Nach 22 Jahren im Büro wagt Yvonne Lau den Neustart. Heute sorgt sie als Rettungsschwimmerin im Naturfreibad für Sicherheit.
Traumjob am WasserYvonne Lau hat das Büro gegen das Naturfreibad Bruch getauscht

Yvonne Lau hat ihren Bürojob gegen einen Arbeitsplatz am Wasser getauscht
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Bei mehr als 30 Grad liegt Yvonne Lau mit ihrem Arbeitsplatz ziemlich günstig. Vor ihr glitzert das Wasser des Naturfreibads in Gummersbach-Bruch in der Sonne, auf den Wiesen suchen sich die Besucher einen Platz zwischen Sonne und Schatten, Kinder zieht es ins Wasser. Abkühlung wäre für die 41-Jährige also jederzeit in Reichweite. Nur zum Vergnügen ist sie an diesem Tag nicht hier: Seit Anfang Juli arbeitet Lau als Rettungsschwimmerin im Naturfreibad und hat das Wasser und die Badegäste im Blick.

Yvonne Lau sorgt im Naturfreibad Bruch für Sicherheit.
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Dass sie einmal beruflich am Wasser landen würde, ist dabei gar nicht so überraschend. „Früher wollte ich schon immer Bademeister werden“, erzählt Lau. Schon als Kind sei sie eine „Wasserratte“ gewesen und viele Jahre bei der DLRG geschwommen. Beruflich schlug sie zunächst trotzdem eine andere Richtung ein. 22 Jahre lang arbeitete sie als kaufmännische Angestellte in der Stahlbranche – im Büro statt am Beckenrand.
Erst ein Nebenjob im Monte Mare in Reichshof-Eckenhagen brachte sie wieder näher ans Wasser. Dort lag ihr Schwerpunkt zunächst im Saunabereich. Um vertretungsweise auch die Aufsicht im Sportbad übernehmen zu können, machte sie den Rettungsschwimmer. Irgendwann wurde aus dem Nebenjob der Wunsch nach einem beruflichen Neustart. „Es hat mir so Spaß gemacht, dass ich irgendwann einfach an dem Punkt angekommen war und gesagt habe: Wenn, dann jetzt.“ Eine leichte Entscheidung sei das nach so vielen Jahren im alten Beruf nicht gewesen. Bereut habe sie sie aber nicht. „Ich liebe meinen Job und ich möchte das nicht mehr gegen ein Büro eintauschen.“
Immer ein Augen auf dem Wasser
Wer im Naturfreibad Aufsicht führen will, braucht mindestens das Rettungsschwimmabzeichen in Silber. Dafür müssen unter anderem Schwimm- und Tauchprüfungen absolviert, Menschen abgeschleppt und an Land gebracht sowie Befreiungsgriffe beherrscht werden. Auch Erste Hilfe und Theorie gehören dazu. Alle zwei Jahre muss die Qualifikation aufgefrischt werden.
An einem normalen Badetag sind mindestens zwei Aufsichtskräfte im Einsatz. Eine beginnt bereits am Morgen, öffnet das Gelände und bereitet alles für den Tag vor. Rettungsringe werden an ihren Plätzen positioniert, das Zubehör für den Tretbootverleih herausgebracht und die Liegewiesen kontrolliert. Später kommt die zweite Kraft hinzu. Wird es an heißen Tagen voller, kann eine dritte Aufsicht dazukommen.
Es hat mir so Spaß gemacht, dass ich irgendwann einfach an dem Punkt angekommen war und gesagt habe: Wenn, dann jetzt.
Denn so idyllisch der See wirkt, für Lau bleibt er ein natürliches Gewässer. Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich sind durch Markierungen begrenzt. Wer zu weit hinausschwimmt, wird zurückgepfiffen. Rund um die schwimmende Insel erreicht das Wasser nach Angaben der Rettungsschwimmerin bereits eine Tiefe von etwa sechs Metern. Ins Wasser zu springen ist in den flachen Badebereichen allerdings untersagt.
Für einen Ernstfall stehen unter anderem Rettungsleinen, Schwimmbretter und ein Motorboot bereit. Gebraucht hat Lau sie für einen größeren Notfall seit ihrem Start im Naturfreibad glücklicherweise noch nicht. Bislang seien es vor allem kleinere Verletzungen, Schnittwunden oder Wespenstiche gewesen, um die sich das Team kümmern musste.
Verwechslungsgefahr
Dabei hätte Lau gegen ein paar mehr Badegäste nichts einzuwenden. Trotz sommerlicher Temperaturen sei im Naturfreibad durchaus noch Platz. Einen möglichen Grund sieht sie in einer Verwechslung: Nachdem an der Brucher Talsperre in Marienheide Blaualgen festgestellt worden waren, habe auch das Naturfreibad Bruch einen deutlichen Besucherrückgang bemerkt.
