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Hahn Eckhard aus LindlarDer Bergische Kräher heißt nicht nur so

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Experte Kristiaan Verdoodt lässt einen Seminarteilnehmer das Federkleid des Hahns prüfen.

Lindlarer Experte führt bei einem Seminar im Freilichtmuseum in die Grundlagen der Hühnerhaltung ein

Der Bergische Kräher ist eine kräftige und lebhafte Hühnerrasse, eher kein Tier für Anfänger. Kristiaan Verdoodt holt Hahn Eckhard mit routiniertem Geschick aus der Transportbox und setzt den ungehalten gackernden Vogel in den Käfig in der Mitte des Seminarraums. Es folgt eine namenlose Henne aus der kleinen Schar des Freilichtmuseums. „Wer von Euch hat schon Erfahrungen mit Hühnern?", fragt der Experte. Eine Hand hebt sich zaghaft: „Zählt auch Eier sortieren?"

An diesem Sonntagvormittag haben sich zehn Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer im Müllershammer des Lindlarer LVR-Freilichtmuseums versammelt, um Grundlegendes über „Hühner und ihre Haltung“ zu erfahren. Der Referent ist hochkarätig. Kristiaan Verdoodt bekam mit zwölf Jahren sein erstes Huhn, züchtet seit 40 Jahren und amtiert als Vorsitzender der rheinischen Preisrichtervereinigung des Rassegeflügelzüchterverbands. Der 58-jährige Lindlarer erläutert Bewertungskriterien wie Schnabel- und Rückenlinie und das „harmonische Gesamtbild", geht ausführlich auf die Vielzahl der Hühner- und Zwerghühnerrassen ein, erzählt von Leghorn, Rottländer, Italiener und Wyandotte. Letztere Rasse ist nach einem Indianerstamm benannt und ein gutes Anfängerhuhn, wie gesagt anders als der Bergische Kräher.

Dieses Haustier ist vom Aussterben bedroht

Für dessen Haltung spricht allerdings, dass man sich um den Erhalt eines vom Aussterben bedrohten Haustiers verdient macht. Für Kristiaan Verdoodt ist die älteste deutsche Rasse „ ein lebendiges Kulturgut". Der Name deutet an, dass die Hähne einen außergewöhnlich langen Ruf ausstoßen. Wer sensible Nachbarn hat, kann auch eine rein weibliche Hühnerschar halten.

Mindestens drei, besser fünf Tiere sollten es schon sein, empfiehlt Verdoodt, als es dann endlich um die Grundlagen der Haltung geht. Der Stall sollte nicht kleiner als ein Kubikmeter sein. Jedem Huhn stehen 25 Zentimeter auf der Sitzstange zu. Je größer der Auslauf desto besser, die Hühner brauchen aber Schutz vor Habicht und Marder. „Hier in Lindlar ist auch der Waschbär zum Problem geworden." Feuchte Böden sind schlecht, Schatten wichtig, Hänge kein Problem. Mäuse und Ratten hält man fern, indem man das Futter abends abräumt.

Hahn Eckhard zurück im Gehege.

Kristiaan Verdoodt versichert: „Hühner sind genügsam." Sie freuen sich auch über Küchenabfälle. Dennoch sollte man den Aufwand nicht unterschätzen. Auch wenn es nur wenige Tiere sind, müssen sie bei Veterinäramt und Tierseuchenkasse angemeldet werden. Seitdem die Vogelgrippe aufgetaucht ist, kennen die Behörden kein Pardon, warnt der Experte. „Die Vielzahl der Regeln ist schon Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass früher in jedem Garten Hühner rumliefen."

Ein typischer Anfängerfehler sei es, die Vögel unbeobachtet zu lassen. Einmal täglich sollte man sich vergewissern, ob sie genug essen und trinken und auch sonst einen gesunden Eindruck machen. „Ihr seht, ob es dem Tier gut geht", sagt Verdoodt. Hat sich im Stall Ungeziefer ausgebreitet wie die Rote Vogelmilbe? Funktioniert die Hackordnung oder wird ein Tier gemobbt?

Nach Auskunft der Kreisverwaltung gibt es in Oberberg genau 1414 Haltungen mit bis zu zehn Hühnern, weitere 616 Gehege mit bis zu 20 Vögeln. Viele Hobbyhalter kamen in der Corona-Zeit hinzu, einige sind nach der ersten Geflügelpest wieder ausgestiegen. Die Kursteilnehmer Sandra und Kaspar Zekorn sind fest entschlossen. Es geht ihnen ums Tierwohl und die nachhaltige Selbstversorgung, sie beziehen ihr Gemüse bei der Solawi. Die Eheleute aus Dieringhausen haben die Pläne für den Stall in der Schublade, es fehlte bisher nur an der Zeit, sie umzusetzen. Als Hahn Eckhardt und seine Henne wieder ins Gehege entlassen werden, sagt Sandra Zekorn über ihr eigenes Hühnerprojekt: „Ich hatte mich vorher schon ein wenig eingelesen. Der Museumskurs war aber interessant und hat mich weiter bestärkt." Als grundlegende Lektüre empfiehlt Kristiaan Verdoodt übrigens die „Illustrierte Hühner-Enzyklopädie" von Esther Verhoef und Aad Rijs.

Ihre Chance, Kräher-Hennen zu besuchen

Verdoodt engagiert sich im Freilichtmuseum auch als Seiler. Zum Herbstferienprogramm, das am Sonntag, 18. Oktober, 10 Uhr, mit dem traditionellen Kartoffelfest eröffnet wird, gehört der Kinderworkshop „Wie wird aus einer Pflanze ein stabiles Seil?" Auf dem Weg zur Seilerei ist Gelegenheit, Eckhard und seine Kräher-Hennen zu besuchen. Wann hat man sonst Gelegenheit, eine so seltene Tierart zu sehen? (rtz)