Der Jahresbericht 2024 zeigt, dass sich der Nationalpark Eifel gut entwickelt. Die Besucherzahlen steigen, seltene Arten siedeln sich an.
Mehr seltene Arten und BesucherNationalpark Eifel verbucht Rekorde und soll weiter wachsen

Zwei Schwarzstorch-Paare zogen 2024 jeweils drei Jungvögel groß. Forscher entdeckten 2025 weitere Horste.
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„Mehr Arten, mehr Gäste und künftig mehr Schutzgebietsflächen.“ Michael Lammertz, Leiter der Nationalparkverwaltung Eifel, hatte bei der Vorstellung des 102 Seiten starken Jahresberichts 2024 gleich mehrere positive Entwicklungen zu vermelden. Zu dem besonderen Bericht zum 20-jährigen Bestehen des Schutzgebiets waren auch NRW-Umweltminister Oliver Krischer und Dr. Elke Reichert, die Präsidentin des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima (Lanuk), gekommen, in das der Nationalpark seit April integriert ist.
Krischer ging gleich zum Einstieg auf die Neuigkeiten ein: „Die Natur wächst und gedeiht. Das kann man an jeder Ecke im Nationalpark sehen.“ Kalamitätsflächen würden von der Natur erobert, neuer Wald entstehe. Die alten Waldbestände würden sich gut entwickeln. Beim Schwarzstorch geriet er ins Schwärmen: „Das ist ein absolutes Highlight. Einen Schwarzstorch in der Natur zu sehen, ist etwas ganz Besonderes.“ Im Nationalpark gebe es mittlerweile vier Brutpaare: „Wenn man weiß, dass der Gesamtbestand in NRW unter 100 Paaren liegt, kann man abschätzen, was der Nationalpark für eine Bedeutung hat.“
Die Art sei in Westdeutschland komplett verschwunden gewesen und erst in den 1990er-Jahren aus Osteuropa wieder eingewandert. „Dass die Brutpaare im Nationalpark Nachwuchs bekommen, ist ein gutes Zeichen. Das ist ein Indikator dafür, dass die Natur intakt ist.“ Der Schwarzstorch benötige Bäche, um Frösche und kleine Fische zu fangen. „Das ist nur ein Beispiel für positive Entwicklungen.“
Wochenstubenkolonie der Bechsteinfledermaus entdeckt
Sönke Twietmeyer vom Nationalpark hatte ein weiteres Beispiel: „Bei der seltenen Bechsteinfledermaus wurde erstmals eine Wochenstubenkolonie mit mindestens 34 Tieren nachgewiesen.“ Drei Quartierbäume im Kermeter seien der Rückzugsort dieser streng geschützten „Urwaldart“. Der Wildkatzenbestand sei mit 127 Exemplaren stabil. Krischer betonte, der Nationalpark sei ein Aushängeschild für den Naturschutz in NRW. Es gebe 11.425 Arten, darunter 2620, die auf der Roten Liste stünden.

Den Jahresbericht stellten Michael Lammertz (4.v.l.) und Minister Krischer (3.v.r.) in Vogelsang vor.
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Der Nationalpark wachse aber auch bei den Besucherzahlen: „Wir sind inzwischen bei 1,4 Millionen Gästen. Man kann also sagen, alle Einwohner von Köln und Bonn zusammen waren im vergangenen Jahr einmal im Nationalpark.“ Mai und August seien die Spitzenmonate. So eine Resonanz sei vorher nicht absehbar gewesen. „Das Tolle ist, dass es gelingt, 1,4 Millionen Besuchern die Natur zu zeigen und gleichzeitig sehr störungsempfindlichen Arten wie dem Schwarzstorch eine Heimat zu bieten, in der er seinen Nachwuchs aufziehen kann.“ Natürlich würden einige Besucher auch schon mal Probleme bereiten. Da müsse man dann auch eingreifen.
Nationalpark Eifel soll um weitere 750 Hektar wachsen
Trotzdem sei es für ihn als Umweltminister sehr erfreulich, dass Menschen, die sich für Natur interessieren, diese auch erleben könnten. In den 20 Jahren seit Bestehen des Vereins hätten rund 640.000 Menschen an Bildungsveranstaltungen teilgenommen.
Und der Park soll noch wachsen: Das Land, so der Minister, wolle mehr Naturschutzflächen schaffen. Zusätzlich 5000 Hektar sollen landesweit laut Krischer ausgewiesen werden, um 750 Hektar wächst der Nationalpark. „Das betrifft Flächen, die für den Naturschutz vom Land angekauft worden sind.“ Schwerpunkte seien entlang der Rur bei Simmerath, in Heimbach und in Hürtgenwald-Zerkall. Lammertz geht davon aus, dass der Prozess, für den die Nationalparkordnung geändert werden muss, Ende 2026/Anfang 2027 abgeschlossen ist.

