Oberberg – Wiehls Bürgermeister Ulrich Stücker fordert eine Neuordnung des Hochwasserschutzes in Nordrhein-Westfalen. In seiner Funktion als Vorsitzender des Aggerverbandsrats spricht sich Stücker dafür aus, dass der Wasserwirtschaftsverband diese Aufgaben für alle Kommunen Oberbergs übernimmt: „Hochwasserschutz kann nicht an den Stadtgrenzen halt machen.“ Eine entsprechende Gesetzesänderung sei sinnvoll.
Im Rahmen der Verbandsversammlung hatte zuvor auch der stellvertretende Verbandsvorstand Thorsten Falk neue Regeln für die Zuständigkeit gefordert. Derzeit könne der Aggerverband nur bei konkreten Hochwasserschutz-Projekten tätig werden, für die seine Mitgliedskommunen den Verband heranziehen.
Fünf Jahre noch Arbeit an Hochwasserschäden
Welche Verheerungen eine ungebremste Flut anrichtet, wissen die Techniker und finanzplaner des Aggerverbands selbst am besten. Im Rahmen seiner Zuständigkeit habe der Aggerverband bei der Beseitigung der Hochwasserschäden vom Juli 2021 viel zu tun, legte Falk dar. 3,6 Millionen Euro sind im Wiederaufbauplan für die Gewässer selbst vorgesehen, fünf Jahre lang wird man damit noch zu tun haben. Die Reparaturen von Schäden an Klärwerken, Regenüberlaufbecken und ähnlichen Anlagen schlagen mit weiteren 1,5 Millionen Euro zu Buche, sind aber schon fast abgeschlossen. Eigenleistungen der Soforthilfe seien nicht eingerechnet, merkte Falk an.
Mit Blick auf kommenden Unwetter gehe es nun darum, besondere Gefahrenpunkte an Fließgewässern zu identifizieren, sagte Falk. Dabei helfe das Meldesystem, mit dem Bürger auf solche Stellen hinweisen können. Zum vorbeugenden Hochwasserschutz gehöre es, mit Regenabflussmodellen festzustellen, ob es im Verbandsgebiet noch ungenutzte Rückhalteräume gibt, die der Aggerverband erwerben kann.
Wasserstand steigt bei engen Flusstälern sprunghaft an
Anders als am Rhein steige der Wasserstand in den engen Flusstälern des oberbergischen Landes bei Starkregen oft innerhalb eines Tages sprunghaft an. Falk kündigte an, die Zahl der Pegelmessstellen zu erhöhen. „Das Land will bessere Hochwasserprognosen auch für kleinere Gewässer, und dafür brauchen wir Daten.“ Ziel sei es, nach der meteorologischen Ankündigung von Starkregen genauere hydrologische Voraussagen treffen zu können. Die Mittel habe der Verbandsrat bereitgestellt.
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Laut Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung habe die Sicherung der Trinkwasserqualität und dessen Menge Vorrang beim Betrieb der Talsperren, sagte Falk. Um auf Dürren oder Starkregen reagieren zu können, müsse der Aggerverband aber bei den Füllständen flexibel sein. Dass die Genkeltalsperre bei der Flut im Juli 2021 überlief, sei „ein normaler Betriebszustand“, zumal die nachgelagerte Aggertalsperre das Wasser aufnehmen und den Pegel im Unterlauf deutlich reduzieren konnte.



