Dinner for one im liebevoll dekorierten Kursaal: Die Gemünder wissen, wie man kreativ und jeck eine Sitzung gestaltet.
KarnevalIn die Gemünd ist die Prunksitzung die Geburtstagsparty des Präsidenten

Acht kölsche Größen sind auch ein Elferrat: Herrlich jeck erfüllen die Gemünder den Wunsch von René Gerhards zu seinem 99. Geburtstag.
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Was tut ein echter Jeck, wenn die wichtigste Karnevalssitzung des Jahres und der eigene Geburtstag auf einen Tag fallen? Kein Problem, die Feier wird in den Sitzungssaal verlegt. Schwieriger könnte es vielleicht werden, wenn es sich um den Sitzungspräsidenten handelt. Im konkreten Fall um René Gerhards. Doch für die Gemünder ist auch das kein Problem, kann man doch die komplette Prunksitzung zur Geburtstagsfeier umfunktionieren.
Und das ist dann im wie immer liebevoll dekorierten Kursaal nicht irgendein Geburtstag, sondern gleich der 99. Geburtstag, den Gerhards im Jahr 2092 in einem Altenheim feiert – dass die Rot-Weißen ihren Präsidenten, der seinen 43. Geburtstag feierte, so zehn Jahre jünger gemacht haben, stört niemanden. Das Alter spielte eh keine Rolle. Entsprechend war die Handlung locker an den beliebten Sketch vom 90. Geburtstag, „Dinner for one“, angelegt. Ein leerer Tisch, ein Jeck in Vollrausch und Kuhkostüm, doch darin erschöpften sich die Parallelen schon bald.
Gemünder Elferat mit acht Kölner Karnevalsgrößen
Der Butler war ersetzt durch den Krankenpfleger (Andreas Mertens), der sich allerdings gerade auf dem Standesamt in Chantal hat umtaufen lassen, um nicht zur Bundeswehr eingezogen zu werden, und fortan seinen Part mit Ballonbrüsten absolvierte. Ihr/ihm eilte schnell als Himmelsbotin Trude Herr (Jenny Krauser) zur Seite, die sich nun darum kümmerte, dem Geburtstagskind seinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen: einen Elferrat mit Kölner Karnevalsgrößen.
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Dinner for one: René „Bössje“ Gerhards feiert an seinem 43. Geburtstag den 99. und wird von Andreas „Chantal“ Mertens umsorgt.
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Als Solomariechen zeigte Sarah Laux ihr Können.
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So kamen schnell Marie-Luise Nikuta (Jennifer Heinrichs), Hänneschen und Bärbelchen (Ottmar Heinrichs und Silvia Klein), Et Fussisch Julchen (Sarah Laux), das Colonia-Duett (herrlich: Michael Cardinier & Domenik Jansen) sowie Willy Millowitsch (Cedric Heinrichs) und ein Funkemariechen zusammen, die zwar nur acht sind, aber wunderbar parodiert die Szenerie bereicherten.
Aus dem traditionellen Theaterstück wurde schließlich eine Sitzung, wie die Gemünder sie kennen. Nach dem Tanz des Synchronpaares Maria Laux und Diana Henniger begeisterten der Bauchredner Jürgen Krämer und seine Puppe Horst das Publikum im Kursaal.
Die Brücken von Gemünd anno 2092 sind ein Trauerspiel
Der Landwirt aus Manderscheid ist nicht nur ein talentierter Bauchredner, sondern verfügt auch über viel Humor und Eifeler Witz, mit dem er die Zuschauer fasziniert. Sein Programm, mit dem er seit einigen Jahren unterwegs ist, hat er angereichert mit Einlagen über die Besamungspraktiken, die in der landwirtschaftlichen Viehhaltung unerlässlich sind. Seine Zugabe gestaltete er mit René Gerhards und „Chantal“ Mertens, die er zu Rednerpuppen umfunktionierte. Vor allem bei Mertens mit viel Erfolg, der die Vorgaben des Bauchredners mit großer Geste umsetzte.
Zu einem festen und beliebten Programmpunkt der Gemünder Prunksitzung haben sich die „Drei Brüder“ entwickelt. Ex-Präsident Frank Michalski, sein Sohn Torben und Ewald Schäfer spießen dabei die Feinheiten des Gemünder Alltags auf und riefen in diesem Jahr den „Lost Place Gemünd“ aus. So wurde die Brücke am Plan angesichts der Unsicherheit über das weitere Vorgehen zur „Brücke ohne Plan“.
Da der Elferrat eine Zeitreise in das Jahr 2092 unternommen hatte, wurde auch überlegt, wie die Gemünder Brücken dann aussehen könnten: Die am Friedhof ist immer noch nicht ersetzt, die am Plan ist mittlerweile eingefallen.
Brass-Karnevalsband „Fettes C“ spielte am Ende
Ähnlich wie das Hotel Friedrichs, das seit der Flut im Dornröschenschlaf liegt. Die „Drei Brüder“ haben die Idee für die zukünftige Verwendung: als Lost-Place-Gruselhotel, in dem niemand überlebt, da alle an Pilzvergiftung sterben. Gewürzt wurde der Auftritt mit vielen weiteren Gags und Liedern.

Bellejeck Dirk Gemünd sang diesmal in Gemünd.
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Eine Überraschung gab es für „Präsi“ Frank Michalski im Anschluss an seinen Auftritt. Nachdem Norbert Niebes und Günter Jäger, die mittlerweile ehemaligen Präsidenten von Blau-Weiß Schleiden und dem Vereinsbund Dreiborn, sich am Vorabend beim Prinzentreffen im Dreiborner Saal Hilgers ins Goldene Buch der Stadt Schleiden hatten eintragen dürfen, kam diese Ehre nun auch dem Ex-Präsidenten von Rot-Weiß Gemünd zu.
Ihr Können als Tänzerin zeigte auch in diesem Jahr Sarah Laux. Das Gemünder Männerballett „Schlawinchen“ feierte bei seinem Tanz Oktoberfest in Dirndl und Lederhosen. Bei ihrem 25-jährigen Jubiläum präsentierte die Showtanzgruppe ihren Metamorphosentanz von Raupen zu Schmetterlingen.
Wenn der Bellejeck, die Traditionsfigur der Großen Allgemeinen KG von 1900 aus Köln, Gemünd heißt, versteht es sich von selbst, dass er in Gemünd auf der Bühne steht: Mit seinem Gesang überzeugte Dirk Gemünd aus Mechernich.
Fester Bestandteil der Sitzungen ist der Gemünder Stefan Klippel. Für Stimmung sorgte zum Abschluss die Brass-Karnevalsband „Fettes C“, die den Schlusspunkt unter ein abwechslungsreiches Programm setzte.

