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Abschied?Die Scions – ein lebendes Relikt oberbergischer Rockgeschichte

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Von Loope nach Lodi (mit Hilfe von KI): John Fogerty hat der kalifornischen Stadt ein Lied gewidmet. Hugo Stiefelhagen (Zweiter von links) und seine Band Scions spielen bei der Engelskirchener „Parkzeit“ diesmal ausschließlich Stücke des großen Songwriters.

Von Loope nach Lodi (mit Hilfe von KI): John Fogerty hat der kalifornischen Stadt ein Lied gewidmet. Hugo Stiefelhagen (Zweiter von links) und seine Band Scions spielen bei der Engelskirchener „Parkzeit“ diesmal ausschließlich Stücke des großen Songwriters.

Nach vierjähriger Pause spielt das Quintett aus Engelskirchen-Loope wieder „open air“ bei der „Parkzeit“. Es könnte das letzte Konzert der Band sein.

Nach vierjähriger Pause freuen sich The Scions, wieder bei der „Parkzeit“ hinter dem Rathaus aufzutreten. Dieses Mal will die Looper Rockband sich einen Wunsch erfüllen, in dem sie nur Songs von Creedence Clearwater Revival beziehungsweise dem CCR-Sänger John Fogerty spielt – also Hits wie „Proud Mary“, „Bad Moon Rising“ und „Have you ever seen the Rain“. Die US-Band wurde ebenfalls in den 1960er gegründet. Der Unterschied: Die Scions gibt es noch immer.

Hugo Stiefelhagen, Keyboarder und Gründungsmitglied, sagt über die Scions und CCR: „Besonders die Stimme unseres Frontmannes Winfried ‚Jimmy Miebach‘ war für diese Songs prädestiniert. Jimmy kann aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen, aber er wird durch seinen Sohn Sven vertreten.“ Auch das Urgestein Ulli Schmidt am Bass wird auf der Bühne stehen. Mit dem Konzert wird nachträglich das 60-jährige Bestehen der Band gefeiert.

Legendäre Konzerte gab es im Engelskirchener Haus Reckenstein, hier mit Jürgen „Manni“ Bockheim am Gesangsmikrofon. Die roten Westen waren selbstgenäht.

Legendäre Konzerte gab es im Engelskirchener Haus Reckenstein, hier mit Jürgen „Manni“ Bockheim am Gesangsmikrofon. Die roten Westen waren selbstgenäht.

Hugo Stiefelhagen bedauert: „Leider können aber unsere beiden Gitarristen Robert Longerich und Uwe Schmidt sowie Schlagzeuger Christoph Mönninghoff nicht mehr an dem Projekt teilnehmen.“ Als Ersatz wurden Tomas Sjöblom (Gitarre) und Daniel de Beer (Schlagzeug) verpflichtet.

Die Scions sind ein lebendes Relikt der oberbergischen Rockgeschichte. Hugo Stiefelhagen hat den Werdegang der Band in einer ausführlichen Chronik festgehalten. Von 1964 berichtet er: „Unsere Anfangsbesetzung war wie folgt: Jimmy alias Winfried Miebach spielte auf dem Schlagzeug meines Vaters und sang dazu, Ulrich spielte elektrische Gitarre, auch Jürgen Bockheim (Manni), der aber auch einige Stücke sang. Klaus Schröder versuchte sich mit dem Bass der Katholischen Jugend, und ich kaufte eine Harmonika.“

Der Gitarrenkofferverstärker der Band aus Engelskirchen-Loope kam aus dem Warenhaus Quelle

Die Verstärkeranlage bestand aus alten Radios und einem Gitarrenkofferverstärker von Quelle. Klaus Schröder verließ bald die Band, Hugo Stiefelhagen sprang als Bassist ein. Im katholischen Jugendheim fanden fortan Beatabende statt – mit Stücken aus der aktuellen Hitparade. Den Namen „Scions“ hatten sich die jungen Musiker in dieser Zeit schon zugelegt. „Da es zu diesem Zeitpunkt schon so hochtrabende Bandnamen wie Kings, Lords, Earls und Dukes gab, wollten wir als Anfänger bescheidener auftreten und fanden den Namen Scions – also Sprösslinge – passend“, sagt Hugo Stiefelhagen und lacht.

