Abo

Knöllchen bekommenMotorräder sind im Kreis Euskirchen willkommen, wenn sie richtig parken

6 min
Autos stehen auf einem Parkplatz. Im Hintergrund ist das Parkplatz-Schild mit dem Zusatz-Piktorgramm "nur für Pkw" zu erkennen.

Das Piktogramm am Parkplatz oberhalb der Burg in Bad Münstereifel zeigt: Hier dürfen nur Autos stehen.

Ein Ehepaar aus Leverkusen hat in Bad Münstereifel ein Doppelknöllchen bekommen. Einige Kommunen im Kreis haben spezielle Kradstellplätze.

Die Shoppingtour eines Ehepaars aus Leverkusen in Bad Münstereifel endete mit einem kleinen Ärgernis in Form von zwei Knöllchen wegen Falschparkens. Die Leverkusener sind leidenschaftliche Motorradfahrer und „echte Eifelfans, weil wir auch Freunde in der Eifel haben“, sagt die Ehefrau, die wie ihr Mann nicht namentlich genannt werden möchte.

Am 1. Juni hatte das Paar die Kurstadt besucht. Geparkt haben die beiden auf dem Parkplatz oberhalb der Burg von Bad Münstereifel, direkt an der L194 von Süden kommend. Um nicht zwei Parkplätze zu belegen, stellte das Paar die beiden Maschinen hintereinander in eine Parkbucht. „Ich habe meinen Mann überredet, dort zu parken, wo wir niemanden blockieren“, so die Frau. Was beiden entgangen war, war das Autopiktogramm unter dem Parkplatzschild. Das heißt: Die Stellplätze oberhalb der Burg sind nur für Autos freigegeben.

Eines hätte auch gereicht. Es war sehr ersichtlich, dass beide Motorräder zusammengehören.
Die Leverkusenerin über das Doppelknöllchen

Und so kamen die beiden vom Shoppen zurück und fanden je ein Knöllchen an ihren Maschinen. „Eines hätte auch gereicht. Es war sehr ersichtlich, dass beide Motorräder zusammengehören“, so die Frau. Das sieht die Stadt Bad Münstereifel allerdings anders. An jedem Fahrzeug liege ein eigener Verstoß gegen die Beschilderung vor, schließlich handele es sich um zwei Fahrzeuge mit jeweils eigenem Kennzeichen.

Zwei Motorräder stehen hintereinander in einer Parkbucht.

Das Ehepaar aus Leverkusen hatte seine Motorräder hintereinander geparkt und erhielt gleich zwei Knöllchen.

Sein Motorrad automatisch auf jedem Parkplatz abstellen dürfe man nicht, so die Stadt Bad Münstereifel weiter. Maßgeblich seien die jeweils vorhandenen Verkehrs- und Zusatzzeichen. In der Kurstadt stehen außerdem ausgewiesene Motorradparkplätze zur Verfügung. Einer befindet sich auf der Brücke vor dem St.-Angela-Gymnasium, ein weiterer vor dem Schulzentrum.

Motorradparkplätze am Werther Tor sind momentan nicht nutzbar

Von der letzteren Parkmöglichkeit weiß auch die Leverkusenerin, sagt allerdings: „Dort ist nicht gut erkennbar, wie lange man dort stehen darf.“ Weiterhin dürften Motorräder auf dem Parkplatz am Bahnhof und gebührenpflichtig auf dem Klosterplatz parken. Momentan nicht zur Verfügung stehen die Motorradparkplätze am Werther Tor, was mit der Baumaßnahme auf der Kölner Straße zu tun hat. „Derzeit suchen wir nach einer geeigneten Alternative“, so die Stadt.

In anderen Kommunen im Kreis Euskirchen und in der Stadt Heimbach ist man offenbar weniger rigoros. „Biker dürfen uneingeschränkt auf öffentlichen Parkplätzen parken und sind herzlich willkommen“, heißt es aus dem Ordnungsamt der Gemeinde Kall. Dort gibt es zusätzlich auf der Bahnhofstraße und auf dem Pendlerparkplatz an der Trierer Straße ausgewiesene Stellplätze für Zweiräder.

Weilerswist ist für Motorradfahrer eine Durchfahrtsgemeinde

Solche hat die Stadt Mechernich nicht. Es gebe aber auch nur wenige Stellen, an denen Motorradfahrern das Parken nicht erlaubt sei, sagt Silvia Jambor, Fachbereichsleiterin Ordnung und Bürgerservice.

Eine „Durchfahrtsgemeinde“ ist Weilerswist. „Das Aufkommen von Motorradtouristen ist überschaubar“, heißt es aus dem Rathaus. Meist würden Zwischenstopps an den örtlichen Tankstellen eingelegt.

Tipp aus Euskirchen: Das Parkticket sollte man abfotografieren

Auch die Stadt Euskirchen hat keine ausgewiesenen Motorradparkplätze. Biker müssen an gebührenpflichtigen Parkplätzen ein Ticket ziehen und an speziellen Vorrichtungen an der Maschine befestigen – oder alternativ das Handyparken nutzen. „Zusätzlich empfehlen wir den Bikern, das Ticket abzufotografieren, damit beim Verlust dies, im Falle der Erteilung eines Verwarngeldes, dokumentiert und somit das Verfahren eingestellt werden kann“, schreibt die Stadt Euskirchen.

