Vor 50 Jahren kam es bei Mechernich-Katzvey zum letzten Absturz eines Bundeswehr-Starfighters im Kreis Euskirchen. Der Pilot kam ums Leben.
50. JahrestagJunger Starfighter-Pilot starb bei Absturz im Wald an den Katzensteinen

Auf dem Horst des Jagdbombergeschwaders 31 in Nörvenich waren bis 1983 Jets des Typs F-104G (hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1977) stationiert. Am 30. Juni 1976 startete hier auch der Pilot Hartmut Schäffner aus Horrem zu seinem letzten Flug.
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Heute erinnert im Hombusch, dem Wald, der sich zwischen Katzvey, Satzvey und der A1 erstreckt, nichts mehr an den Absturz eines „Starfighters“, bei dem vor genau 50 Jahren der 25-jährige Pilot Hartmut Schäffner ums Leben kam: Die 300 Meter lange Schneise, die die abstürzende Maschine in den Wald geschlagen hatte, wurde später wieder aufgeforstet, einen Gedenkstein für den jungen Familienvater aus Kerpen-Horrem sucht man vergebens in der Nähe der Katzensteine, wo das Kampfflugzeug abstürzte.
Einer, der sich noch genau an den 30. Juni des Jahres 1976 erinnern kann, ist der Lessenicher Rudi Lorre, damals 19 Jahre alt. „Ich hatte eine Woche vorher Abitur gemacht und sollte am nächsten Tag zur Bundeswehr eingezogen werden“, berichtet Lorre. Am späten Vormittag des heißen Sommertags hielt er sich auf dem Hof der Familie in Lessenich auf, als er ein Art „Donnerschlag“ hörte. „Es hatte sechs Wochen lang nicht geregnet, es war keine Wolke am Himmel, deshalb war mir sofort klar, dass es kein Gewitter sein konnte.“
Als fünf Minuten später die Sirene losheulte, lief der 19-Jährige zum Feuerwehrhaus. Dort erfuhr er, dass es bei Satzvey einen Waldbrand gebe. An ihn und Georg Wolfgarten, der wie Lorre ebenfalls nicht der Feuerwehr angehörte, sei die Aufforderung ergangen, mitzufahren und zu helfen. „Wir haben dann vor Ort Schläuche von den nahen Fischteichen in den Wald verlegt. Außerdem bekamen wir langstielige Feuerpatschen, mit denen wir die weitere Ausbreitung des Feuers verhindern sollten“, erinnert sich Lorre.
Waldbrand breitete sich wegen der großen Trockenheit rasch aus
Beim Aufprall des „Starfighters“ war im Wald ein Feuer ausgebrochen, dass sich – begünstigt durch die lange Trockenheit – immer weiter ausbreitete. „Die Lage war anfangs konfus. Als eine Fichtenschonung in Flammen aufging und eine Feuerwalze in Richtung der Löscharbeiten zugelaufen kam, brach Panik aus“, berichtet Lorre auch in einem Beitrag der Lessenicher Dorfchronik, die Bärbel und Elisabeth Geusen im vergangenen Jahr herausgegeben haben.

Die Lokalausgaben von „Kölner Stadt-Anzeiger“ ...
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... und Kölnischer Rundschau berichteten am Tag nach dem Flugzeugabsturz über das Geschehen im Wald bei Katzvey.
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Von der chaotischen Lage rund um die Absturzstelle berichteten am Tag nach dem Unfall auch die beiden Lokalzeitungen im Kreis Euskirchen, die Kölnische Rundschau und der „Kölner Stadt-Anzeiger“. In der Rundschau hieß es, dass die Leitung der Bergungsarbeiten lange Zeit zu wünschen übriggelassen habe: „Zivilisten stapften durch das Absturzgebiet und suchten mit Notärzten, Polizisten, Feuerwehrleuten und der Unfallsicherungsgruppe der Luftwaffe nach Wrackteilen und Spuren des verunglückten Piloten.“
Auch Lorre blieben die dramatischen Bilder nicht erspart. „Von unserer Position aus konnten wir die Trümmer des Flugzeugs sehen. Der Bug des Flugzeugs steckte metertief im Boden.“ Auch Teile eines Fallschirms, die in einem Baum hingen, und sogar Leichenteile habe er bei seinem Einsatz gesehen.
Mit dem Feuerwehr-Transit querfeldein zurück nach Lessenich
Erst im Lauf des Nachmittags gelang es den zahlreichen Feuerwehrleuten, die aus den umliegenden Orten sowie aus Mechernich und Euskirchen zur Absturzstelle ausgerückt waren, die Flammen endgültig unter Kontrolle zu bringen. Damit ging auch für Rudi Lorre und die anderen Lessenicher der Einsatz im Hombusch zu Ende.
„Ich weiß noch, dass Kolvenbachs Männ, der den Ford Transit der Löschgruppe Lessenich steuerte, nicht über die Hauptstraße, sondern mit uns querfeldein durch den Wald nach Lessenich zurückgefahren ist“, erzählt Lorre: „Ausgekommen sind wir ungefähr in Höhe des heutigen Autobahnrastplatzes, den es damals noch nicht gab. Das Feuerwehrauto war von den Ästen links und rechts ziemlich zerschrammt.“
116 Bundeswehrpiloten starben bei Unfällen mit der F-104G
Der Starfighter-Absturz am 30. Juni 1976 bei Katzvey war der vierte und letzte Unfall mit einem Flugzeug des Typs F-104G im Kreis Euskirchen. Abstürze hatte es zuvor schon in Krekel (1962), Lommersum (1967) und bei Zülpich (1974) gegeben. Unweit des Truppenübungsplatzes Schavener Heide war es zudem bei Kommern auch schon mehrfach zu Abstürzen anderer Bundeswehr-Jets gekommen.
Am Unglückstag war der Pilot um 11.37 Uhr in Nörvenich vom Horst des Jagdbombergeschwaders 31 Boelcke zu einem Übungstiefflug gestartet. Keine drei Minuten später jagte der „Starfighter“ bereits unkontrolliert über den kleinen Ort Katzvey, bevor es im Wald bei den Katzensteinen zum Absturz kam.
Triebwerke und Bugfahrwerk galten als besonders fehleranfällig
Das Flugzeug, in den USA als „Schönwetter-Abfangjäger“ konstruiert, war für den Einsatz in der Luftwaffe umgebaut und mit anderen Waffensystemen ausgerüstet worden. Vor allem Triebwerke und Bugfahrwerk galten als besonders fehleranfällig. Wegen der zahlreichen tödlichen Unfälle erhielt der Jet den Spitznamen „Witwenmacher“. Der 25-jährige Bomberpilot, der vor 50 Jahren bei Katzvey abstürzte, war das 87. Todesopfer, das die Bundeswehr zu beklagen hatte.
Der Jagdbomber kostete damals rund 7,5 Millionen D-Mark und konnte als einziger westlicher Jet mit der sowjetischen „MIG 21“ mithalten. Mit seinem – abhängig von Flughöhe und Geschwindigkeit – etwa 70.000 bis 96.000 PS starken Triebwerk konnte er mehr als doppelte Schallgeschwindigkeit erreichen, rund 2300 Kilometer pro Stunde.
Der letzte Starfighter schied am 23. Oktober 1987 in Memmingen aus dem aktiven Dienst der Luftwaffe aus. Die so genannte „Starfighter-Krise“ kostete die Bundeswehr insgesamt 292 Maschinen. Viel schlimmer wiegt jedoch die Tatsache, dass insgesamt 116 Piloten in der so genannten „missile with a man“ (bemannten Rakete) ihr Leben lassen mussten.

