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Widerspruch oder Ergänzung?Paul Kalbhen hat sein Buch „Glaube und Naturwissenschaft“ überarbeitet

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Der Gummersbacher Autor mit seinem neu veröffentlichten Buch.

Der Gummersbacher Autor mit seinem neu veröffentlichten Buch. 

Es sind existenzielle Fragen, die den kritischen Katholiken Paul Kalbhen aus Gummersbach von Jugend an intensiv beschäftigen.

Wie passen Aussagen der modernen Naturwissenschaft, etwa von Biophysik und Relativitätstheorie, zusammen mit der christlichen Offenbarung und dem Glauben an einen dreieinigen Gott? Widerspricht die Vorstellung vom Urknall, den Lehren der Astrophysik, Quantenphysik und Evolution der biblischen Schöpfungsgeschichte? Oder sollten das doch keine unauflösbaren Gegensätze sein?

Es sind solche existenziellen Fragen, die Paul Kalbhen bereits von Jugend an intensiv beschäftigen. Der heute 88-jährige Gummersbacher war ein Berufsleben lang Elektroingenieur und Hochschullehrer, ein Naturwissenschaftler durch und durch. Gleichzeitig bezeichnet er sich selbst als kritischen Katholiken. Im Ruhestand hat er sich ausführlich mit dem Spannungsfeld beschäftigt, und wegen der rasanten Entwicklung neuer Erkenntnisse in den Naturwissenschaften hat er jetzt sein Buch „Glaube und Naturwissenschaft: Widerspruch oder Ergänzung“ komplett überarbeitet, ergänzt und neu herausgegeben.

Ich stelle immer wieder fest, dass diese Vorstellungen auch heute noch immer wieder durchsickern: Ist alles auf der Welt vorherbestimmt? Auch Kriege und Leid? Will Gott das so?
Paul Kalbhen, Buchautor aus Gummersbach

„Ich wage es, die konservative Theologie mit ihren Aussagen zur Prädestination zu durchbrechen und als Fehlinterpretation zu bezeichnen“, sagt er und ergänzt: „Ich stelle immer wieder fest, dass diese Vorstellungen auch heute noch immer wieder durchsickern:   Ist alles auf der Welt vorherbestimmt? Auch Kriege und Leid? Will Gott das so? Veranlasst er es gar? Hätte ich da keinen Ausweg gefunden, würde ich angesichts des unermesslichen Leids und des wuchernden Bösen in der Welt heute nicht mehr glauben.“

In zehn Thesen setzt sich der Autor mit seinem Thema auseinander, zieht die großen Physiker wie Max Planck und Einstein zu Rate, auch die Kirchenlehrer von Augustinus bis Luther. Eine Kernaussage: Gott gestehe dem Menschen grundsätzlich Freiheit zu, Zufall sei ein wesentliches Element in Gottes Schöpfungskonzept – aber eben auch untermauert durch die statistische – wahrscheinlichkeitsbedingte – Naturgesetzlichkeit der Quantenphysik. Aussagen, für die er besonders von konservativen Christen immer wieder heftige Kritik einstecken müsse, erzählt der Autor.

Neu im Buch ist die Auseinandersetzung mit dem Bösen, die für Kalbhen angesichts der erschreckenden Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche zum Anliegen wurde, besonders durch den Fall des verurteilten ehemaligen Gummersbacher Priesters Ue., zu dessen Gemeinde er selbst gehörte. Seine Interpretation: Gott wolle das Böse nicht, lasse es aber wegen der Freiheit seiner Schöpfung zu. „Es sind meine Gedanken im Licht der Metaphysik, die ich natürlich nicht beweisen kann“, schränkt der Autor ein. „Aber ich hoffe, dass sie einige Leser und Leserinnen zu neuen, vielleicht auch überraschenden Erkenntnissen führen.“

Für die Lesenden mag es keine ganz leichte Kost sein, dafür bietet das Buch auf 144 Seiten eine Fülle von Parallelen zwischen religiösen und naturwissenschaftlichen Aussagen, ungewohnten Interpretationen und Ideen:   Was war vor dem Urknall? Welche Rolle spielen Programmierung und Künstliche Intelligenz im Spannungsfeld zwischen Glaube und Naturwissenschaft? Ist der Heilige Geist und sein Wirken in der Welt die Software Gottes?

Erhältlich ist das überarbeitete Buch „Glaube und Naturwissenschaft: Widerspruch oder Ergänzung“ von Paul Kalbhen als Book on Demand im Buchhandel.