Sehr zufrieden mit der Entwicklung des Nationalparks ist Oliver Krischer in verschiedenen Bereichen.
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„Die Bilanz zeigt eindrucksvoll, wie sich der Park entwickelt“, sagte der Leiter. „Das ist das Ergebnis der engagierten Arbeit ganz vieler beteiligter Menschen und Institutionen in der Region. Diese Erfolgsgeschichte wollen und werden wir auch in den geplanten Erweiterungsflächen fortführen.“
Buche ist mittlerweile die häufigste Baumart, Fichte hat sich halbiert
Nico Schumacher vom Nationalpark ging auf die Strukturvielfalt der Wälder ein, die vor zehn Jahren zum ersten Mal untersucht worden war. Dafür wurden 1300 Stichprobenpunkte ermittelt. „Der Wald entwickelt sich in Richtung Laubwald, die Buche ist die häufigste Baumart. Insgesamt wurden bei den Untersuchungen 35 Laubbaum- und Straucharten festgestellt.“ Die Fichtenbestände hätten sich mehr als halbiert. „Die Totholzanteile sind von 20,4 auf 75,6 Kubikmeter pro Hektar gestiegen.“ Dadurch entstehe Lebensraum für Spechte, Käfer und andere Arten. Es gebe weniger lebende Bäume und die Verjüngung sei zurückgegangen.
Der Nationalpark Eifel ist eines unserer Leuchtturmprojekte für erfolgreichen Artenschutz in Nordrhein-Westfalen.
Auf die erfolgreiche Bildungsarbeit gingen Jutta D'Orsaneo vom Nationalpark und Anja Henseler vom Johannes-Sturmius-Gymnasium Schleiden ein. „Kinder und Jugendliche sind eine wichtige Zielgruppe“, erklärte D'Orsaneo. Im vergangenen Jahr hätten 15.000 junge Menschen die Angebote besucht. 2024 seien zudem wieder 50 Schulen an 60 Standorten als Nationalpark-Schule Eifel ausgezeichnet worden. „Das Netzwerk wächst weiter. Mittlerweile gibt es auch 26 Nationalpark-Kitas.“
Henselers Schule ist seit 16 Jahren dabei. „Das Thema Nationalpark wird in möglichst vielen Fächern aufgegriffen“, so Henseler. Im Fach Französisch habe man beispielsweise die Flyer des Parks unter die Lupe genommen. Eine AG habe Tiere aus Pappmaché hergestellt. Ferner gebe es Wanderungen im Nationalpark, Besuche der Wildniswerkstatt in Düttling und vieles mehr.
Die Präsidentin des Landesamts lobte: „Der Nationalpark Eifel ist eines unserer Leuchtturmprojekte für erfolgreichen Artenschutz in Nordrhein-Westfalen. Wir freuen uns daher sehr, dass der Nationalpark Teil unseres Amtes ist.“ Gerade im Bereich Monitoring und Artenschutz würden Synergien ausgebaut und neue Wege in der fachlichen Zusammenarbeit geschaffen.