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BestimmungsaktionZahl der Gartenvögel geht in Oberberg zurück

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Ein Rotkehlchen mit aufgerissenem Schnabel.

Alarmruf: Auch das eigentlich weit verbreitete Rotkehlchen ist auf dem Rückzug.

Die  Bilanz der „Stunde der Gartenvögel“ zeigt aber: In Oberberg ist die Situation noch besser als anderenorts in Deutschland.

Zunächst eine erfreuliche Nachricht: Der Star sitzt in Oberberg wieder auf einem aufsteigenden Ast. Mit 238 gezählten Exemplaren ist der beobachtete Bestand seit dem Vorjahr um elf Prozent gewachsen. Eigentlich „ein Allerweltsvogel“, wie der Bergneustädter Ornithologe Heinz Kowalski es ausdrückt, war der Star in der Region zuletzt immer seltener beobachtet geworden.

Jedes Jahr am zweiten Maiwochenende ruft der Naturschutzbund (Nabu) zur bundesweit größten Vogel-Zählaktion auf. In Oberberg haben sich diesmal 200 Vogelfreunde an der „Stunde der Gartenvögel“ beteiligt und eine Stunde lang   in ihrem heimischen Garten die jeweilige Höchstzahl einer Art notiert. In 148 Gärten wurden insgesamt 4898 Vögel gezählt.

Türkentaube breitet sich aus in Oberberg

Zuwächse sind auch beim Gimpel (+14 Prozent), Kleiber (+39) und bei der Türkentaube (+73) zu vermerken. Letztere ist übrigens erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts im Oberbergischen ansässig. Rückgänge gab es bei nahezu bei allen anderen verbreiteten Arten, darunter das gute alte Rotkehlchen (-9 Prozent).

Im Ranking der im Oberbergischen Kreis meistbeobachteten Vogelarten hat sich auf den ersten zehn Plätzen wenig geändert: Unangefochten steht der Haussperling an der Spitze mit 623 Exemplaren. Dahinter hat sich die Kohlmeise vom dritten auf den zweiten Platz verbessert, die Amsel ist einen Platz abgesunken. Es folgen Blaumeise, Elster, Star, Ringeltaube, Rotkehlchen,   Gimpel und Buchfink.

Wir verlieren jedes Jahr eine Million Vögel. Das ist ein schleichender Prozess, macht sich irgendwann aber auch in den Gärten bemerkbar.
Heinz Kowalski, Nabu-Experte

Aus den Top Ten geflogen ist der Mauersegler, nun auf Rang 18, gleich vor der Mehlschwalbe. Da könnte aber auch nur daran liegen, dass das erste Maiwochenende diesmal ungemütlich kalt war. „Die Mauersegler und Schwalben sind dann lieber am Rhein“, sagt Heinz Kowalski. „Wenn es am kommenden Wochenende wieder warm ist, wird der Himmel voll von ihnen sein.“

Der Bergneustädter ist Sprecher des Bundesfachausschusses für Vogelkunde und Vogelschutz des Naturschutzbundes (Nabu). Sorge macht dem Ornithologen, dass die Vergleichszahl der beobachteten Vögel pro Garten kontinuierlich sinkt. „Wir verlieren jedes Jahr eine Million Vögel“, hat Kowalski ausgerechnet. „Das ist ein schleichender Prozess, macht sich irgendwann aber auch in den Gärten bemerkbar, und selbst bei einem so verbreiteten Vogel wie dem Haussperling.“

Oberberg steht noch gut da

Der Nabu-Bundesverband stellt anlässlich der aktuellen „Stunde der Gartenvögel“ fest, dass die Spatzen stellvertretend für ein größeres Problem stehen: „Wurden 2018 noch 33,79 Vögel pro Garten gemeldet, waren es im letzten Jahr nur 28,45.“ Die Gründe sind bekannt: Pestizide und Insektizide sorgen dafür, dass es immer weniger Insekten gibt, den Vögeln fehlt die Nahrung. Dazu kommen fehlende Nistplätze.

Das Oberbergische Land, sagt Heinz Kowalski, stehe noch vergleichsweise gut da, weil es hier wenig intensive Landwirtschaft gibt. Die Vögel profitieren von dem Grünland, wo sie auf Weidezäunen landen und nach Futter Ausschau halten können, erläutert der Nabu-Experte. Stare und Krähen finden unter trockenen Kuhfladen Würmer und Käfer. Zudem tragen die Waldflächen   zu einer abwechslungsreichen „Mosaiklandschaft“ bei, wie sie der Vogelwelt gefällt.

Ärgerlich findet Kowalski, dass auch in oberbergischen Gärten zunehmend Beete mit Schotterflächen verödet und Hecken durch Kunststoffzäune ersetzt werden. Letztere bieten weder Deckung noch Nistmöglichkeit. Es gebe immer noch Gartenbaubetriebe, die solche Missgestaltung ihren Kunden als pflegeleicht empfehlen. Die Eiche müsse dann weichen, weil sie zu viel Laub abwirft.

Wer aber bei der Bepflanzung und Unterhaltung seines Gartens ein paar Regeln beachte, könne einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität am Himmel leisten, sagt der Ornithologe: „Je mehr Vielfalt im Garten, desto besser für die Vögel.“