„Wir hatten hier noch nie einen Blaualgenfall“, betont Lau. Die Wasserqualität werde während der Badesaison regelmäßig überprüft und sei ausgezeichnet. Dennoch reiche offenbar schon der ähnliche Name, um bei manchen Menschen für Unsicherheit zu sorgen.
Wir hatten hier noch nie einen Blaualgenfall
Dass das Naturfreibad nicht überlaufen ist, fällt auch Marina Ferger auf. Die 67-Jährige aus Meinerzhagen ist in diesem Jahr bereits zum vierten Mal hier. In der vergangenen Woche brachte sie ihre Tochter aus Berlin mit. Die sei von der Ruhe begeistert gewesen. „Das ist schon irgendwie was, was man auch gerne weiterempfiehlt“, sagt Ferger.
Früher sei sie an anderen Stellen der Agger zum Baden gegangen, erzählt sie. Heute schätzt sie, dass sie im Naturfreibad ohne Kletterei ans Wasser gelangt und Umkleiden, Toiletten und Verpflegung direkt vor Ort hat. „Für mich ist das wie Urlaub“, sagt sie. Ein richtiger Urlaub werde dadurch natürlich nicht ersetzt. Als kleiner Kurztrip und zum Abschalten sei das Bad für sie aber ideal.
Seit Jahrzehnten am Wasser
Noch wesentlich länger kennen Helga und Georg Theiß das Gelände. Die 86- und 87-Jährigen aus Lindlar kommen nach eigener Aussage an nahezu jedem schönen Sommertag nach Bruch. Georg Theiß erinnert sich sogar an seine ersten Besuche Anfang der 1950er-Jahre. Damals habe es hier noch ganz anders ausgesehen.
Sport spielte im Leben der beiden immer eine große Rolle. Sie wanderten, fuhren Ski und gingen schwimmen. Georg war im Schwimmverein in Bergneustadt und machte zweimal die Rettungsschwimmerprüfung – das Abzeichen holte er allerdings nie ab. „Weil ich dann gewusst habe, ich kann das. Das hat mir gereicht“, erzählt er lachend. Früher sei er quer durch die Aggertalsperre geschwommen. Mit 87 Jahren geht er es inzwischen ruhiger an: Heute steige er vor allem ins Wasser, um sich abzukühlen.
Auch beim Wandern sind die beiden noch aktiv. Zwölf bis 14 Kilometer seien nach wie vor möglich. Dass sie bei Sonnenschein ins Naturfreibad kommen, ist für das Ehepaar deshalb selbstverständlich. „Bei schönem Wetter, sollen wir da zuhause sitzen?“, fragt Helga Theiß. Gute Luft, die Bäume, das Wasser und die vorhandene Infrastruktur schätzen die beiden besonders. Für sie sei es hier „wie im Paradies“.
Sonnenschutz ist Pflicht
Während die Besucher ins Wasser können, wann immer ihnen zu warm wird, muss Lau vor allem eines: aufmerksam bleiben. An Tagen mit mehr als 30 Grad bedeutet das auch, sich selbst vor der Sonne zu schützen. Sie setzt auf Kopfbedeckung, Sonnenbrille, Schatten und ein spezielles Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 50.
Trotzdem ist gerade die Arbeit unter freiem Himmel einer der Gründe, warum sie ihren Berufswechsel nicht bereut. Besonders am Morgen, wenn noch keine Besucher da sind und manchmal Nebel über dem Wasser liegt, genießt Lau die Atmosphäre. Dazu komme der Kontakt zu den Menschen – vor allem zu den Kindern. Mal werde ein Ball zurückgeschossen, mal ein kleiner Spaß gemacht. Auch Erwachsene bedankten sich regelmäßig dafür, dass die Rettungsschwimmer aufpassen.
Wer mit dem Fahrrad anreist, kommt kostenlos hinein. Rund 60 Fahrräder können am Schwimmmeisterhäuschen abgestellt werden. Zudem gibt es zwölf Schließfächer mit Lademöglichkeiten für Mobiltelefone und E-Bikes. Bezahlt wird im Bad bargeldlos. Für Kinder oder Gäste ohne Bankkarte gibt es die sogenannte Bruch-Card, die mit Guthaben aufgeladen und auch weitergegeben werden kann.
Für Lau sind es aber weniger diese Angebote, die ihren Arbeitsplatz besonders machen. Es sind das Wasser, die Natur und die Menschen. Selbst an einem freien Tag könne sie sich vorstellen, als Besucherin herzukommen. Gemacht hat sie es bislang noch nicht. Schließlich verbringt sie ohnehin schon viele Stunden am See – und muss dabei auch bei schönstem Badewetter vor allem darauf achten, dass alle anderen ihre Abkühlung sicher genießen können.
