Naturschützer bringen bei Satzvey gefährdete Arten sicher über die Straße, weil der neue Schutzzaun noch auf sich warten lässt.
Seltene ArtenNaturschützer warten in Satzvey auf den Bau eines festen Amphibienzauns

Ein Exemplar der stark in ihrem Bestand gefährdeten Geburtshelferkröte fanden die Helfer diese Woche bei Satzvey.
Copyright: S. Hollad/NABU Euskirchen
Ulrich Pohl schlägt sich in diesen Wochen wieder die eine oder andere Nacht für die Rettung bedrohter Amphibien um die Ohren: Zusammen mit weiteren Ehrenamtlern sammelt der Vorstand des NABU-Kreisverbands Euskirchen, der dort auch als Koordinator für den Amphibienschutz tätig ist, entlang von Schutzzäunen Frösche, Kröten und Molche ein, um sie sicher zu ihren Laichgewässern zu geleiten.
Einen solchen mobilen, also nicht fest installierten Zaun haben die Naturschützer an einem Samstag Ende Februar auch im Bereich der Firmenicher Straße bei Satzvey aufgebaut. „Eigentlich sollte es hier schon längst eine feste Amphibienleiteinrichtung geben“, sagt Pohl: „Wir waren da mit der Stadt Mechernich im Gespräch, aber getan hat sich hier bislang noch nichts.“
Wanderkorridor der Tiere vom Billiger Wald bis zur Grube Rolf bei Satzvey
Momentan befinden sich verschiedene Amphibienarten auf dem Weg von ihren Winterquartieren im Bereich des Naturschutzgebiets Schavener Heide zum Naturschutzgebiet Grube Rolf, um dort zu laichen. „Die Tiere müssen dabei nicht nur auf dem Hin-, sondern natürlich auch auf dem Rückweg geschützt werden“, erklärt Pohl. Gleiches gelte für die Jungtiere, die nach dem Schlüpfen und der Metamorphose im Lauf des Jahres ebenfalls in Richtung Schavener Heide wandern.

Bis zum Ende des Jahres soll der mobile Amphibienschutzzaun entlang der Firmenicher Straße durch einen dauerhaften Zaun ersetzt werden.
Copyright: Ulla Jürgensonn
„Der Bereich hier an der Firmenicher Straße zwischen Grube Rolf, Schavener Heide und weiter bis zum Billiger Wald ist ein wichtiger Wanderkorridor für viele Amphibienarten“, so der NABU-Vorstand weiter. „Alle Amphibien sind geschützt, aber immer wieder finden wir hier auch streng geschützte Arten wie die Geburtshelferkröte oder den Kammmolch“, weist Pohl auf zwei besonders in ihrem Bestand gefährdete Arten hin.
Erst vor wenigen Tagen fanden die NABU-Helfer eine Geburtshelferkröte in einem der Sammeleimer, die in regelmäßigen Abständen entlang des mobilen Schutzzaunes in den Boden eingelassen sind – ein weiterer Hinweis auf die aus Sicht der Naturschützer besonders hohe Bedeutung dieses Lebensraums.
Baugebiet ist aus Sicht der Naturschützer „problematisch“
Als zusätzliches Problem sieht Pohl das Neubaugebiet „Am Rothenloch“ an, das momentan auf einer bisherigen Wiesenfläche am Rand der Schavener Heide entlang von Firmenicher Straße und Straße Am Sportplatz entsteht. „Dieses Baugebiet schiebt sich wie ein Keil in den Wanderkorridor der Amphibien“, beklagt Pohl: „Aus Sicht des Naturschutzes ist das schon sehr problematisch.“
Umso wichtiger sei es, die vereinbarten Amphibienleiteinrichtungen endlich auf den Weg zu bringen, fordert der NABU-Experte: „Viel besser wäre es gewesen, diese Ausgleichsmaßnahmen schon vor Beginn der Arbeiten auf dem Baugelände zum besseren Schutz der Tiere umzusetzen.“

Am Rand des Neubaugebiets „Am Rothenloch“ wurden vier Eichen gefällt, die als nicht erhaltenswert eingestuft worden waren.
Copyright: Ulla Jürgensonn
Thomas Hambach, Beigeordneter der Stadt Mechernich, kann den Unmut der Naturschützer nachvollziehen. „Vor rund drei Jahren hat die Politik einem Antrag der Grünen im Umweltausschuss ohne Gegenstimme zugestimmt“, ruft Hambach die Entscheidung für den Bau des festen Schutzzauns aus dem Februar 2023 in Erinnerung.
Immobilien-Entwickler soll Kosten des Amphibienzauns übernehmen
Allerdings sei dann im Juni 2023 wegen der hohen Kosten der Maßnahme ein neuer Beschluss gefasst worden. Ebenfalls einstimmig votierten die Ausschussmitglieder dafür, den Bau der Amphibienleiteinrichtung so lange zurückzustellen, „bis deren Finanzierung unter Berücksichtigung von signifikanten Fördermitteln sichergestellt werden kann“, wie es im Protokoll der Sitzung heißt.
Doch auch die Suche nach entsprechenden Fördermitteln blieb erfolglos. „Deshalb waren wir sehr froh, dass wir im Rahmen der Bebauungsplanaufstellung für das Baugebiet Am Rothenloch die Umsetzung der Maßnahme für den Vorhabenträger festschreiben konnten“, sagt Hambach. Gemeint ist der Euskirchener Immobilien-Entwickler „G und S Wohnbau GmbH“, der das Baugebiet mit seinen 25 Grundstücken unter dem Namen „Drei-Burgen-Blick“ vermarktet.
Bis Ende des Jahres 2026, so sagt Hambach, solle die Amphibienleiteinrichtung fertiggestellt werden. Die Naturschützer müssten dann nicht mehr jede Nacht aktiv werden, um die Tiere über die Straße zu bringen, denn zur Maßnahme gehöre auch der Bau eines „Krötentunnels“ als Querung der Firmenicher Straße. „Der fest installierte Amphibienzaun wird direkt am Waldrand verlaufen und die Tiere zur Querung führen, die etwas weiter unterhalb in Richtung Firmenich errichtet wird“, berichtet Hambach.
Vier Eichen wurden am Neubaugebiet in Satzvey gefällt
Ein Wunsch vieler Anwohner aus Satzvey war die Erhaltung einer Reihe von Eichen, die parallel zum Waldrand an einem Weg zur Bestandsbebauung in Nachbarschaft zum Neubaugebiet „Am Rothenloch“ standen.
„Unser Ziel war es, so viele Bäume wie möglich zu erhalten“, betonte der städtische Beigeordnete Thomas Hambach. Allerdings habe eine Baumbegutachtung durch einen Sachverständigen ergeben, dass nicht alle Eichen als erhaltungswürdig eingestuft worden seien. „Vier der Bäume mussten daher leider gefällt werden“, so Hambach.

