Mit einem Gottesdienst hat die Kirche St. Severin am Sonntag die Ausstellung „Grundgesetz und Bibel im Dialog“ eröffnet.
Grundgesetz trifft BibelPlakatausstellung in Lindlarer St. Severin Kirche

Vor den Bildern der Ausstellung in St. Severin (v.l.): Yvonne Habernickel, Helga Hartmann, Bettnina Willmer, Cilly Höfig-Küpper.
Copyright: Dennis Börsch
„Wir als Christen tragen Verantwortung dafür, dass das Grundgesetz und seine darin verankerten Rechte zur Geltung kommen“, sprach Dr. Hermann-Josef Tebroke, ehemaliger Bundestagsabgeordneter, deutliche Worte zur versammelten Gemeinde in der katholischen Kirche St. Severin. Denn am Sonntag wurde mit dem Gottesdienst nicht nur die Eröffnung der Severinus-Oktav gefeiert, sondern auch die Wanderausstellung „Grundgesetz und Bibel im Dialog“ eröffnet. Zwei Wochen lang ist die vom Pfarrgemeinderat organisierte Ausstellung in der Kirche zu sehen.
Zuvor hatte sie im Foyer des Rathauses der Gemeinde Lindlar viele Blicke auf sich gezogen und wird nach dem Halt in der katholischen Kirche für drei Wochen in das Pfarrer Braun Haus, ziehen. Darin werden die ersten sechs Artikel des Grundgesetzes thematisiert und in ihren Botschaften durch Zitate aus der Bibel ergänzt. So lautet Artikel zwei, dass jeder das Recht hat auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit dadurch nicht die Rechte anderer verletzt werden oder gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder Sittengesetz verstößt.
Artikel der Verfassung und Zitate aus der Bibel
Ähnliche mahnende Worte gibt es in der Bibel. Sie lauten: „Durch Christus wurde euch die Freiheit geschenkt. Das bedeutet aber nicht, dass ihr jetzt tun oder lassen könnt, was ihr wollt.“ Untermauert werden die Botschaften mit aussagekräftigen Bildern oder Zitaten, wie „Vielfalt als Gewinn erkennen“ bezüglich des Artikels zwei oder etwa „Blut ist rot, egal wer du bist“. Dieses soll auf den dritten Artikel, „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“ abzielen.
Dem wurde das biblische Zitat „Jetzt ist es nicht mehr wichtig, ob ihr Jude oder Grieche, Sklave oder Freie, Männer oder Frauen seid. In Christus seid ihr alle eins“ gegenüber gestellt. Und auch in den Wortbeiträgen im Gottesdienst wurde das Grundgesetz, das in diesem Jahr 80. Geburtstag feierte, aufgegriffen. So berichtete Yvonne Habernickel, mit Bezug auf den Artikel eins, dass ihr in ihrem Berufsleben als Polizistin so manches Mal Zweifel kämen, ob es für alle Menschen möglich sei, ein würdevolles Leben zu leben.
Vielfalt, Freiheit und Gleichheit im Fokus der Ausstellung
„Wenn ich Familien besuche und im Kinderzimmer kein Bett vorfinde, sondern nur eine Matratze, die auf dem Boden liegt, oder einen Kühlschrank sehe, der leer ist anstatt gut gefüllt mit gesunden Lebensmitteln, erschreckt es mich zuweilen, dass so etwas in Deutschland möglich ist. Und umso dankbarer bin ich, dass es Institutionen wie die Kleiderbörse oder Speisekammer gibt, die Menschen in solchen Situationen helfen“, so Habernickel.
„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Aber sind wir wirklich alle gleich“, stellte Cilly Höfig-Küpper die Frage in den Raum. „Die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist bis heute ein diskutiertes Thema, als Privatversicherter erhält man sehr viel schneller einen Termin beim Arzt, und Kinder aus sozialbenachteiligten Familien erreichen seltener einen Schulabschluss“, stellt sie dem gegenüber. Daher sei es umso wichtiger, wie Dr. Hermann-Josef Tebroke nochmals betonte, dass christlich Gläubige sich für die Grundrechte stark machten und sich eben nicht aus der Politik raushielten.
Nach dem Gottesdienst waren alle Anwesenden eingeladen, sich die Plakatausstellung genauer anzuschauen und bei einer Tasse Kaffee und Plätzchen miteinander in den Dialog zu treten. Die Severinus-Oktav steht in diesem Jahr unter dem Motto „Zusammenfinden in Gemeinschaft“.
Weiter geht es am heutigen Montag, 20. Oktober, um 19 Uhr, im Severinushaus. Unter dem Titel „Mein Leben, mein Sterben, meine Entscheidung“ referiert Maria Hanisch, ehemalige Geschäftsfeldleiterin beim Caritasverband Köln und Ethik-Beraterin, über die Anfertigung von Patientenverfügungen und Vollmachten.
Am Dienstag, 21. Oktober, 19 Uhr, Severinushaus, geht es im Vortrag „Was haben wir bloß falsch gemacht“ von Dominik Blum darum, warum sich Selbstzweifel nicht lohnen, wenn Kinder oder Enkel nicht mehr glauben. Das ganze Programm der Oktav findet sich auch der Homepage des Seelsorgebereichs Lindlar. www.katholisch-in-lindlar.de
