Zum dritten Mal luden Christian Gehlen und Bodo Claßen zum „Fellows Ride“ ins Schleidener Stadtgebiet ein.
„Fellows Ride“Motorradtour in Schleiden soll auf das Thema Depression aufmerksam machen

Rund 80 Motorradfahrerinnen und -fahrer schlossen sich dem „Fellows Ride“ an und machten sich für mehr Therapieplätze für von Depression Betroffene stark.
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Seinem Hobby frönen und dabei Gutes tun, ist die klassische Win-win-Situation. Insofern ist der „Fellows Ride“, der am Sonntag von Schleiden aus durch die Eifel führte, eine Veranstaltung, die gleich in mehrfacher Hinsicht positiv wirkt. Denn er ist eine weltweite Aktion, die vor allem ein Ziel hat: dem Thema „Depression“ mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Zum dritten Mal hatten Christian Gehlen und Bodo Claßen die Veranstaltung nach Schleiden geholt und zum ersten Mal die Innenstadt von Schleiden als Treffpunkt ausgewählt. Viele Fahrer waren der Einladung gefolgt. Rund 80, so schätzte Gehlen, hätten sich der Kolonne angeschlossen.
Selbsthilfegruppe für Depressionskranke gegründet
„Das Problem ,Depression’ wird viel zu stiefmütterlich angegangen“, sagte Claßen. Gemeinsam mit Gehlen hat er eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen, die sich zweimal in der Woche in Gemünd trifft. Beide Organisatoren sind selbst von der Krankheit betroffen und wissen deshalb, wovon sie reden. „Wir fordern mehr Therapieplätze“, sagt Claßen deutlich. Das habe auch einen ganz praktischen Effekt. Denn wenn die Vorstufen einer Depression bereits richtig behandelt werden würden, dann gäbe es weniger Betroffene.

Von der Schleidener Innenstadt aus fuhren die Motorradfahrer rund zwei Stunden durch die Eifel.
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Ältester Teilnehmer mit einer der ältesten Maschinen war Walter Linnartz Euskirchen mit seiner BMW.
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Ein wichtiger Punkt, so Claßen, denn „ein Burn-out ist heilbar, Depression nicht“. Die Krankheit sei mittlerweile zwar gut behandelbar, die Betroffenen würden aber ihr Leben lang darunter leiden. „Wir wollen dazu motivieren, die Krankheit früh zu behandeln“, sagte Claßen. Die Leute sollten wach werden und merken, dass mit ihnen etwas nicht stimmt.
„Die große Gefahr bei einer Depression ist, dass sie in einem Selbstmord endet“, warnte er. Warum? Neun Monate betrage zur Zeit allein die Wartezeit auf einen Therapieplatz, berichtete Claßen.
Motorradfahren ist gut für die Psyche.
Gut helfen würde auch die Selbsthilfegruppe. Die werde mehr und mehr Aufmerksamkeit gewinnen, auch und nicht zuletzt durch den Fellows Ride. Dass für die Demonstration das Motorrad als Fahrzeug gewählt worden sei, sei kein Zufall: „Motorradfahren ist gut für die Psyche“, betonte Claßen. Die Menschen würden Glück und Emotionen erleben. „Es hilft mir auch persönlich“, sagte er. Auch viele Nicht-Betroffene würden die Aktion unterstützen.
Indirekt betroffen war Franzi aus Heimerzheim. „Ein Freund von mir hat sich das Leben genommen. Offiziell war er nie krank“, sagte sie. Seitdem achte sie viel mehr auf die Menschen in ihrem Umfeld. Selbst von der Krankheit betroffen ist dagegen Yvonne aus Zülpich. „Motorradfahren ist für mich wichtig“, sagte sie. Sie habe eine Motorradgruppe gefunden, mit der sie sich oft treffe. „Ich war in Behandlung, aber es kann jederzeit wieder passieren, dass es mir schlecht geht“, sagte sie offen.
Motorraddemo führte zum Rursee
Nach der Auftaktveranstaltung auf dem Schleidener Marktplatz machte sich der Demonstrationszug auf eine Tour rund um den Rursee. Zwei Stunden dauerte der Trip ungefähr, bevor die Fahrer mit ihren Maschinen wieder in Schleiden eintrafen, um noch einmal ihre Forderung nach mehr Therapieplätzen kundzutun.
Begleitet wurde die Rundfahrt von Polizeibeamten des Verkehrsdienstes aus Euskirchen und Aachen. Zum dritten Mal waren sie mit der Kolonne des „Fellows Ride“ unterwegs. Zum einen sei es natürlich ihre Aufgabe, sagte Einsatzleiter Volker Braun. „Wenn es aber um so eine Sache geht, der Aufklärung über die Krankheit ,Depression’, dann ist das nichts, was schwerfällt“, sagte er deutlich.
Unterstützt wurde die Aktion auch von Walter Linnartz aus Euskirchen. „Ich bin wahrscheinlich der älteste Fahrer im Feld“, sagte der 80-Jährige. Auch seine Maschine, eine 56 Jahre alte BMW R75/5 dürfte eine der ältesten sein, vermutete er. „Sie hat die Seriennummer 27 und kostete damals 5850 DM“, teilte er mit. Sich gegen Depression zu engagieren, sei ihm wichtig. „Auch wenn ich schon älter bin, kann es sein, dass es noch kommt, und man merkt es nicht“, sagte er.