Auch im Stadtgebiet Zülpich gelten keine gesonderten Regeln für Motorradtouristen. „Sie können selbstverständlich auf den ausgewiesenen Parkplätzen parken. Das sollen sie sogar, denn wie auch anderen Verkehrsteilnehmern ist es ihnen nicht gestattet, beispielsweise auf Gehwegen oder in ausgewiesenen Fußgängerbereichen zu parken“, so die Stadt Zülpich.

Kein Problem mit dem Parken, dafür mit dem Motorradlärm in Hellenthal

Im Gemeindegebiet Hellenthal dürfen Motorradfahrer überall dort parken, wo auch Autos parken dürfen. Diesbezüglich habe es noch nie Probleme gegeben, so die Gemeinde. Aber eine „Baustelle“ gibt es in Hellenthal: die Lärmbelästigung, besonders im Hollerather Berg. Motorradfahrer führen von den Seitenparkplätzen bis zur Anhöhe und wieder zurück und ließen sich dabei vom Parkplatz aus filmen. „Diese unnötigen Manöver führen zu einer erheblichen Lärmbelästigung, insbesondere für die Bewohner und Bewohnerinnen der Ortschaften Hollerath und Ramscheid“, so die Gemeinde Hellenthal.

Innerhalb des Nettersheimer Gemeindegebiets dürfen Motorradfahrende die regulären kostenfreien Stellplätze unter Einhaltung der geltenden Parkregelungen nutzen. Einzige Ausnahme, die aber auch für Autos gilt: Im Bereich des Wohnmobilhafens sind keine anderen Fahrzeugtypen als die dort vorgesehenen gestattet.

Parken auf der Dreiborner Straße in Gemünd ist untersagt

In der Stadt Schleiden ist für Motorräder nur das Parken auf der Dreiborner Straße in Gemünd untersagt. Im Rahmen des Integrierten Innenstadtkonzepts für Gemünd sollen separate Motorradparkplätze eingerichtet werden, so die Stadt.

Neun Motorräder stehen auf einer Fläche in Schwammenauel. Im Hintergrund ist die Talsperre zu sehen.

In Schwammenauel gilt die Devise: Solange die Rursee-Bahn, eine Bimmelbahn, durchkommt, dürfen Motorräder dort parken.Stephan Everling

Mit den Sorgen und Nöten eines Motorradfahrers kennt sich Erich Schmidt von der Stabsstelle Stadtentwicklung, Tourismus und Kultur bei der Stadt Heimbach aus – schließlich ist er selbst einer. Und er weiß: In Heimbach darf auf jedem Parkplatz, der nicht explizit nur für Autos gilt, geparkt werden. Zwar sei einmal über gesonderte Motorradparkplätze nachgedacht worden, man habe sich aber dann bewusst dagegen entschieden.

Auf der Ruruferpromenade ist das Parken nicht erlaubt

Verständnis muss er als Motorradfahrer aber nicht immer für seine Hobbygenossen aufbringen. Wenn er aus dem Rathaus auf die Rur-Uferpromenade blickt, sieht er dort nicht nur eine Spielstraße und Außengastronomie, sondern an schönen Tagen auch viele Motorräder, die dort nichts zu suchen haben. „Da ist Parken verboten und dort stehen sie trotzdem. Sie zwängen sich durch die Poller und stehen auf den Nebenanlagen“, sagt Schmidt. Allerdings gelte das auch für andere Zweiradfahrer. „Die zahlreichen Fahrradbügel sind unbeachtet, stattdessen sind manche Fahrräder ans Geländer gekettet“, weiß er.

Die Rechtslage bei den Motorrädern sei eindeutig. „Und wir haben eine fixe Politesse“, gibt Schmidt als Warnung mit auf den Weg. Denn die Stadt Heimbach duldet das Parken am Seerandweg nicht. Über die Knöllchen ärgern sich allerdings nicht nur die Motorradfahrer, sondern auch so mancher Gastronom, der das Ausbleiben der Kundschaft befürchtet.

In Schwammenauel muss die Rursee-Bahn durchkommen

Dabei sei direkt um die Ecke der Parkplatz Über Rur, auf dem man für sieben Euro den ganzen Tag parken könne und auf dem es sogar Befestigungen für Motorräder gebe. Sich einen Parkplatz zu teilen, sei hingegen nicht erlaubt. Es müssten trotzdem für jedes Motorrad Parktickets gezogen werden.

Etwas lockerer ist das Motorradparken am Restaurant & Café Seeblick am Pegel in Schwammenauel. „Da stehen oft 30 bis 40 Motorräder. Das ist Privatgelände, das dem Wasserverband gehört, aber unterverpachtet ist“, weiß Schmidt. Es gibt aber eine Bedingung: Die Rursee-Bahn muss durchkommen. Klar ist den Heimbachern: Motorradfahrer sind im Ort gute Kunden. „Und sie sind uns willkommen“, sagt Schmidt – wenn sie denn richtig parken.

In Heimbach ist übrigens auch das Ehepaar aus Leverkusen schon gewesen. Die insgesamt 20 Euro Strafe an die Stadt Bad Münstereifel haben die Eheleute längst bezahlt. Und die Leverkusener bleiben nicht nur Fans der Eifel, sondern kommen auch gerne nach Bad Münstereifel zurück. Sie wissen ja immerhin jetzt, wo sie nicht parken dürfen und auf welches Schild sie achten müssen.