Was tun bei Hitzschlag oder Kreislaufproblemen? Zwei Expertinnen aus Gummersbach erklären, wie man richtig hilft.
Hitze kann belastenErste-Hilfe-Expertinnen aus Gummersbach geben Tipps für heiße Tage

Lidija Bejia-Macht (l.) und Ceylan Ince demonstrieren die Herzdruckmassage an einer Puppe.
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Die Sommerhitze ist zurück – und damit eine große Anstrengung für den Körper. Wer viel trinkt, sich im Schatten aufhält und seinen Körper regelmäßig durch ein kaltes Fußbad oder ein kühles, angefeuchtetes Handtuch entlastet, kommt meist gut durch Tage mit 30 Grad und mehr. Aber was tun, wenn man unterwegs bemerkt, dass es jemandem gerade durch zu viel Wärme nicht gut geht?
Lidija Bejia-Macht und Ceylan Ince haben für solch eine Situation Tipps parat. Die beiden Frauen haben 2024 mit Heartbeat Oberberg eine Firma gegründet und geben Erste-Hilfe-Kurse (siehe Kasten). Ceylan Ince ist Fachkrankenschwester in der Notaufnahme des Kreiskrankenhauses Gummersbach. Ihr macht der aktuelle Sommer nicht nur Stress, sondern auch Sorgen.
Expertinnen empfehlen: Hinsehen und Hinhören
„Ich habe noch nie so viele Menschen mit Hitzschlag gesehen, wie in den vergangenen Wochen“, sagt Ince. Vor allem Jugendliche seien oft zu sorglos. „Die Verbindung von Sonnenbad, Schwimmen an einer Talsperre oder im Freibad plus Alkoholkonsum belastet den Körper sehr.“ Statt Alkohol zu trinken, so betont auch Lidija Bejia-Macht, Sportwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Gesundheit, sei es deutlich besser, sich mit Elektrolyten zu versorgen, zum Beispiel über Sportdrinks.
Und wenn es doch mal schiefgeht, weil die Wärme vor allem Kinder, Ältere und chronisch Kranke sehr fordert? Ceylan Ince sagt: „Bemerke ich, dass es einer Person nicht gut geht, sie vielleicht Probleme mit dem Kreislauf hat, sollte ich sie schnell in den Schatten bringen und ihr etwas zu trinken geben.“ Ist die Person benommen, empfiehlt es sich, zunächst keine Flüssigkeit zu geben, um ein Verschlucken zu vermeiden. Kaltes Wasser für Kopf und Leistengegend können dann eher helfen.
Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn man in der Aufregung nicht alles perfekt macht. Hauptsache, man hilft erst einmal.
Wenn jemand das Bewusstsein verloren hat, sollte man als Helfer unter der 112 sofort die Leitstelle anrufen oder jemanden in der Nähe bitten, den Rettungsdienst in Gang zu setzen. Der Rettungsdienst kommt in der Regel innerhalb von rund zwölf Minuten, die Mitarbeitenden der Leitstelle helfen solange übers Telefon weiter und erklären genau, was zu tun ist. „Dann sollte man das Handy auf Lautsprecher stellen und stur den Anweisungen folgen.“ Lidija Bejia-Macht versichert: „Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn man in der Aufregung nicht alles perfekt macht. Hauptsache, man hilft erst einmal.“
Wer bewusstlos ist, aber atmet, kann in die stabile Seitenlage gebracht werden. Wer nicht mehr atmet, sollte mit Herzdruckmassage versorgt und im Idealfall beatmet werden. Auch hier gilt: Nicht einschüchtern lassen, die Leitstelle unterstützt. Dort kann man auch erfragen, ob man in der Nähe eines Defibrillators ist. „Das Gerät findet sich in vielen öffentlichen Räumen. Und auch hier ist es wichtig, nicht groß zu zögern“, betont Ceylan Ince.
Damit es gar nicht erst zu einem Notfall kommt, helfen Hinsehen und Hinhören. Ceylan Ince sagt: „Wenn ich ältere Menschen in meinem Umfeld habe, sollte ich sie regelmäßig anrufen, um zu hören, ob alles okay ist und sie daran zu erinnern, genug zu trinken. Habe ich eine kühlere Wohnung, kann ich sie fragen, ob sie ein paar Tage zu mir kommen möchten.“ Wer raus muss, sollte Sonnencreme nutzen und eine Kopfbedeckung tragen. Die Fachfrauen raten, Anstrengungen im Freien zu unterlassen oder die Gartenarbeit frühmorgens anzugehen.
Falls aber doch eine unaufschiebbare Arbeit ansteht, sind Trinkpausen alle 20 Minuten wichtig. Erholung schenkt auch ein kaltes Fußbad, während die Getränke besser nicht eisgekühlt sein sollten.
Heartbeat Oberberg
So geht es vielen: Eigentlich müsste man das Wissen aus dem Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein mal auffrischen, aber irgendwie kommt man nicht dazu. Lidija Bejia-Macht und Ince Ceylan setzen diesen Ausweichmanövern ihre Kurse in Gummersbach, Wiehl, Bergneustadt, Engelskirchen und Derschlag entgegen. Sie engagieren sich dort nicht nur in Fahrschulen, sondern bieten auch privat Kurse an. Freundeskreise oder Familien können sich treffen, um sich von den beiden Frauen, quasi im eigenen Wohnzimmer, demonstrieren zu lassen, wie man gut und effektiv hilft und alle Fragen loswerden.
In Kindergärten bieten die beiden kindgerechte Erst-Hilfe-Kurse an und auch werdende Mütter werden im Hinblick auf Erste Hilfe am Kind unterstützt. Lidija Bejia-Mach betont: „Wir möchten, dass wirklich jeder die Möglichkeit bekommt, sicher und gut in einem Notfall zu reagieren.“ https://heartbeat-oberberg.de/
