Nach Rucksack-Raub in ReichshofJunge Täter müssen für drei Jahre hinter Gitter

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Bonn/Reichshof – Der Tipp auf einen Rucksack voller Drogen kam wie gerufen: Er schien für zwei junge Männer aus Reichshof die perfekte Lösung aller ihrer finanziellen Probleme zu sein. Sie müssten dem Drogendealer nur das Gepäckstück, darin 196,7 Gramm Marihuana, abnehmen, und „die Sache ist geritzt“, so der Tippgeber, der selber 40 Gramm vom Stoff als Lohn haben wollte. Die restlichen knapp 160 Gramm wollte sich das Duo fein einteilen: die eine Hälfte für den eigenen Konsum, die andere für den weiteren Verkauf.
Am 14. Juni 2021 sollte der Dealer an der Denklinger Brücke mit dem Rucksack auftauchen: Die beiden Freunde bewaffneten sich mit zwei Messern mit 26 Zentimetern Klingenlänge und präparierten zwei Masken – eine in Weiß, eine in Schwarz. Dann legten sie sich im Wald nahe der Brücke auf die Lauer.
Raubüberfall ging ordentlich schief
Wie bereits berichtet, ging der Raubüberfall ordentlich schief: Der Drogendealer mit dem Rucksack, der sich hier mit einem Pärchen verabredet hatte, wehrte sich gegen die beiden Räuber. Es kam zu Schlägen und handfestem Gerangel, in dessen Verlauf der Dealer, der gegen den Mann mit der weißen Maske kämpfte, einen Abhang mit Brennnesseln hinabrollte und voller Schürfwunden liegenblieb. Die Räuber flüchteten mit der Beute, wurden aber alsbald gestellt: Eine im Wald joggende Polizeibeamtin hatte die Szene beobachtet – und sofort ihre Kollegen alarmiert. Der Jüngere, mit 1,5 Promille alkoholisiert, wurde in Tatortnähe noch festgenommen, der Ältere kam Stunden später in eine Kontrolle.
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Er gab sofort alles zu. Was sein Glück war: Wegen seines „Turbo-Geständnisses“ hat das Bonner Landgericht den 22-Jährigen jetzt wegen Raubüberfalls mit Waffen „nur“ zu drei Jahren Haft verurteilt. Was die beiden sich da geleistet hätten, so Kammervorsitzender Wolfgang Schmitz-Justen im Urteil, sei ein „Hammerdelikt“. Normalerweise gebe es einen Strafrahmen wie beim Totschlag: fünf bis 15 Jahre. Zudem hätten sie Glück gehabt, dass während des Zweikampfs mit dem Messer nichts Schlimmeres passiert sei. „Eine Situation, die dermaßen gefährlich ist und furchtbar enden kann“, so Schmitz-Justen.
Der Jüngere – vielfach vorbestraft – kam mit drei Jahren Jugendstrafe davon. Wegen Drogen- und Alkoholmissbrauchs muss er in eine Entziehungsklinik. Jahrelang hätten er und sein Kumpel nichts auf die Kette bekommen: „Jetzt ist Schluss damit“, so der Vorsitzende. Die Zeit im Gefängnis könnten sie nutzen, um ihr Leben neu zu starten: mit Entzug und Ausbildungen.


