Seit 30 Jahren ist der Verlag Velbrück in Weilerswist-Metternich ansässig. Mit einem Nischenprogramm trotzt er der digitalen Konkurrenz.
Seit 30 JahrenVerlag Velbrück in Metternich widmet sich den Wissenschaften

Im malerischen Ambiente des Hofs Velbrück hat die Verlagsgesellschaft ihren Sitz. Andreas von Stedman und Marietta Thien ziehen nach 30 Jahren eine Bilanz.
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„Wir sind kein Schnellläufer“, sagt Andreas von Stedman. Vor 30 Jahren war er Gründungsgesellschafter der Velbrück GmbH. Aus der Versandbuchhandlung ist im Laufe der Jahrzehnte ein Unternehmen mit vier Verlagen geworden. Mit langem Atem hat sich der alte Vierkanthof im kleinen Weilerswister Ort Metternich zu einer renommierten Adresse für gute Bücher entwickelt.
Das historische Gemäuer hat früher einer Familie Velbrück gehört. „Wir wollten in diesem besonderen Ambiente besondere Bücher anbieten“, so von Stedman. „Und wir wollten einen Namen, der nach einer Person klingt.“ Aber erst einmal wird es ein Dienstleister, der die Backlist anderer Verlage vermarktet, also Bücher, die keine Neuerscheinungen mehr sind.
Auch Kunstbücher entstehen im alten Vierkanthof in Metternich
Der Verlag Velbrück Wissenschaft wird drei Jahre später gegründet. Hier erscheinen wissenschaftliche Bücher zu Soziologie, Philosophie, Rechtstheorie, Pädagogik und Psychologie. Das klingt nach einer Marktnische. „Aber es ist eine gut funktionierende Nische“, sagt Geschäftsführer von Stedman. 2015 entsteht dann der Barton Verlag. Da geht es nicht mehr um Wissenschaft, sondern um Regionales, erzählte Geschichte, Biografien, Unternehmensgeschichte und Kunstbücher.
Wir werden kein Großverlag.
Seit 2016 wird die traditionsreiche Literaturzeitschrift „Akzente“ im Metternicher Haus Velbrück produziert. Damals nimmt das Unternehmen den Dittrich Verlag auf und erweitert sein Portfolio um Belletristik und Lyrik, aber auch um Sachbücher aus Politik und Geschichte, Künstlernovellen und Biografien. Marietta Thien ist Verlagsleiterin und Herausgeberin der „Akzente“. Fünf Hefte sind bereits unter ihrer Federführung erschienen. Die Zeitschrift, 1953 gegründet, hat für sie auch strategischen Wert: „Sie eröffnet uns neue Möglichkeiten, an Autoren zu kommen.“
Große Namen sind nicht mehr so gefragt
Velbrück profitiere von Namen und Geschichten in „Akzente“. Aber die Autorenschaft verändere sich: „Es geht nicht mehr um große Namen“, sagt die Herausgeberin. 2020 zieht der Wissenschaftsverlag v. Hase und Kohler unter dem Dach der Velbrück Verlagsgesellschaft ein. Wieder ein Fachverlag, der keine großen Auflagen generiert, aber dessen Publikationen in Bibliotheken ihren Platz finden.
In Zeiten, in denen das gedruckte Wort an Bedeutung verliert, geht auch Velbrück digitale Wege. Jedes Buch sei auch als E-Book erhältlich, berichtet Andreas von Stedman. Der Verlag habe außerdem gute Erfahrungen mit Digitalmagazinen gemacht. Auf der anderen Seite seien Vertriebskanäle über den Buchhandel abgebrochen, Neuerscheinungen in einer der großen Ketten zu platzieren sei nahezu unmöglich.
Doch die Verlagsgesellschaft Velbrück, die derzeit sieben Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hat, hält dagegen. „Wir wollen weiter so klein bleiben“, sagt der Geschäftsführer: „Wir werden kein Großverlag.“ An Selbstbewusstsein mangelt es nicht: „Wir können alles, was große Verlage können. Aber menschliche Kontakte können wir besser.“
Nicht zuletzt dank digitalisierter Arbeitsabläufe könne der Verlag heute flexibler – und damit ökonomischer – produzieren, mit kleinen Auflagen starten und bei Bedarf kostengünstig nachdrucken. Andreas von Stedman macht sich andererseits keine Illusionen, die Lesergemeinschaft sei in den vergangenen Jahren deutlich kleiner geworden. Aber dann ist er doch wieder optimistisch: „Immerhin setzen wir einen kleinen Akzent gegen die digitale Überflutung.“
