Bela spielt in der Neuverfilmung von Erich Kästners „Emil und die Detektive“ mit. Seine Schwester Charlotte war ebenfalls Teil der Produktion.
„Emil und die Detektive“Bela und Charlotte Plass aus Reichshof standen vor der Filmkamera

Bei der Filmpremiere in Berlin posierten Bela (r.) und seine Schwester Charlotte gekonnt auf dem blauen Teppich vor einer riesigen Fotowand.
Copyright: Plass
Der vergangene Sommer war für Bela und Charlotte Plass aus Reichshof ein besonderer. Rund sechs Wochen verbrachten die elf und zehn Jahre alten Geschwister für Dreharbeiten in Berlin. Bela stand dort für die Neuverfilmung von Erich Kästners „Emil und die Detektive“ vor der Kamera. Seine Schwester Charlotte war ebenfalls Teil der Produktion – als Komparsin und als Double ihres Bruders. Am Donnerstag, 24. September, kommt der Film in die Kinos.
Angefangen hat alles mit einem Foto von Charlotte. Sie war damals fünf Jahre alt, als ein Arbeitskollege ihres Vaters das Bild sah und meinte, die Familie könne es doch einmal bei einer Agentur versuchen. Er selbst hatte bereits als Model gearbeitet. Die Eltern schickten das Foto ein und bekamen noch am selben Abend eine Zusage.
Vom Casting zum ersten Kinofilm
So kam Charlotte zunächst zu ersten Fotoshootings für Kinderkleidung und später auch zu Werbedrehs. Ihr Bruder bekam natürlich mit, was sie dort machte – und wollte es irgendwann selbst ausprobieren. Seitdem stehen beide immer wieder vor der Kamera. Besonders in Erinnerung geblieben ist Charlotte ein Dreh für Kinder Pingui, bei dem sie ihren Vater schminken durfte. Bela war unter anderem in einem Hanuta-Werbespot zu sehen. Dass für ihn daraus einmal mehrere Wochen Dreharbeiten für einen Kinofilm werden würden, das war damals noch nicht abzusehen. Beim neuen „Checker Tobi“-Kinofilm schaffte er es unter rund 600 Bewerbern bis in die letzte Auswahl von sechs Jungen. Wenig später folgte die Anfrage für „Emil und die Detektive“.
Nach mehreren Castings in München und Berlin kam schließlich der Anruf, dass Bela dabei ist. Ursprünglich hatte er eine Anfrage für die Rolle des Emil bekommen, letztlich spielt er die Figur „Dienstag“. Welche Rolle es werden würde, war für den Elfjährigen gar nicht so entscheidend. Bei seinem ersten Kinofilm wäre ihm die Rolle „eigentlich völlig egal gewesen“, sagt er.
Der erste Drehtag war besonders spannend
Besonders spannend war für ihn der erste Drehtag. Mit der Zeit sei vieles zur Gewohnheit geworden. Trotzdem fällt sein Fazit eindeutig aus: „Es war eigentlich die meiste Zeit sehr, sehr, sehr cool.“ Fast täglich ging es für die Geschwister an einen anderen Drehort. Von der Sonnenallee bis zum Brandenburger Tor lernten sie die Hauptstadt dabei aus einer ganz anderen Perspektive kennen. Besonders beeindruckt haben Charlotte die vielen Menschen und die Technik hinter einer Filmproduktion. Kameras wurden eingerichtet, große Mikrofone kamen zum Einsatz und auf Bildschirmen konnten die Aufnahmen verfolgt werden. „Ich fand das Set am coolsten“, erzählt die Zehnjährige.
Doch Charlotte schaute nicht nur zu. Neben kleineren Einsätzen als Komparsin wurde sie zum Double ihres Bruders. Dafür bekam sie eine eigens angefertigte Perücke, die Belas Frisur nachempfunden war, und das passende Outfit. War Belas erlaubte Zeit am Set für einen Drehtag vorbei, konnte Charlotte bei geeigneten Aufnahmen von hinten für ihn einspringen. Für Bela gehörte währenddessen das Textlernen zum Alltag. Häufig erfuhr er am Vorabend, welche Szenen am nächsten Tag gedreht wurden, und lernte dann seine Passagen. Schauspielunterricht hatte er zuvor nicht genommen. Am Set half ein Kindercoach den jungen Darstellern bei der Umsetzung der Szenen.
Für die Familie ersetzten die Dreharbeiten in diesem Sommer auch den eigentlich geplanten Urlaub in Italien. Vermisst habe man diesen allerdings nicht. Wenn Bela und Charlotte drehfrei hatten, blieb Zeit, gemeinsam etwas in Berlin zu unternehmen.
Trotz ihrer bisherigen Erfahrungen haben Bela und Charlotte nicht vor, sich schon jetzt auf die Schauspielerei als späteren Beruf festzulegen. Charlotte möchte weiterhin vor der Kamera stehen, sieht das aber eher als Hobby. Schließlich könne es in diesem Beruf immer wieder Phasen geben, in denen keine Rollenangebote kommen. Bela sieht es ähnlich und möchte sich ebenfalls noch nicht festlegen.
Wünsche für künftige Filmrollen haben beide trotzdem. Charlotte würde gerne einmal bei einer Produktion mit Pferden oder anderen Tieren mitspielen. Die Familie besitzt selbst drei Pferde. Bela könnte sich dagegen einen Fantasyfilm gut vorstellen. Ihn reizt besonders, einmal selbst zu erleben, wie aufwendige Szenen mit Spezialeffekten hinter den Kulissen entstehen.
Filmpremiere in Berlin
Am Sonntag fand im Cinestar-Kino in der Kulturbrauerei in Berlin die Weltpremiere des Kinofilms „Emil und die Detektive“ statt. „Es war ein richtig cooles Gefühl, auf dem blauen Teppich und im Blitzlichtgewitter zu stehen“, erzählt Bela, der im Film den Dienstag spielt. Vor seinem großen Auftritt sei er jedoch mächtig nervös und auf der Autofahrt ganz hibbelig gewesen, gibt er zu. Ähnlich ging es seiner Schwester Charlotte, die in einigen Filmszenen als Double ihres Bruders und als Komparsin zum Einsatz kam. Auch sie durfte für ein Familienfoto kurz auf den blauen Teppich. „Da war eine riesige Fotowand aufgebaut“, sagt sie.
Mitnehmen durften die Geschwister große Filmplakate. Dafür hatte Bela in seinem Kinderzimmer extra einen Platz an der Wand freigehalten. „Ich fürchte, der Platz reicht für das Plakat gar nicht aus“, verrät sein Vater Mario Plass. Er und seine Frau seien sehr stolz auf die Kinder und begeistert vom Filmergebnis. „Man hat sich wie in einem Paralleluniversum gefühlt“, beschreibt Plass sein Gefühl bei der Premiere. Am Donnerstag kommt der Film bundesweit in die Kinos. „Es haben schon viele gefragt, ob wir ihn noch mal zusammen anschauen. Ich glaube, ich werde den Film noch tausendmal sehen“, meint Bela lachend. (lth)
