Jan Schumacher ist seit Herbst Bürgermeister der Gemeinde Morsbach. Im Interview spricht er über Vorhaben, die 2026 erledigt werden sollen.
AusblickMorsbachs Bürgermeister Jan Schumacher möchte in der Gemeinde schneller werden

Jan Schumacher (BFM-UBV) ist Morsbachs Bürgermeister.
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Wie war der Einstieg ins neue Amt?
Intensiv und ehrlich gesagt auch richtig gut. Ich bin im Rathaus und im Bauhof von Anfang an sehr offen und herzlich aufgenommen worden. Verwaltung ist schon etwas anderes als meine vorherige Tätigkeit. Ich schaue mit einer anderen Perspektive auf anstehende Themen – aus Sicht der Wirtschaft, als ehemaliges Ratsmitglied und natürlich auch als Bürger.
Was mir aus meinem früheren Beruf besonders hilft: Ich bin es gewohnt, Verantwortung zu tragen und Entscheidungen zu treffen. Mein Anspruch ist, dort schneller zu werden, wo wir schneller sein können und sich nicht im Kreis zu drehen.
Welches Projekt muss für Sie bis Ende des Jahres erledigt sein?
Für mich hat die Entwicklung des ehemaligen Bahnhofsgeländes in Morsbach ganz klar Priorität. Dieses Areal ist städtebaulich ein Filetstück in unserer Gemeinde – sowohl für Wohnen als auch für gewerbliche Nutzung und für die weitere Entwicklung des Ortskerns. Als Grundlage gibt es ein vom Rat beschlossenes städtebauliches Konzept. Der entscheidende nächste Schritt ist, einen Investor zu finden, der bereit ist, dieses Gelände im Sinne der Gemeinde zu entwickeln. Bis Ende des Jahres möchte ich hier Klarheit haben.
Ein Gesprächsthema ist die medizinische Versorgungslage. Wie realistisch ist ein kommunales MVZ?
Das ursprünglich diskutierte Modell eines kommunalen MVZ in alleiniger Trägerschaft der Gemeinde wird derzeit nicht weiterverfolgt. Wir konzentrieren uns aktuell darauf, in Gesprächen mit möglichen Partnern einen tragfähigen Weg zu finden, wie wir die ärztliche Versorgung in Morsbach langfristig sichern können. Entscheidend ist nicht die Rechtsform oder der Name, sondern das Ergebnis: eine stabile, wohnortnahe und zukunftsfeste Versorgung.
Was steht außerdem auf dem Programm für 2026?
Einiges. Anfang März werden wir uns verwaltungsseitig sehr konkret mit den Zielen meiner Agenda beschäftigen. Ein großes Thema ist der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Primarbereich. Das ist für uns als Gemeinde organisatorisch und finanziell anspruchsvoll, denn es geht nicht nur um die Betreuung, sondern auch um Räume und Ausstattung an den Schulstandorten. Erschwerend kommen Fachkräftemangel und die Diskussion über Sprachförderung vor der Einschulung hinzu.
Parallel wollen wir bei der Digitalisierung schneller werden – intern mit schlankeren Prozessen und weniger Papier und nach außen mit mehr digitalen Angeboten für Bürger über das Kommunalportal der Gemeinde. Seitens der Wirtschaft wollen wir die Entwicklung des neuen Gewerbegebiets in Lichtenberg beschleunigen, zusätzlich prüfen wir weitere Alternativen wie einen möglichen Handwerkerhof.
Wie ist der aktuelle Stand beim Breitbandausbau?
Der Breitbandausbau ist aus meiner Sicht eine echte Erfolgsgeschichte für Morsbach – auch bei kleineren Problemen während der Umsetzung. Entscheidend ist: Am Ende wird jeder Haushalt, der einen Anschluss beantragt hat, einen Glasfaseranschluss bekommen. Aktuell sind rund 90 Prozent der Tiefbauarbeiten abgeschlossen. In 2026 stehen dann noch Restarbeiten an der Trasse, etwa 300 Hausanschlüsse sowie die noch ausstehenden Aktivierungen an.
Wann ist nach der Inbetriebnahme des Hallenbads der komplette Bürgercampus fertiggestellt?
Einen belastbaren Termin kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nennen. Die Mitarbeitenden im zuständigen Fachbereich arbeiten mit sehr großem Engagement daran, aber der erforderliche Sanierungsbedarf hat sich erst nach der Entkernung gezeigt. Wir haben daher zu Beginn des Jahres alle beteiligten Gewerke direkt vor Ort an einen gemeinsamen Tisch geholt, um offen über bestehende Probleme zu sprechen und Lösungen für einen zügigen Projektabschluss zu erarbeiten. Ich bedauere zutiefst die sehr belastende Situation für Schüler und Lehrkräfte.
Welches Potenzial sehen Sie im Ausbau des touristischen Konzepts?
Ich sehe für Morsbach ein deutliches Potenzial im sanften, natur- und erlebnisorientierten Tourismus. Er muss zur Landschaft und zu unserer Gemeinde passen sowie die Wertschöpfung vor Ort stärken. Ein konkretes Thema ist der mögliche Trail-Park auf der Hohen Hardt. Wir sind auf der Suche nach Investoren, die die Idee professionell, naturverträglich und wirtschaftlich tragfähig umsetzen können.
Zentral ist auch die Jugendherberge. Eine Wiederbelebung wäre ein echter Gewinn für Morsbach. Da wir nicht Eigentümer sind, liegt die Entscheidung aber nicht in unserer Hand. Eine interessante Ergänzung wäre ein angrenzendes, naturnahes Campingangebot. Schließlich brauchen wir ein schlüssiges Radwegekonzept, das auch bestehende Wirtschaftswege in den Blick nimmt, damit Morsbach für Alltag wie Freizeit noch attraktiver wird.