Von 1965 an traten die Scions regelmäßig im Engelskirchener Haus Reckenstein auf, bisweilen vor 400 Gästen. Es gab bei den Konzerten Wettessen und Quizfragen. Als Sänger kam Wolfgang Thull dazu. Mannis Ford Taunus wurde zum Bandfahrzeug, jetzt gab es auch Auftritte in Overath. Ende der 1960er Jahre hörten Manni und Wolfgang Thull auf, Gitarrist Jochen Frankowski kam dazu. Es sollte nicht die letzte Veränderung in der Besetzung sein.

Die Scions spielten in ganz Oberberg und machten sich alsbald einen Namen

Die Band spielte regelmäßig in der Umgebung und drehte sogar einen Film mit der Super-8-Kamera von Kumpel Herbert Eischeid – ohne Ton indes. Die Jungs aus der Engelskirchener Ortschaft Loope standen in den 1970er Jahren als Vorband der Bläck Fööss in Wipperfürth auf der Bühne, die sogar die Anlage der Scions nutzten. Und in der legendären Disko „Whisky Bill“ in Forsbach lernten sie Wolfgang Petry kennen, berichtet Stiefelhagen: „Er war vor dem Auftritt tierisch nervös!“

Eine feste Größe war die Band zudem beim Rockabend des Looper Schützenfestes: Dort mischten sich auch Eigenkompositionen unter die Coversongs. In den 1980er Jahren wurde Angela Lammerich Frontfrau, sie blieb bis 1997. In die Zeit der 80er gehören auch legendäre Vatertagstouren mit allen Familien und der Auftritt als Vorgruppe der Höhner beim Jubiläum des ASC Loope. „Wir erfüllten alle Zugabenwünsche so lange, dass die Höhner deutlich später starten konnten und leicht angesäuert waren.“

Auch an legendären Orten im Oberbergischen Kreis waren die Scions regelmäßig zu Gast

Weitere Meilensteine: 1989 wurde das Jubiläum „25 Jahre Scions“ groß gefeiert. 1998 produzierte die Kreissparkasse mit den Scions und den anderen oberbergischen Beatveteranen Slyboots und Driem Beus die CD „Rocking over Oberberg“, ein Konzert folgte. 2000 traf die Band wieder auf die Bläck Fööss, bei einem Benefizkonzert zum Erhalt des Schwimmbades Ründeroth.

Danach wurde es erst mal etwas stiller um die Musiker. 2011 ging es aber weiter, zwei Jahre später gab es einen Auftritt im Looper Hotel Rödder, 200 Gäste kamen, der dortige „Nikolaus-Rock“ etablierte sich schnell. 2017 spielten die Scions im Innenhof von Haus Ley beim „Landliebe“-Festival.

Die Corona-Pandemie brachte eine weitere längere Pause mit sich, aber noch waren die Scions nicht am Ende. Jetzt aber könnte es das letzte Konzert sein. Wer die Scions noch einmal leben will, sollte sich die „Parkzeit“ vormerken.


Open-Air-Konzert in Engelskirchen

Die 16. „Parkzeit“ findet statt am Samstag, 29. August 2026, auf dem Festplatz hinter dem Engelskirchener Rathaus. Der Verein KulturLeben lädt mit der Volksbank ein. Besucherinnen und Besucher erwartet ein abwechslungsreiches Open-Air-Programm. Neben den Scions spielen das Duo Soay und die Band Plain. Los geht es um 16 Uhr.

Der Eintritt ist frei. Die Selbstversorgung mit Essen und Getränken ist ausdrücklich erwünscht. Auch die eigene Sitzgelegenheit darf mitgebracht werden. Man kann aber auch gegen eine Gebühr von 18 Euro eine Biertischgarnitur reservieren lassen: (02263) 83-195,  petra.klee@engelskirchen.de. (tie)