Von Allgemeinmedizin bis Psychotherapie: Im alten Kloster in Nettersheim haben sich zahlreiche Anbieter aus dem Medizin-Umfeld angesiedelt.
Medizinische Angebote im alten KlosterDas Gesundheitszentrum in Nettersheim ist ein Erfolg

Seit Jahren befindet sich das Nettersheimer Kloster im Besitz der Gemeinde.
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Heute kann man die Entscheidung des Nettersheimer Gemeinderats, das damals leer stehende alte Kloster zu erwerben, als echten Glücksfall bezeichnen. Das Gesundheitszentrum floriert, alle verfügbaren Praxisräume sind vergeben. Doch nach einer richtigen Erfolgsgeschichte sah es zunächst gar nicht aus. Ermöglicht wurde der Kauf durch eine zwei Millionen Euro schwere Förderung im Rahmen des Projekts „Hilfen im Städtebau für Kommunen zur Integration von Flüchtlingen“. Eigenmittel der Gemeinde in Höhe von rund 600.000 Euro kamen hinzu, um den Gebäudekomplex in ein „Haus für alle“ umzuwandeln.
Später folgte dann der Entschluss, Einrichtungen der Gesundheitsversorgung im alten Kloster zu konzentrieren. „Ein Kontakt ergab den nächsten. Und dann kam natürlich auch noch Glück dazu“, bringt es Bürgermeister Norbert Crump (CDU) auf den Punkt: „Das ist eine Entwicklung, die vor zehn Jahren niemand für möglich gehalten hat.“ Ausgangspunkt der positiven Entwicklung war die Eröffnung einer Hausarztpraxis, die der Kardiologe Dr. Achim Viktor und der Allgemeinmediziner Marc Puthen im Jahr 2021 eröffneten. Es folgten die Kinderärztin Dr. Miriam Viktor, die Gynäkologin Dr. Caroline Lenz sowie verschiedene Psychotherapeutinnen für Kinder und Erwachsene und Ergotherapeuten.
Bedarf nach psychologischer Betreuung in der Region groß
Insbesondere in der Folge der Flutkatastrophe von 2021 habe sich im Bereich der psychologischen Betreuung ein großer Bedarf in der Region entwickelt. Regina Uhlig, die bereits seit 2019 eine Privatpraxis in Nettersheim führte, und Katharina Rütt, die ab dem neuen Jahr in Nettersheim tätig werden wird, sind nun jeweils mit einem halben kassenärztlichen Sitz im Kloster vertreten. „Ich werde allerdings nur Gruppentherapien anbieten, weil auf diese Weise mehr Patienten versorgt werden können“, so Rütt.
Nettersheimer Gesundheitszentrum verfolgt interdisziplinären Ansatz
„Das Besondere ist der interdisziplinäre Ansatz, den wir hier verfolgen“, nennt Achim Viktor den aus seiner Sicht entscheidenden Punkt, der das Nettersheimer Gesundheitszentrum für so viele Akteure aus dem Gesundheitswesen zu einer interessanten Adresse hat werden lassen: „Der Austausch mit den Kollegen anderer Fachrichtungen – das ist das, was die Mediziner triggert.“ Keiner müsse als Einzelkämpfer antreten, so Viktor weiter: „Hier bewerben sich auch ganz bewusst Studierende aus Köln, die bei uns ein Praktikum machen möchten.“
In dieser Form sei das Nettersheimer Gesundheitszentrum einmalig im Kreis Euskirchen, so der Facharzt weiter: „Unser gemeinsames Ziel ist die Verbesserung der Patientenversorgung, denn die Behandlung hört nicht mit dem Ausstellen eines Rezepts aus. In Kooperation mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort können wir zum Beispiel auch eine Sprechstunde für seltene Erkrankungen anbieten“, so Viktor. Gerne stehe man zudem als Ansprechpartner für Kollegen bereit, die sich weiterbilden wollen oder die selbst an einer Niederlassung im ländlichen Raum interessiert seien, so der Kardiologe.

Das Gesundheitszentrum floriert.
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Vielfältige Angebote im Gesundheitszentrum
Neu im Kloster sind seit diesem Sommer Daniel Stenschke und Johann Scheven, die in den bisherigen Räumen und mit einem Teil des Personals einer Physiotherapiepraxis einen weiteren Standort ihres Therapiezentrums Pro Gesundheit eröffnet haben. „Die Räumlichkeiten sind wie gemacht für unsere Zwecke und wir wollen unser Angebot auch noch weiter ausbauen, zum Beispiel im Bereich der medizinischen Trainingstherapie“, so die beiden Geschäftsführer. Auch für externe Anbieter von zum Beispiel Yoga- oder Rückbildungskursen stehen bei Pro Gesundheit geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung.
Auch die Gemeinde Nettersheim hat in den vergangenen Jahren weiter an einer Komplettierung des Angebots gearbeitet: Die „Akademie Kloster Nettersheim“ bietet mit zwölf Einzelzimmern, einem Doppelzimmer und zwei Appartements im Kloster auch Übernachtungsmöglichkeiten für mehrtägige Seminare, Workshops und sonstige Veranstaltungen aus dem Bereich Gesundheit und Bewegung an, um den Gebäudekomplex in eine gesunde Zukunft zu führen.
Das Herz-Jesu-Kloster der Cellitinnen wurde in den Jahren 1919 und 1920 errichtet. Es wurde in der Folgezeit in verschiedener Weise genutzt. So waren dort zeitweise ein Kindererholungsheim und eine Hauswirtschaftsschule untergebracht, es war Ausweichkrankenhaus, Reha-Einrichtung für Kriegsversehrte und schließlich Alten- und Pflegeheim. Seit dem Jahr 2008 stand das Gebäude leer. (thw)
