112 schmucke Cabrios des italienischen Autobauers Alfa Romeo sind in die Schlossgemeinde gerollt. Die ältesten dort stammen aus den 1950er Jahren.
Treffen für LiebhaberRührende Geschichten rund um den kultigen „Spider“ in Nümbrecht

Spider-Modelle mit besonderer Geschichte haben Mathias Landau aus Heidesheim (links) und Nicolai Schumacher aus Bonn mit nach Nümbrecht gebracht zum bundesweit größten Treffen dieser Alfa-Modelle.
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Als Hanno Schumacher aus Bonn 1971 bei einem Werk des Autobauers Alfa Romeo in Arese bei Mailand vorfährt und darum bittet, den „Spider“ für ein 96-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring zu ertüchtigen, reibt man sich in Italien verwundert die Augen. Doch der Wunsch wird dem wunderlichen Mann erfüllt, der Sportwagen startet und gewinnt in seiner Klasse.
Heute, 55 Jahre später, steht das rassigrote Cabrio vor dem Parkhotel in Nümbrecht, Sohn Nicolai Schumacher zückt historische Fotos und erzählt die rührende Geschichte, wie er Papas Auto wieder auf den Stand von 1971 gebracht und den Vater zu seinem 85. Geburtstag damit überrascht hat – „natürlich auf dem Nürburgring“, verrät Schumacher. Seit 58 Jahren ist dieser Spider im Besitz der Familie, 1969 sind die Schumachers mit dem schlanken Italiener nach Spanien in den Urlaub gefahren. „Da war ich drei, saß hinten – 4000 Kilometer ohne Gurt.“

Alfa-Liebe von der Pike bis zum Scheitel: Auch an Details wie auf diesen Schuhen wird in Nümbrecht echte Begeisterung für die italienische Automarke offenbar.
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Vom vergangenen Donnerstag an bis in den Sonntag hinein hat in der Schlossgemeinde das bundesweit größte Treffen zu Ehren dieses automobilen Klassikers stattgefunden. Und es ist das erste, das der Alfa-Club Bergisches Land ausgerichtet hat. 200 Teilnehmende sind mit 122 Giulietta- und Spider-Modellen dieser Einladung gefolgt.
Das älteste Fahrzeug hat das Baujahr 1957 und kommt aus Bremen, die Cabrios aus Österreich und der Schweiz haben die längsten Anfahrten hinter sich, aber auch die Niederlande sind in Oberbergs Süden vertreten.
„Keine Ausfälle“, freut sich Clubchef Boris Poggenpohl am Samstagabend nach der weitesten Ausfahrt mit Station auf Schloss Burg in Solingen und in Hückeswagen. „Einen Schaden konnten wir unterwegs beheben.“ Der Waldbröler Naturerlebnispark Panarbora, die Engelskirchener Museen, Stadt Blankenberg in Hennef und Siegburg sind weitere Stationen im (Ober-) Bergischen.
Um Leistung geht es auch beim großen Spider-Treffen in Nümbrecht nicht
Doch um Leistung geht es den „Alfisti“ ohnehin selten, sie wollen ihre Leidenschaft für das Sportcabrio zeigen, dass von 1954 bis schließlich 2010 so manche Baureihe erlebt – und überlebt, denn für manches Design ernten die Autobauer in Turin eher Spott als Begeisterung. In Nümbrecht ist jede Generation vertreten.
Mathias Landaus Oldtimer von 1958 steht für den Beginn, als der Spider 1300 noch den Beinamen „Giulietta“ trägt – 80 PS, vier Zylinder, Scheibenbremsen, Heckantrieb, obenliegende Doppel-Nockenwelle – kurzum: Renntechnik. „Es war Liebe auf den ersten Blick, vor mehr als 20 Jahren“, verrät der 50-Jährige aus Heidesheim am Rhein (bei Mainz) und meint sowohl seine Lebensgefährtin als auch den schmucken Wagen. An sechs bis acht Treffen italienischer Automarken nimmt Landau jährlich teil. „Wer sein Auto pflegt, hat immer wenig Arbeit damit“, betont er.

Rolf Aschwanden ist aus Oberbipp im schweizerischen Kanton Bern nach Nümbrecht gereist. Mehr als 2000 Arbeitsstunden stecken heute in der Technik seines „Spider“ aus der „Aerodinamica“-Serie.
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Vom Design der späten Sechziger aus dem Hause Pininfarina und den Emotionen, die diese Cabrios auslösen, schwärmt Club-Leiter Boris Poggenpohl (58) aus Haan. „Der Ruf ist noch heute schlechter als der Wagen eigentlich ist.“ Jedoch warnt er oft vor Spider-Schnäppchen aus dem Internet: „Da findet man ein solches Auto schon für 5000 Euro, danach aber erlebt man ganz sicher böse Überraschungen.“ Es sei ratsam, vor dem Kauf einen Experten der 40 deutschen Alfa-Clubs um Hilfe zu bitten.
Poggenpohl ist glücklich, dass er die Gemeinde Nümbrecht für das große Treffen entdeckt hat: „Das Parkhotel ist ideal für uns.“ Mitorganisator Franz-Josef Bittner aus Beckum nimmt Schaulustige gern mit auf Runden durch die Alfa-Reihen am Kurpark und weiß dort auf wirklich jede Frage eine Antwort.
Benzingespräche gibt es natürlich auch im und am Parkhotel. Rolf Aschwanden aus Oberbipp im schweizerischen Kanton Bern gibt viel Wissenswertes preis, steuert der 66-Jährige doch ein besonderes Modell – einen weißen Spider aus der „Aerodinamica“-Serie (1983 bis 1989), zu erkennen am Heckspoiler aus schwarzem Hartgummi. „Ich habe die gesamte Mechanik im Auto selbst renoviert“, schildert Aschwanden und beziffert den Aufwand auf 2000 Stunden mindestens.
Blick zurück
Die Geschichte des Alfa Romeo „Spider“ beginnt 1954 mit dem Vorgängermodell, der „ Giulietta“. Gebaut wird der „Spider“ dann als Nachfolgemodell ab 1966, bis 2010 gibt es insgesamt sechs Generationen dieses offenen Sportwagens. 1967 erfährt das Cabriolet aus Turin große Bekanntheit, als es im US-Film „Die Reifeprüfung“ mit Anne Bancroft und Dustin Hoffman zu sehen ist. Ob das Modell jemals wieder auf den Automobilmarkt zurückkehrt, gilt derzeit als unwahrscheinlich.
