Andreas Ulm und Henrik Krewel müssen als Team Corsi skurrile Aufgaben erfüllen. GPS und Navigationsgerät sind tabu.
Viking SunZülpicher Rallye-Team fährt mit altem Opel Corsa durch Skandinavien

Als Team Corsi legen Henrik Krewel (l.) und Andreas Ulm in Skandinavien rund 3500 Kilometer zurück.
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Kristallklare Seen, endlose Wälder, spektakuläre Fjorde, freundliche Menschen – Andreas Ulm und Henrik Krewel erleben gerade die ganze Faszination Skandinaviens. Die beiden jungen Männer aus Zülpich nehmen noch bis zu diesem Samstag an der Viking Sun Rallye teil. Ein Erlebnis der besonderen Art.
Ihr Auto zählt zu den eher unauffälligen Exemplaren unter den 80 Fahrzeugen: ein silbergrauer Opel Corsa, Baujahr 2004, den Andreas Ulm auch im Alltag benutzt. „Mein erster Wagen überhaupt. Den habe ich 2017 gekauft“, erzählt der 27-Jährige.
Der Opel hat schon fast 300.000 Kilometer zurückgelegt
Ursprünglich waren bei der Mittsommer-Rallye nur Autos zugelassen, die mindestens 20 Jahre auf dem Buckel hatten. „Mittlerweile sind auch jüngere dabei. Allerdings fahren immer noch überwiegend Oldtimer mit“, sagt Ulm, der sich mit Krewel als „Team Corsi“ angemeldet hat. Ihr Opel hat 59 PS, 1000 ccm Hubraum und drei Zylinder, der Kilometerzähler nähert sich der 300.000er-Marke.
„Es sind abenteuerliche Fahrzeuge am Start“, erzählt Andreas Ulm, als die Redaktion ihn telefonisch im norwegischen Trondheim erreicht. Er meint beispielsweise ein Feuerwehrfahrzeug, das früher in Burgwedel im Einsatz war, oder den Chevrolet Blazer K5, 6200 Kubikzentimeter, in dem das Team „Hubraum mit Wohnraum“ unterwegs ist.

Die Nächte verbringen die beiden Zülpicher während der Rallye in einem Dachzelt auf dem Opel Corsa.
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Apropos: Andreas Ulm hat ein Dachzelt auf den Opel Corsa montiert, das zwei Personen genügend Platz zum Übernachten bietet. Die Rückbank hat er ausgebaut, um die Ladefläche zu vergrößern, für Gepäck, Werkzeug und Ersatzteile. Für Notfälle ist Team Corsi also gewappnet. Sogar eine Austauschlichtmaschine und eine Ersatzkupplung hat das Duo an Bord.
„Ich schraube gern an Autos“, sagt Ulm, der in Nemmenich wohnt und in der Hofwerkstatt von Haus Bollheim in Oberelvenich arbeitet. Mit Henrik Krewel, der aus Weiler in der Ebene stammt, machte er sich am vergangenen Freitag auf zum Startpunkt in Hamburg. Von dort führte die Strecke über Dänemark nach Schweden und weiter nach Norwegen. Das Ziel liegt in der Nähe von Kristiansand im Süden des Landes.
Bei der Viking Sun Rallye geht es nicht um Geschwindigkeit
Die längste der acht Etappen ist 550 Kilometer lang, alles in allem wird der Corsa am Ende 3500 Kilometer zurückgelegt haben. „Mit An- und Abreise sind es ungefähr 5000“, ergänzt Ulm, der sich mit seinem Kumpel am Steuer abwechselt.
Bei der Viking Sun Rallye geht es nicht um Geschwindigkeit, in diesem Fall wäre Team Corsi mit seinen 59 PS wohl hoffnungslos unterlegen. Vielmehr gilt es Tag für Tag, Aufgaben zu lösen und damit Punkte zu sammeln. Weitere Herausforderungen kommen hinzu: GPS und Navigationsgeräte sind tabu. Fahrer und Beifahrer müssen sich stattdessen mit der Landkarte ihren Weg zum Checkpoint am jeweiligen Etappenziel suchen. Autobahnen dürfen sie nicht nutzen.
Alle wollen, dass jeder ins Ziel kommt, deshalb helfen sich alle gegenseitig.
Abends muss ein Schlafplatz her. Nur einmal hatten die Veranstalter ein Übernachtungslager für alle auf einem Campingplatz organisiert. „Dank der Tipps von anderen Teilnehmern in unserer Whatsapp-Gruppe findet man aber immer eine Stelle zum Übernachten“, erzählt Andreas Ulm, der mit Henrik Krewel in der App „findpenguins“ und auf Instagram (and.ignition) tagesaktuell über die Tour berichtet.
Was gefällt dem 27-Jährigen – neben der faszinierenden Landschaft – besonders an der Rallye? „Der Nervenkitzel, mit dem alten Auto die lange Strecke zu schaffen“, sagt er. „Und dass wir so viele nette Leute kennenlernen.“ Wichtig ist ihm auch der Zusammenhalt im Teilnehmerfeld: „Alle wollen, dass jeder ins Ziel kommt, deshalb helfen sich alle gegenseitig.“
Auf der Strecke haben die Zülpicher zahlreiche Aufgaben zu erfüllen
Und dann sind da noch die Aufgaben, die auf der Strecke warten. Mit einem Foto muss der Nachweis erbracht werden, dass sie erfüllt worden sind. Die Aufträge könnten kaum unterschiedlicher sein, manche sind recht einfach. An einem Tag etwa mussten Ulm und Krewel unterwegs den Kontakt zu einem Team in ihrer Nähe herstellen und mit ihm einen Treffpunkt vereinbaren, um für eine bestimmte Zeit den Copilot zu tauschen.
Dann wiederum waren die Teams aufgerufen, auf der Strecke einen Einheimischen zu finden, der auf seinem Grundstück gerade den Rasen mäht: „Einer von uns muss ihn ablösen und ein Stück mähen. Der andere macht das Beweisfoto.“
Wirklich skurril wurde es mit dem Surströmming, einer schwedischen Spezialität. Der fermentierte Hering ist für seinen strengen Geruch bekannt. Die Aufgabe bestand darin, eine Portion über eine Strecke von 100 Kilometern im Wagen mitzunehmen. „Das war zum Glück aber keine Pflichtaufgabe. Deshalb haben wir uns geweigert“, erzählt Andreas Ulm. „Andere haben mitgemacht und es nachher bereut: Den Gestank kriegst du aus dem Auto so schnell nicht mehr raus.“
