Talsohle vergrößert. Auf einer Fläche von insgesamt drei Hektar entstehen auf diese Weise 83.000 Kubikmeter Rückhaltevolumen.

Eine Garantie für die Bleibachanrainer, bei einem Jahrhundertereignis ungeschoren davon zu kommen, bietet das künftige Hochwasserrückhaltebecken damit nicht. „Aber es stellt eindeutig eine Verbesserung gegenüber der aktuellen Situation dar“, sagt auch Thomas Hambach.

Innerhalb eines Jahres soll der „neue“ Mühlensee fertig sein

Wird das Rückhaltevolumen überschritten, muss das zusätzlich ankommende Wasser ungedrosselt weitergeleitet werden, um den Absperrdamm zu schützen, heißt es in einer Projektbeschreibung des Erftverbands. Dies erfolge über eine sogenannte Hochwasserentlastungsanlage: „Auf der Krone des Durchlassbauwerks senken sich Klappen selbsttätig ab, über die der zusätzliche Abfluss durch das Durchlassbauwerk fließen kann.“ Die Klappen senken sich rein mechanisch völlig ohne Fremdenergie. „So ist die Bauwerkssicherheit auch dann gewährleistet, wenn es bei Hochwasser zu einem Stromausfall kommt“, informiert der Erftverband.

Für die Bauzeit wird der Ernst-Becker-Weg über den Damm nicht befahrbar sein, weshalb Umleitungen für den Fahrzeugverkehr eingerichtet werden. Fußläufig bleibt der Damm über eine Behelfsbrücke aber begehbar.

Der zweite Bauabschnitt, in dem das Becken gestaltet wird, werde aktuell vorbereitet. „Er beginnt im Anschluss an die Brutzeiten von Bodenbrütern, deren Schutz hier zu berücksichtigen ist“, so der Erftverband. Bei der Beckengestaltung müsse ein besonderes Augenmerk auf den Umgang mit dem anfallenden Aushub gelegt werden: Teile hiervon sind sehr stark mit Schwermetallen aus dem Bleiabbau belastet. Baubegleitende Untersuchungen sollen sicherstellen, dass dieser Aushub, getrennt nach den unterschiedlichen Belastungen, entsorgt oder, wenn möglich, wiederverwertet wird, zum Beispiel im Straßenbau.

Weitere Projekte zum Hochwasserschutz sind geplant

Grundlage für den Umbau des Mühlensees ist eine Plangenehmigung, die die Stadt Mechernich im Juli 2025 beim Kreis Euskirchen erwirkt hat. Der Erftverband hat das Projekt mit der Umsetzungsphase von der Stadt übernommen. Dort gibt es in Sachen Hochwasserschutz auch noch einiges zu tun. „Nach der Sommerpause wird das Hochwasserschutzkonzept Thema in der Politik sein“, kündigt Thomas Hambach an.

Mehr als 100 Einzelprojekte im gesamten Stadtgebiet haben die Planer aus dem Mechernicher Rathaus dabei schon in den Blick genommen. An erster Stelle stehe daher jetzt die Erstellung einer Prioritätenliste. „Wir haben als Stadt bereits viele Gespräche mit Eigentümern geführt, um an Flächen zu kommen, wo weitere Rückhaltebecken gebaut werden könnten“, berichtet Hambach.

Diese Projekte in Bleibuir, Firmenich/Obergartzem und an der Zufahrt nach Kalenberg sollen dann als Erste umgesetzt werden. „Insgesamt reden wir hier über ein Kostenvolumen von 40 bis 50 Millionen Euro“, so der Beigeordnete weiter. „Viel wird über Förderprogramme abgedeckt werden, aber es wird auch ein Eigenanteil an der Stadt hängen bleiben“, so Hambach.


Wiederaufbauplan der Stadt Mechernich umfasst 107 Projekte

Der städtische Wiederaufbauplan umfasst eine Liste mit insgesamt 107 Einzelmaßnahmen aus dem Mechernicher Stadtgebiet. Knapp 33 Millionen Euro an Fördermitteln wurden dafür bewilligt. „Für die städtischen Gebäude hatten wir außerdem eine Elementarversicherung“, berichtet Thomas Hambach.

Von den 35 Hochbauprojekten des Wiederaufbaus sind inzwischen 28 abgeschlossen. „Fast fertig sind die beiden Feuerwehrhäuser in Kommern und Bleibuir, offen sind zum Beispiel noch der Kindergarten und das alte Dorfgemeinschaftshaus in Firmenich“, so Hambach weiter.

Ein Autokran bei Montagearbeeiten einer Brücke an der Burg Veynau, die im Hintergrund zu sehen ist (Drohnenaufnahme).

Für den Neubau der Brücke nahe Burg Veynau über den Veybach wurden die Fertigbetonteile aus luftiger Höhe montiert.

Die Instandsetzung der 40 bei der Flut zerstörten oder beschädigten Wirtschaftswege gilt laut Hambach als nahezu abgeschlossen, während man bei den Brücken und Durchlässen erst rund die Hälfte der 20 Maßnahmen erledigt habe. „Sieben Projekte, zum Beispiel die Wirtschaftswegebrücke an der Burg Veynau, sind abgeschlossen, drei aktuell in der Umsetzung“, so Hambach.

Bis zum Jahr 2030 soll der Wiederaufbau seitens der Stadt abgeschlossen sein. „Wir liegen gut im Zeitplan – man muss aber auch sagen, dass wir lange nicht so stark betroffen waren wie andere Kommunen im Kreis“, gibt Hambach zu. Außerdem sei man – wie alle Kommunen – bei der Planung und Bearbeitung der einzelnen Maßnahmen auf eigenes Personal angewiesen: „Und auch wenn wir Planungsarbeiten vergeben wollen, stoßen wir bei den externen Büros mitunter auf Kapazitätsengpässe.“