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Frührentner-BandHerbert Knebel in der Hitzehölle von Gummersbach

3 min

Herbert Knebel (3.v.r.) und seine Band ließen sich von den hohen Temperaturen die gute Laune nicht nehmen. 

Comedian unterhält mit seiner Band in der Halle 32 das Publikum und brilliert als Tina Turner.

„Herzlich willkommen beim gemeinsamen Sterben.“ Mit diesem stimmungsvollen Satz begrüßt Herbert Knebel am Samstagabend sein Publikum in der ausverkauften Halle 32. Seit fast vier Jahrzehnten ist Knebel mit Deutschlands berühmtester Frührentner-Band, dem Affentheater, auf Tour und unterhält seine Gäste im Oldie-Outfit mit Hornbrille, Hosenträgern und Kappe. Die Themen kreisen auch an diesem Abend um die Zumutungen des Alters. So stellt Knebel fest, dass er mit der Zeit immer mehr weniger gut kann: weniger gut hören, weniger gut sehen. Als Gitarrist Ozzy anmerkt, dass er das Gefühl hat, auch weniger gut zu riechen, bestätigen das seine Band-Kollegen eifrig. Knebels Bühnenbild erinnert mit Stehlampe, orangenem Sessel und kleinem Beistelltisch an die 1970er Jahre.

Den Rest des Podiums füllt die sechsköpfige Band, allen voran Knebel alias Uwe Lyko, Bassist Ernst Pichel alias Volker Kamp und Gitarrist Ozzy Ostermann alias Georg Göbel-Jakobi. Komplettiert wird das Ensemble vom neuen Schlagzeuger „Bum-Bumm Roy an der Schießbude“ und „Tomek und Ludek an den Blasrohren“. Die Vollblut-Musiker zeigen gekonnt, dass viele Welthits eine Ruhrpott-Kernbotschaft beinhalten. So wird aus REMs „Imitation of Life“ eine Hommage an die Currywurst: „Du Fleisch im Darm, du hast viel Charme, dat isset, wat mer hier gut kann.“ Oder aus Simon and Garfunkels „Bridge over Troubled Water“ eine Lobeshymne an die Ehefrauen, die dafür sorgen, dass Knebel und Co. in den Wogen des wilden Lebens nicht untergehen.

Kleine Geschichten aus dem Rentnerleben

Dazwischen bringt der Comedian kleine Geschichten aus dem Rentnerleben. Wenn zum Beispiel beim Spieleabend unerwartet Strip-Poker gespielt wird, ohne dass Knebel sich gebührend vorbereitet hat. Schließlich wollte er nicht zum Arzt und hat darum weder Unterhose noch Socken gewechselt. Das Publikum schüttelt sich vor Lachen, als Knebel von Nahtoderlebnissen berichtet, ausgelöst von welkenden Arschgeweih-Tattoos über Intimfrisuren, die an ein Flusensieb erinnern bis hin zu Dufterlebnissen, bei denen die Mitspieler mit Augenbrennen und Kopfschmerzen fluchtartig den Raum verlassen: Knebel brilliert in Joe-Cocker-Manier mit geöffnetem Hemd und rudernden Armen zu „Aber lass die Schuh an“.

In der Halle ist es ordentlich warm, Knebel greift ein ums andere mal zur Wasserflasche für eine „Hüdräischen-Bräik“. Professionell trotzt er der Hitze und kommt zur Zugabe als fesche Tina Turner im goldenen Top und Mini-Rock auf die Bühne. Er fühle sich durchaus wohl in dem Outfit, aber es sei nicht atmungsaktiv, gibt er zu. Alsdann wird aus dem Hit „Simply the Best“ ein fetziges „Ich stink wie die Pest“. „Danke, dass ihr den Abend in der Hitzehölle von Gummersbach mit uns durchlitten habt“, verabschiedet sich das Ensemble schließlich in die Sommernacht. Hat Spaß gemacht. Claudia Kippels