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Längere WartezeitenBahnübergänge in Mechernich pro Stunde bis zu 35 Minuten geschlossen

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An den geschlossenen Bahnschranken (wie hier am Bahnübergang in der Weierstraße in der Nähe des Krankenhauses, im Hintergrund) stauen sich die Fahrzeuge.

Vertrautes Bild in Mechernich: Die Schranken sind geschlossen, an beiden Seiten warten Autos, Radfahrer und Fußgänger.

Die Bahnübergänge in Mechernich werden für mehr Züge und mehr Sicherheit bis Ende 2028 umgebaut. Die Bahn hat die Pläne nun vorgestellt.

Seit dem 1. Juli 1865 fährt die Bahn aus Richtung Köln bis zum Mechernicher Bahnhof, und seitdem verbringen die Menschen in Mechernich einen beträchtlichen Teil ihrer Lebenszeit damit, vorbeifahrende Züge passieren zu lassen. In den kommenden Jahren werden sich die Schließzeiten der Bahnschranken sogar noch erhöhen, denn es ist geplant, die Eifelstrecke künftig zwischen Hürth-Kalscheuren und Kall in das Kölner S-Bahn-Netz zu integrieren.

Dann würde zusätzlich zu den bestehenden Regionallinien alle 20 Minuten ein Zug der neuen S-Bahn-Linie S15 durch Mechernich (und wieder zurück nach Köln) fahren. Bis zu 35 Minuten pro Stunde wären die Schranken an den drei Mechernicher Bahnübergängen dann geschlossen – mit den entsprechenden Auswirkungen auf den Verkehrsfluss in der Innenstadt.

Ziel: Mehr Sicherheit an den Mechernicher Bahnübergängen

Als Vertreter der Bahn-Tochtergesellschaft DB InfraGO in der jüngsten Sitzung des städtischen Planungsausschuss die Planungen zum Umbau der Mechernicher Bahnübergänge vorstellten, da mag bei manchem der Lokalpolitiker Hoffnung aufgekeimt sein: Vielleicht wird künftig ja doch alles besser, vielleicht gibt es inzwischen Hochgeschwindigkeitsschranken, die sich in Bruchteilen von Sekunden öffnen und schließen? Kaum hätte man am Bahnübergang angehalten, da ginge es auch schon wieder voran, die Start-Stopp-Automatik hätte kaum Zeit, den Motor abzuwürgen.

Mit einer Verkürzung der Schließzeiten ist leider nicht zu rechnen.
Kai Seipel, DB InfraGO

Aber nix da – Pustekuchen: „Mit einer Verkürzung der Schließzeiten ist leider nicht zu rechnen“, ließ Kai Seipel, zuständiger Planer der DB InfraGO, alle diesbezüglichen Träume wie Seifenblasen zerplatzen: „Die Sicherheit an den Bahnübergängen hat Vorrang, daher werden die Schranken nach dem Umbau sogar noch einige Sekunden länger geschlossen sein.“

Elektronisches Stellwerk Euskirchen erfordert neue Technik für Schranken

Dass die drei innerstädtischen Bahnübergänge an Weierstraße, Turmhofstraße und „Im Höfchen“ überhaupt umgebaut werden müssen, liegt an der Einführung des Elektronischen Stellwerks in Euskirchen: Die aktuell in Teilen noch manuell betriebenen Stellwerke mit personeller Überwachung der Bahnübergänge sollen bis Ende 2028 gegen ein elektronisches Stellwerk ausgetauscht werden.

Die Planungsskizze zeigt den Bahnübergang Weierstraße in Mechernich.

Am Bahnübergang Weierstraße sieht die Planung eine Verlegung der Fußgängerbereiche vor.

Um dies alles elektronisch abwickeln zu können, müssen die Bahnübergänge sowohl in Satzvey als auch in Mechernich umgebaut werden. „Die Sicherungs- und Leittechnik der Bahnstrecken, insbesondere die Sicherungsanlagen von Bahnübergängen, ist in diesem Zuge an den Stand der Technik anzupassen“, heißt es von der Stadtverwaltung, die sich dabei eng mit der Bahn abstimmt.

Bis mit den notwendigen Arbeiten begonnen wird, dauert es allerdings noch ein Weilchen: „Unser Zeitplan sieht vor, dass die Arbeiten im vierten Quartal 2028 ausgeführt werden – kurz vor Inbetriebnahme des Elektronischen Stellwerks in Euskirchen“, die für Ende 2028 geplant sei, so Seipel. Pro Bahnübergang sei für die Arbeiten ein Zeitraum von zwei bis drei Wochen eingeplant.

Mehr Platz für Fußgänger am Bahnübergang Weierstraße

Am umfangreichsten sind die Umbauarbeiten am größten und wichtigsten der drei Mechernicher Bahnübergänge: „In der Weierstraße wird der Bahnübergang aufgeweitet, um mehr Platz für Fußgänger zu schaffen“, erläuterte Seipel anhand der Planungsskizzen. Die Fußgängerbereiche sollen dabei weiter in Richtung der beiden „Zebrastreifen“ in der Bahnstraße verlegt werden. Ziel ist auch hier: mehr Sicherheit. Daher sollen auch die Schleppkurven für Lastwagen und Omnibusse entsprechend vergrößert werden.

Der Umbau auf die aktuelle Technik ist auch bei den beiden Übergängen in der Turmhofstraße und „Im Höfchen“ vorgesehen – unabhängig davon, ob diese beiden Bahnübergänge im Zuge weiterer Verkehrsplanungen vielleicht doch irgendwann geschlossen werden.

„Erst mit dem S-Bahn-Ausbau wird dann nochmals geprüft, inwieweit alle Bahnübergänge erhalten bleiben (können) und eventuell verkehrliche Änderungen ebenso umgesetzt werden können oder müssen“, heißt es dazu etwas verklausuliert von der Stadtverwaltung. Dies sei zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh, denn die Taktverdichtung des S-Bahn-Verkehrs sei erst stufenweise für Ende der 30er Jahre zu erwarten. Spätestens dann sei eine östliche Umfahrung aus Sicht der Stadt aber unumgänglich, um einen Verkehrsinfarkt in der Innenstadt zu verhindern.