Zweieinhalb Stunden lang unterhielt Volker Weininger, bekannt für seine Rolle als Sitzungspräsident, das Publikum in der Weilerswister Gesamtschule.
Auftritt in Weilerswist„Sitzungspräsident“ Volker Weininger kann auch Langstrecke

Volker Weininger als „Der Sitzungspräsident“ amüsierte sein Publikum beim Auftritt in der Gesamtschule Weilerswist.
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„Liebe ist, wenn beide vom Waldspaziergang zurückkommen.“ Diese Art von leicht makabrem Humor muss man schon mögen, wenn man sich in Volker Weiningers zweieinhalbstündigem Programm so richtig wohlfühlen will. Doch die 600 Besucher im Forum der Gesamtschule Weilerswist waren sich sicher: Den mögen wir.
Und so traf der 55-jährige, aus Waldbröl stammende und in Bonn lebende Kabarettist, Büttenredner und Autor auch an diesem Abend auf viel Zustimmung – und am Ende auf stürmischen Beifall für seine Paraderolle als Sitzungspräsident und sein Programm „Filmriss“. Thorsten Weckert, Ex-Tollität der KG Mer gon vör Vernich und stellvertretender Sitzungspräsident, kannte Weininger bereits von einem Auftritt in Aachen. Damit ist er gewissermaßen ein Ehrenamtskollege des Bühnenpräsidenten.
Er ist wirklich lustig, und ich mag seine kölsche Art.
Weckert bezog sich vor allem auf Weiningers frühere Programme – 2020, 2023 und 2025 hat er den Närrischen Oskar des Express für die beste Rede erhalten. „Das habe ich auch schon erlebt: dass eine Band nicht kommt oder sich das ganze Programm um eine Stunde nach hinten verschiebt“, sagte Weckert über die Geschichten aus dem fiktiven Vereinsleben. Im Gegensatz zu Weckert kannten Michaela und Tatjana aus Brühl den Kabarettisten bis zu seinem Weilerswister Auftritt nur aus dem Fernsehen. „Er ist wirklich lustig, und ich mag seine kölsche Art“, sagte Michaela.
Seit 2012 steht Weininger als Sitzungspräsident auf der Bühne, zunächst ausschließlich im Karneval. Seit 2019 ist er mit der Figur auch außerhalb der Session unterwegs. „Filmriss“ hatte 2024 Premiere und soll 2027 vom neuen Programm „Ahoi, ihr Luftpumpen“ abgelöst werden. Hauptrequisite beim „Filmriss“ ist ein alter Lederkoffer voller Erinnerungen. Fotos, Ansichtskarten und Dokumente wie die Teilnahmeurkunde an den berüchtigten Winter-Bundesjugendspielen aus Pennälerzeiten dienen als Anknüpfungspunkte für die Stationen des Programms.
Weininger erfüllte die Erwartungen des Publikums
Inszeniert wird das Ganze in der Kulisse einer privaten Kellerkneipe. Deren wichtigstes Detail ist natürlich der Sitzungspräsident selbst: altmeisterlich im vollen Ornat gemalt, vor rembrandt-dunkel dräuendem Hintergrund, selbstbewusst und zugleich etwas ratlos aus dem Rahmen blickend. Natürlich erfüllte Weininger auch die Erwartungen seines Publikums.
Michael, der vertraute Sidekick, versorgte den Präsidenten mehr oder weniger zuverlässig mit frischem Kölsch – und musste dafür so manche Frotzelei einstecken. „Na, hast du mir ein Schaumbad eingelassen?“, fragte Weininger, als das Kölsch nicht ganz perfekt gezapft war. Apropos Kölsch: Bei seinen Sessionsauftritten spricht der Sitzungspräsident dem so stark zu, dass kunstvolles Gelalle und Gebrabbel bis an die Grenzen der Verständlichkeit die Folge sind. Karneval und exzessiver Alkoholkonsum gehören zusammen – oder doch nicht?
Für improvisierte Dialoge mit dem Publikum blieb genügend Zeit
Genau darin liegt die satirische Spitze. Im deutlich längeren Soloprogramm würden solche Einlagen, die in einer maximal 20-minütigen Büttenrede bestens funktionieren, schnell ermüden. Weininger setzte sie in Weilerswist deshalb nur kurz und selbstironisch ein. Was wäre der Sitzungspräsident der KG raderdoller Spritköpp 1493 allerdings ohne seine ehrenamtlichen Vorstandskollegen?
Da ist etwa Hermann, der bekanntlich ein „Leben am Intelligenzminimum“ führt. Gerade bei solchen Geschichten zeigte Weininger eine seiner großen Stärken: das Timing. Beim Besuch der ihrem Namen alle Ehre machenden Spritköpp im Neubaugebiet wollte der Verein die Zugezogenen für den Karneval missionieren. Hermann habe dort versucht, mit Grasbüscheln einen Mähroboter anzulocken. Pause. Lachen. Weininger: „Und es hat geklappt!“
Klar, in Dormagen ist man froh, wenn man es hinter sich hat.
Auch bei Herbert brauchte das Publikum einen kurzen Moment. „Der ist 95 und plant jetzt seinen 100. In dem Alter würden andere keine grünen Bananen mehr kaufen.“ Wieder eine wohlgesetzte Pause. Dann: „Der Knaller auf jeder Seniorensitzung.“ Neben solchen Pointen gehört vor allem der improvisierte Dialog mit dem Publikum zu Weiningers Stärken. Dafür bleibt bei den kurzen Auftritten in der Bütt kaum Zeit, auf der „Filmriss“-Tournee dagegen umso mehr.
In Weilerswist erwischte es Andrea in der ersten Reihe. Auf Weiningers Frage, wer denn – wie er selbst – seit 30 Jahren verheiratet sei, meldete sie sich. Andrea stellte sich als Standesbeamtin aus Dormagen vor. Ob sie denn mehr Trauungen oder mehr Todesfälle habe, wollte Weininger wissen. Letzteres, so die Verwaltungsangestellte. „Klar, in Dormagen ist man froh, wenn man es hinter sich hat“, konterte Weininger.
Und wie habe sie ihren Ehemann Rainer kennengelernt? Es habe gefunkt, als Rainer gerade bei „Holzfällerarbeiten“ gewesen sei, erzählte Andrea freimütig. Belustigung im Publikum – und eine Steilvorlage für den Kabarettisten: „Klar, was ist auch normaler, als sich außerhalb von Kanada bei Holzfällerarbeiten kennenzulernen.“
Nach gut einer Stunde verabschiedete Volker Weininger sein Publikum zunächst in die Pause. Zur Halbzeit durfte man sich durchaus fragen, ob das Konzept die Langstrecke über zweieinhalb Stunden trägt. Hier und da zeigten sich Längen, auch der gelegentlich recht schlichte Humor zündete nicht immer. Andrea und Rainer aus Dormagen wirkten in der Pause bestens gelaunt. „Alles gut“, sagte Andrea. „Wir sind da sehr locker und können auch gut über uns selber lachen.“
