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KfW-FörderstoppWie ein junges Paar aus Morsbach um seinen Hausbau bangt

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Besorgte Blicke tauschen Jenny Müller-Schulz und Daniel Schulz aus: Lassen sich ihre Pläne noch realisieren?

Morsbach – Sie hatten es sich so schön vorgestellt: Das Grundstück in der Nacharschaft von Daniel Schulz’ Elternhaus ist gekauft, der Bauantrag läuft, im Juni soll das Baby zur Welt kommen. „Dann wollten wir eigentlich mit dem Bau begonnen haben“, seufzt Jenny Müller-Schulz. „Aber im Moment liegen alle Pläne auf Eis und wir wissen nicht, wie es weiter geht.“

Schock für junges Ehepaar

Die Nachricht vom Stopp der Fördermittel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in der vergangenen Woche war für das junge Paar ein Schock. Den Zuschuss von 26 250 Euro hatten sie bei der Finanzierung fest eingeplant, der entsprechende Antrag ist gestellt, aber noch nicht bewilligt. Jetzt ist der Fördertopf leer, zu viele Anträge waren kurz vor Ablauft der Frist zum 31. Januar eingegangen. Am Freitag hatte das Ehepaar Schulz einen Termin bei seiner Bank, um herauszufinden, „ob wir das trotzdem stemmen können“, sagt der 29-Jährige, der in einem Baustoffhandel arbeitet. „Wenn wir die Fördermittel nicht bekommen, wird die Rate, die wir für den höheren Kredit abbezahlen rund 150 Euro im Monat höher.“

Reaktionen

Die Nachricht vom Förderstopp der KfW für energieeffiziente Gebäude habe bei den Kunden der Volksbank Oberberg eine große Verunsicherung ausgelöst, sagt der Vorstandsvorsitzend Ingo Stockhausen: „Wir hatten in der vergangenen Woche schon etliche Gespräche mit privaten und gewerblichen Kunden, um individuelle Lösungen zu finden.“ Viele weitere Beratungstermine seien für die kommende Woche geplant. „Niemand hatte ja eine Chance, sich darauf einzustellen.“ Über den Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken habe man daher die Politik gebeten, diese Entscheidung zu revidieren. Der Gummersbacher Sparkassendirektor Frank Grebe glaubt, dass es Folgeprogramme geben wird. „Schließlich hat sich die Politik doch neuen Wohnraum auf die Fahnen geschrieben.“

Allein 150 Wohnungen und Häuser will der Gummersbacher Bauunternehmer Michael Korthaus in Gummersbach und im Aggertal bauen. „Die Energieberater haben praktisch Tag und Nacht gearbeitet, um die Förderanträge fristgerecht bis zum 31. Januar einzureichen. 40 davon sind in der Bearbeitung, 150 sind per Post unterwegs, 40 haben wir erst gar nicht mehr auf den Weg gebracht, weil uns das nach dem Förderstopp sinnlos erschien.“ Insgesamt, so rechnet er vor, fehlten jetzt insgesamt über vier Millionen Euro. Für die Kunden bedeute das, die Wohnungen werden teurer, die Häuser werden energetisch weniger gut ausgestattet, man verzichte etwa auf die Solar- oder Photovoltaikanlage. Damit steige der Energiebedarf. „Viele werden sich fragen, ob sie es sich überhaupt noch leisten können. Ob es eine Härtefallregelung gibt mit zinsgünstigen Darlehen und ob es überhaupt nochmal Zuschüsse gibt, weiß im Moment keiner“, sagt Korthaus. Und falls es sie gibt – zu welchen Bedingungen? Sollten sie an höheren Energiestandard EH 55 geknüpft sein, könne kann man nicht mehr umplanen und zum Beispiel eine dickere Dämmung nehmen, denn „alle Projekte sind in der Genehmigungsphase“.

Marcus Otto, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land bedauert in einer Mitteilung die Zerstörung des Vertrauens von Häuslebauern, Altbausanierern und Betrieben. „Wir erhalten täglich unzählige Anrufe unserer Mitgliedsbetriebe, die von verunsicherten Kunden Stornierungen erhalten. Ein wahrlich schwarzer Montag für alle Betroffenen!“, wird Marcus Otto zitiert. (ms)

Damit hätten sie nicht gerechnet, sagt seine Frau Jenny. Die 28-Jährige ist Krankenpflegerin in Waldbröl. Wenn das Baby da ist, will sie ein Jahr lang zu Hause bleiben. Dann muss das Elterngeld reichen, und eigentlich soll das Baby später wenigstens noch ein Geschwisterchen bekommen.

Zur Zeit lebt das junge Paar beengt in zwei winzigen Zimmern unterm Dach der Schwiegereltern – das hilft zwar, etwas Geld zu sparen, war aber eigentlich als Übergangslösung bis zum Einzug ins neue Haus geplant. Auf Dauer reicht der Platz nicht für eine ganze Familie. Deshalb sollte im nächsten Jahr alles fertig sein, mit Kinderzimmern und großen Fenstern, um die Sonne hereinzulassen. Ob daraus etwas wird? Die Schulz’ machen sich Sorgen.

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Sollte es doch noch Geld geben, wäre selbst eine verzögerte Auszahlung problematisch, sagt Daniel Schulz: „Ich sehe ja selbst, wie rasant die Baustoffpreise in die Höhe schießen, und wenn wir statt 1,8 demnächst 2,3 Prozent Zinsen zahlen müssten, dann weiß ich nicht, ob wir uns das das noch leisten können. Ist das denn überhaupt zulässig, uns von einem Tag zum andern ohne Vorwarnung vor vollendete Tatsachen zu stellen?“

Mit dieser Frage hat sich Daniel Schulz auch an den oberbergischen CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Carsten Brodesser gewandt. „Jetzt steht für uns alles auf der Kippe“, sagt er. „Wir hoffen sehr, dass es doch noch eine Lösung gibt.“