Ein halbwüchsiger Schwarzkittel sorgte im Eifel-Ort Marmagen für einige Aufregung, als er durch die Gärten einer Neubausiedlung am Ortsrand streifte.
Jäger lösten das ProblemJunges Wildschwein zog durch Neubausiedlung in Marmagen

Ein halbwüchsiges Wildschwein streifte am Mittwoch durch die Marmagener Gärten.
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Helle Aufregung herrschte am Mittwoch im Neubaugebiet „Die acht Morgen“ in Marmagen: Ein Wildschwein hatte sich, vermutlich auf der Suche nach Nahrung, in die Gärten einiger Grundstücke an der Nordseite der Einfamilienhaussiedlung verirrt. Nur ein Wirtschaftsweg trennt das Baugebiet hier von der offenen Feldflur.
Anwohnerin Jennifer Herdt erfuhr durch den Anruf einer Freundin aus der Nachbarschaft von dem tierischen Besuch: „Das dreijährige Kind meiner Nachbarin hatte das Wildschwein im Garten entdeckt. Wir waren zuerst völlig ratlos, was wir machen sollen“, schildert Herdt, die selbst Mutter von drei kleinen Kindern ist, den aufregenden Vormittag. „Man weiß ja nicht, wie so ein Tier reagiert, wenn es draußen im Garten auf Menschen trifft. Ist es aggressiv oder krank? Das kann man als Laie ja schlecht einschätzen“, erzählt die Marmagenerin am Tag nach dem Vorfall.
Ein Bekannter, der selbst Jäger ist, habe schließlich geraten, über das Ordnungsamt den zuständigen Jäger zu informieren – was die Anwohner der Straße „Zum Pützberg“ schließlich taten. Auf diese Weise erfuhr Werner Müller von dem Vorfall: Der 72-Jährige ist Jagdpächter in Marmagen.
Für Jagdpächter Werner Müller war sofort klar, was Sache war
„Ich bin natürlich sofort dahin gefahren, um mir das anzuschauen“, schildert er die Erlebnisse des Vortags. „Allerdings stand für mich sofort fest, dass ich innerhalb des befriedeten Bereichs, also der Wohnbebauung und der Gärten, nicht als Jäger tätig werden darf“, so Müller. Das Tier mit einem Schuss aus seiner Jagdflinte zu erlegen, kam also aus Sicherheitsgründen nicht in Betracht. „Viel zu gefährlich“, betont der Marmagener: Ein Querschläger hätte einen der Anwohner treffen können.

Machten schließlich Nägel mit Köpfen: Paul Milz und Werner Müller aus Marmagen.
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War das Wildschwein auf Futtersuche – oder wollte es nur Spielen?
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„Außerdem machte das Tier den Eindruck, dass es an Menschen gewöhnt ist“, so der Waidmann. Statt das Weite zu suchen, als Müller und sein Freund Paul Milz, ebenfalls Inhaber eines Jagdscheins, versuchten, das Tier in Richtung der offenen Feldflur zu treiben, habe es sich nur ganz gemächlich in die Büsche des Gartengrundstücks verzogen.
„Vielleicht ist das Tier irgendwo in der Umgebung angefüttert worden. Man konnte sich problemlos bis auf drei oder vier Meter nähern – das ist ein ziemlich ungewöhnliches Verhalten“, sagt Müller. Er schätzt das Tier auf ein Alter von rund vier Monaten. „Für gewöhnlich wäre es jetzt noch bei der Mutter. Vielleicht ist die Bache aber bei einem Unfall getötet worden und jemand hat das Tier anschließend gefüttert, weil es noch recht klein war“, so die Vermutung Müllers.
An der Grundschule fraß das Wildschwein sich an Fallobst satt
Wenig später tauchte das halbwüchsige Wildschwein im Garten der nahen Grundschule auf, wo es auf der Wiese Fallobst verspeiste. „Nächste Woche fängt die Schule wieder an, das wäre was gewesen, wenn die Kinder da in der Pause gewesen wären“, so Paul Milz.

Per Hundetransportbox brachten Paul Milz und drei weitere Marmagener das Wildschwein wieder in den Wald zurück.
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Von behördlicher Seite habe es zu diesem Zeitpunkt wenig Unterstützung bei der Frage gegeben, wie man weiter mit der Situation umgehen solle, beklagen Milz und Müller unisono. „Ich hatte das Gefühl, dass sich keiner so recht zuständig gefühlt hat“, sagt Müller.
Das will Eva Gäbler, zuständige Fachbereichsleiterin der Nettersheimer Gemeindeverwaltung, so jedoch nicht stehen lassen. „Den Jagdpächter haben wir hinzugezogen, weil er sich mit Wildtieren auskennt und die Lage vor Ort am besten einschätzen kann“, so die Allgemeine Vertreterin von Bürgermeister Norbert Crump: „Gleichzeitig haben wir aber auch das Veterinäramt der Euskirchener Kreisverwaltung verständigt, um die Frage zu klären, ob das Tier eventuell betäubt werden muss, um es sicher aus dem Wohngebiet zu bringen.“
In einer Hundetransportbox wurde das junge Wildtier in den Wald gebracht
Kreis-Pressesprecher Wolfgang Andres teilte mit, dass sich Mitarbeiter des Veterinäramts bereits auf den Weg nach Marmagen gemacht hatten. „Nach Rücksprache hieß es dann jedoch, dass unsere Hilfe doch nicht erforderlich ist“, so Andres weiter.
Denn inzwischen hatten Müller und Milz schon Nägel mit Köpfen gemacht: Weil sie nicht länger warten wollten, hatten die beiden Freunde beschlossen, das Wildschwein in eine Hundetransportbox zu verfrachten und zurück in den Wald zu bringen. „Es hatten sich noch zwei weitere Jäger, die zufällig vorbeikamen, bei uns eingefunden. Gemeinsam haben wir das Tier in die Enge getrieben und es in die Box gelockt“, beschreibt Müller das Vorgehen. Matthias und Paul Bretz halfen dann auch bei der „Auswilderung“ mit. „Ich hätte es nicht übers Herz gebracht, das Tier dort zu erschießen“, so Müller: „Ich hoffe, dass es jetzt alleine durchkommt.“
Eva Gäbler berichtet, dass es bislang keinen vergleichbaren Fall in der Gemeinde gab: „Manchmal gibt es Mitteilungen zu Waschbären oder Füchsen. Im Zweifelsfall – speziell bei größeren Tieren, die potenziell gefährlich sein können – ist es richtig, die Polizei zu verständigen.“
