Das Kreisverbindungskommando hatte Vertreter der Blaulichtorganisationen, verschiedener Behörden und Reservisten eingeladen.
KVK-JahresempfangZivil-militärische Zusammenarbeit in Oberberg im Fokus

Schon 2023 übten Bundeswehrreservisten und Blaulichtorganisationen im Oberbergischen gemeinsam verschiedene Szenarien.
Copyright: Dennis Börsch (Archivfoto)
Politische Floskeln kommen und gehen. Das Wort von der Zeitenwende hingegen ist inzwischen fest verankert in der politischen Debatte. Am Freitag hatte das Kreisverbindungskommando (KVK) im Oberbergischen Kreis zum Jahresempfang auf Schloss Gimborn eingeladen, und in den Redebeiträgen ging es viel um konkrete Gründe für diese Zeitenwende und um zu ziehende Konsequenzen.
Der Empfang stand ganz im Zeichen der zivil-militärischen Zusammenarbeit, sagte KVK-Leiter und Gastgeber Oberstleutnant Thomas Meier. Diese Zusammenarbeit laufe im Oberbergischen Kreis vorbildlich. Er verwies dabei auch auf mehrere Übungen, bei denen Bundeswehrreservisten und die Blaulichtorganisationen gemeinsam Ernstfälle üben; zuletzt im Herbst.
Wir üben für Ereignisse, von denen wir hoffen, dass sie nicht eintreten.
Bisher hätte beim Zusammenwirken von staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen Gefahrenabwehr und Hilfeleistungen bei Unglücksfällen oder Extremwetterlagen im Fokus gestanden. „Jetzt ist die Bündnis- und Landesverteidigung deutlich in den Vordergrund gerückt“, so Meier, der in diesem Zusammenhang den „Operationsplan Deutschland“ erwähnte – ein Strategiepapier der Bundeswehr zur Verteidigung. Meier wörtlich: „Wir üben für Ereignisse, von denen wir hoffen, dass sie nicht eintreten.“
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Mit Verweis auf das Helmuth von Moltke zugeschriebene Zitat „Kein Plan überlebt den ersten Feindkontakt“ betonte der Oberstleutnant die besondere Bedeutung, die der Fähigkeit von Flexibilität und Plan-Anpassungen zukomme. Es gelte, auf jede denkbare Lage vorbereitet zu sein, egal ob Katastrophenfall oder im Rahmen des Operationsplanes Deutschland. Auch deshalb werde es im nächsten Jahr eine Neuauflage der gemeinsamen zivil-militärischen Übung geben.
Blick auf die kritische Infrastruktur
Bundestagsabgeordneter Carsten Brodesser (CDU) gab Gedankenanstöße aus politischem Blickwinkel. Mit seinen 58 Jahren gehöre er zur privilegierten Alterskohorte, die nie Krieg auf deutschem Boden hätten erleben müssen. 80 Jahre Leben in Frieden, Freiheit und Sicherheit – das habe sich mit dem völkerrechtswidrigen Einmarsch Russlands in die Ukraine geändert.
Seither habe die Bundespolitik viel Geld investiert, „um uns verteidigungsfähig zu machen, damit wir uns nicht verteidigen müssen.“ Geld sei aber nicht der einzige Hebel. Aufgabe der Politik sei es auch, die Nato als Verteidigungsbündnis zu stabilisieren. „Das ist umso schwieriger mit einem erratisch agierenden US-Präsidenten, von dem man nicht weiß, mit welchen Gedanken er abends ins Bett geht und mit welchen er aufwacht.“

Bundeswehrreservisten und Vertreter der verschiedenen Blaulicht-Organisationen und Behörden kamen – auch zum Netzwerken – in Schloss Gimborn zusammen.
Copyright: Siegbert Dierke
Luft nach oben, so Brodesser, gebe es aber auch bei der Kooperationsfähigkeit innerhalb der Gruppe europäischer Nato-Partner – es könne nicht sein, dass 20 verschiedene Waffensysteme verwendet würden. Brodesser forderte mehr Normierung und Adaptionsfähigkeit.
Not tue auch aber auch ein genauer Blick auf unsere kritische Infrastruktur – und wie diese geschützt werden kann. Aber, so Brodesser, „besonders wichtig ist die Haltung.“ Deutschland sei eine von weltweit nur 21 echten Demokratien, so Brodesser, ein Wohlfahrtsstaat mit sozialer Absicherung für alle: „Das sind Werte, die es wert sind, sie zu verteidigen und für sie einzustehen und es ist mehr als legitim, auch die junge Generation in die Pflicht zu nehmen“ – nicht im Sinne einer allgemeinen Wehrpflicht, sondern auch, um die demografisch entstehenden Lücken in den Blaulicht-Organisationen zu füllen.
Vertreter von Polizei, Feuerwehr, THW, DRK, Malteser, Johanniter und DLRG waren der Einladung zum Empfang gefolgt, ebenso Bundestagsabgeordneter Jan Köstering (Die Linke), Landtagsabgeordneter Christian Berger (CDU) und einige oberbergische Rathauschefs.
Der Kommandeur des Landeskommandos NRW, Brigadegeneral Hans-Dieter Müller, sprach der „exzellent praktizierten zivil-militärischen Zusammenarbeit im Oberbergischen“ seine persönliche Hochachtung aus. Mit Blick auf den völkerrechtswidrigen russischen Überfall auf die Ukraine „haben wir zur Kenntnis zu nehmen: Diese Zusammenarbeit brauchen wir mehr denn je“, die Grenzen zwischen Frieden und Krieg seien verschwommen. Ein hybrider Krieg auch gegen Deutschland sei längst im Gange – in Form permanenter Luftraumverletzungen durch Drohnen und anderer Provokationen. Er sei froh, dass die Zeichen der Zeit zunehmend angesprochen würden, etwas von Verteidigungsminister Boris Pistorius mit der Forderung, Deutschland müsse kriegstüchtig werden.
Der beim Oberbergischen Kreis zuständige Dezernent Stefan Heße stellte die besondere Rolle heraus, die dem KVK als Bindeglied zwischen Bundeswehr, kommunalen Behörden und zivilen Hilfsorganisationen zukomme. Er führte die erfolgreiche Zusammenarbeit bei den Übungen auf die kontinuierliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit zurück.

