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Gedenken in ReichshofAls Todesursache könnte auch Faschismus genannt werden

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In Reichshof-Denklingen wurde der Europäische Gedenktag für Sinti und Roma begangen. Am Grab von Magdalena Horvath auf dem evangelischen Friedhof sprachen Gerald Zillig (links) und Gerhard Jenders (rechts).

In Reichshof-Denklingen wurde der Europäische Gedenktag für Sinti und Roma begangen. Am Grab von Magdalena Horvath auf dem evangelischen Friedhof sprachen Gerald Zillig (links) und Gerhard Jenders (rechts).

Auf dem evangelischen Friedhof in Denklingen erinnerten etwa 30 Oberbergerinnen und Oberberger an die Nazi-Opfer unter den Sinti und Roma.

Etwa 30 Menschen trafen sich am Sonntagnachmittag auf dem evangelischen Friedhof am Grab von Magdalena Horvath. Anlass war der Europäische Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma, der jährlich am 2. August an die Opfer des Völkermords in der Zeit des Nationalsozialismus erinnert. Bei dem Genozid wurden schätzungsweise eine Viertel- bis eine halbe Million Menschen getötet.

Zuvor hatten einige der Teilnehmer trotz der sommerlichen Hitze eine Sternwanderung von Oberwiehl, Waldbröl und Wildbergerhütte aus zu dem Friedhof auf sich genommen. An diesen Orten im heutigen Südkreis gab es früher Zwangsarbeiterlager.

Magdalena Horvath wurde nur 30 Jahre alt, der Traum von Amerika erfüllte sich für sie nicht

„Wir stehen heute an einem Ort der Stille – an einem Ort, an dem Geschichte nicht in Büchern steht, sondern in einem Grabstein ihren Namen trägt“, sagte Gerald Zillig, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Reichshof, in seiner Ansprache. Er schilderte, dass Magdalena Horvath nur 30 Jahre alt geworden ist und zwar die Verfolgung durch das Nazi-Regime überlebt hat, doch die Folgen von Hass, Ausgrenzung und unmenschlicher Gewalt ihr Leben beendet haben.

Mit den Worten des amerikanischen Schriftstellers und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel rief Zillig dazu auf, Magdalena Horvath und allen Opfern des Völkermords an Sinti und Roma ein ehrendes Andenken zu bewahren: „Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit.“

In Denklingen sind 91 Menschen begraben, die einst mit Tuberkulose in die Burgbergklinik gebracht worden waren

Gerhard Jenders, Vorsitzender des Vereins „Unser Oberberg ist bunt, nicht braun!“, berichtete als Organisator der Gedenkveranstaltung, dass auf dem Gräberfeld 91 Personen bestattet wurden, die meist nach vorheriger Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg als „Displaced Persons“ mit Tuberkulose in die Denklinger Burgbergklinik gebracht worden waren.

Geboren in der Zeit von 1873 bis 1936, seien alle zwischen 1945 und 1951 gestorben: „Als Todesursache steht in den Sterbeurkunden eine Form der Tuberkulose, doch man hätte auch Faschismus schreiben können.“ Denn all diese Menschen hätten sich diese Krankheit in den Zwangslagern der Nazis zugezogen – als Kriegsgefangene, als Zwangsarbeitskräfte oder als KZ-Insassen.

Jenders schilderte den Lebensweg von Magdalena Horvath, die 1920 im Grenzgebiet zwischen Österreich und Ungarn geboren wurde, ihre Familie war sesshaft und lebte von der Landwirtschaft. Auf Ausgrenzung und Diskriminierung folgten mit 19 die Deportation nach Deutschland mit KZ-Aufenthalten und Zwangsarbeit in Rüstungsbetrieben. Ihren Wunsch, sich in Amerika niederzulassen, konnte sie sich nicht mehr erfüllen: Sie starb am 1. April 1951 mit nur 30 Jahren.

Der Vorsitzende betonte, dass Antiziganismus auch nach der Befreiung vom Faschismus in der Gesellschaft weit verbreitet war und immer noch ist. Extrem rechte Parteien und Gruppierungen versuchten immer wieder, entsprechende Haltungen aufzugreifen und anzustacheln: „Wir müssen aufstehen für Vielfalt, Menschenrechte, Respekt, Toleranz und Liebe. Hier und heute, morgen und überall!“