Neustädter Originale sorgen für beste Unterhaltung.
TraditionHeimatabend in Bergneustadt ließ alte Zeiten wieder wach werden

Historischer Abend Heimatmuseum. Die Akteure Michael Hesse (v.l.), Michael Kresin, Friedhelm Julius Beucher, Horst Kowalski, Gerda Rippel, Dieter Rath, Manfred Rippel, Heinz Kowalski und Hermann Schüfeld.
Copyright: Michael Kupper
„Beim ersten Mal haben wir es ausprobiert, beim zweiten Mal ist es schon Tradition und beim dritten Mal Brauchtum!“, sagte Michael Kresin vom Heimatverein „Feste Neustadt“ am Freitagabend auf dem zweiten Heimatabend im Heimatmuseum in seiner Begrüßung. Die Premiere hatte im April in einem neuen Format stattgefunden – mit geschichtlichem Hintergrund, „Schnückelcher“ (lustige Anekdoten) und einer gehörigen Portion Nystädter Mundart. Die Tradition der Heimatabende reiche allerdings mehr als 90 Jahre zurück. Damals hatten sie aber eher den Charakter von Tanzveranstaltungen und Musikvorträgen .
ls Conférencier führte Heinz Kowalski durch den Abend in dem voll besetzten Trauzimmer. Gleich zu Beginn bekundete er, dass es im nächsten Jahr auch eine dritte und vierte Auflage des Heimatabends geben werde. Als ersten Redner kündigte er Hermann Schürfeld an. Dessen Vater August hatte in einem Interview über den Bau des Stromnetzes im Jahr 1904 berichtet, bei dem er geholfen hatte. Launig wurde die beginnende Elektrifizierung beschrieben, nachdem die Haushalte zuvor mit Stadtgas für die Beleuchtung versorgt worden waren. Die Stromabrechnung sei recht einfach gewesen: „Eine 10-Watt-Birne kostete damals 52 Pfennig im Monat, eine 25-Watt-Birne 1,66 Mark – egal, wie lange sie brannten.“Gerda Rippel, das frühere „Minchen“ bei den traditionellen Brunnengesprächen am Stadtgeburtstag, begeisterte die Gäste amüsant mit der mundartlich vorgetragenen Geschichte „Dä Willem vum Berg“, in dem ein undichter Nachttopf eine zentrale Rolle spielte. Im „Morgenlied der Mutter“ beschrieb sie deren vergebliche Liebesmüh, ihrem Sohn ein paar Verhaltensregeln nahezubringen: „So ging die Litanei am nächsten Morgen von vorne los.“
Bloß nicht vor das Femegericht
Mit einem Schmunzeln schilderte der gebürtige Lieberhauser Dieter Rath seine ersten Kontakte mit den Neustädtern. Dorthin nämlich war er wegen seines Liebchens – mit dem er jüngst Goldhochzeit feierte – auf das Schützenfest gegangen. An der Theke sei er auf Friedhelm Julius Beucher mit einem Dutzend Freunde getroffen, der ihm vorhielt: „Du wilderst in fremden Revieren, pass auf, dass Du nicht vor das Femegericht kommst – Du kannst dich aber auch freikaufen.“ Das tat er mit einer Runde und war fortan in die Bergneustädter Jugend integriert.
Ausführlich beschrieb Rath das schwierige Verhältnis von Lieberhausen zu Wiedenest und Bergneustadt in den vergangenen Jahrhunderten, wo es unter wechselnder Herrschaft ständig Rangeleien um die Vorherrschaft unter den Orten gab – bis hin zur Sprengung einer Brücke über die Dörspe, um einen Rathausumzug zu verhindern. Schnückelchen gab es von Friedhelm Julius Beucher über seinen sturen Großvater „Häken Wilhelm“, der sich als Fuhrmann neben Steinen und Kohle auch in Sachen Leichentransporte engagierte. Michael Hesse berichtete in seinem „Nystädter Vertällchen“ von der königlich-p
eußischen Postordnung und Schlittenrennen quer über die Wilhelmstraße in den früher schneereichen Wintern. Nachdem Horst Kowalski das Gedicht „Eck soch vam Beul int Dörschpedal“ von Wilhelm von der Linde auswendig vorgetragen hatte, las Manfred Rippel aus seinem Aufsatz „Meine Heimatstadt“, den er vor 65 Jahren für die Berufsschule verfasst hatte. Den krönenden Abschluss machte Michael Kresin mit einer Bildergalerie über das historische Bergneustadt und einem Film über den 725. Stadtgeburtstag im vergangenen Mai. Michael Kupper
