Medizinisches ZentrumMorsbach will mit einer Standortanalyse gegen den Ärztemangel vorgehen

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Ein Hausarzt misst in seiner Praxis einer Patientin den Blutdruck.

Alleine im Raum Waldbröl sind derzeit fünf Hausarztpraxen nicht besetzt, Fachkräfte sind schwer zu finden.

Ein Gutachten für Morsbach und Lichtenberg soll Grundlage für die Errichtung eines kommunalen medizinischen Zentrums liefern.

Die Bedingungen sind fast überall gleich ungünstig: alternde Ärzte, Mangel an Fachkräften, veraltete Praxen und der demografische Wandel ohnehin. Der sieht zum Beispiel in Morsbach derzeit 22,8 Prozent der 10 093 Einwohner in der Altersgruppe der über 65-Jährigen. Die Zahl der Pflegebedürftigen hat sich indes zwischen 2009 und 2019 sogar verdoppelt.

Diese Zahlen sind Ergebnis einer Standortanalyse für die medizinische Versorgung in Morsbach und Lichtenberg durch den Verein Gesundheitsregion Köln/Bonn. Das Gutachten soll die Grundlagen für die eventuelle Errichtung eines kommunalen medizinischen Zentrums in Morsbach liefern.

Ein Ärztehaus hatte die Gemeinde schon zuvor angedacht

Ähnliche Überlegungen zur Errichtung eines Ärztehauses, in dem verschiedene Fachärzte und Therapeuten gemeinsam praktizieren, hat Morsbach bereits vor einigen Jahren schon einmal angestellt, wie Bürgermeister Jörg Bukowski in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses des Morsbacher Gemeinderates mitteilte. Allerdings wurden diese Überlegungen nicht weiterverfolgt, als sich herausstellte, dass die Kosten für Bau und Unterhaltung eines derartigen medizinischen Zentrums in gemeindlicher Trägerschaft die durch Miete zu erzielenden Einnahmen bei weitem übersteigen würden.

Diese Problematik ist nach wie vor gegeben, allerdings zeigt die von Dr. Alexia Zurkuhlen und Nathalie Wiegel vorgestellte Standortanalyse auch Lösungsmöglichkeiten in Form eventueller Zuschüsse durch EU, Bund und Land sowie durch verschiedene Stiftungen auf.

Es fehlen besonders Hautärzte, Kinderärzte und Neurologen.
Dr. Alexia Zurkuhlen

So könnten auch Hausarztpraxen, die beispielsweise nicht barrierefrei seien, mit Zuschüssen für den Umbau bedacht werden. Den personellen Mangel an Ärztinnen und Ärzten, Therapeuten sowie Pflegekräften beseitigen bauliche Maßnahmen freilich nicht. Alleine im Bezirk Waldbröl, zu dem auch Morsbach und dessen Ortsteil Lichtenberg gehören, sind derzeit fünf Hausarztpraxen nicht besetzt, im gesamten Kreisgebiet sogar 24,5. Eklatant ist auch der Mangel an Fachärzten.

„Es fehlen besonders Hautärzte, Kinderärzte und Neurologen“, sagte Dr. Zurkuhlen. Ohne digitale Medien (wie etwa Telemedizin oder sogenanntes Telenursing) werde die Versorgungsproblematik nicht zu lösen sein. „Es ist momentan schwierig, Fachkräfte zu rekrutieren und auch zu halten.“

Gleichwohl stellten medizinische Versorgungszentren vielfach auch eine Verbesserung dar, wenn etwa verschiedene Fachärzte interdisziplinär zum Wohle der Patientinnen und Patienten zusammenarbeiten würden. In jedem Fall beteiligen möchte sich Morsbach am Modellprojekt des Oberbergischen Kreises als „Gesundheitsregion“. „Jetzt müssen wir schauen, was möglich ist, müssen weitere Infos zusammentragen, überlegen, wo die Gemeinde selbst tätig werden kann“, resümierte Bürgermeister Bukowski. „Und dann können wir entscheiden, ob wir ein medizinisches Versorgungszentrum wollen oder nicht.“

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