Ein falscher Kommissar rief in Ründeroth bei einem Ehepaar an: Der Betrugsversuch zeigt, wie geschickt Täter am Telefon vorgehen.
Geschickter BetrugsversuchSchockanruf am frühen Morgen

Der vermeintliche Kommissar wirkte am Telefon glaubwürdig und sympathisch.
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Ein Anruf mit schlimmer Nachricht
Die Nachricht am Morgen musste Christoph Gissinger erst einmal verdauen: In der Straße am Scheffert ist eine ältere Frau überfallen worden, zwei Täter wurden festgenommen, zwei sind noch auf der Flucht. Bei den Festgenommenen wurde ein Rucksack mit Einbruchswerkzeug, eine Pistole und Adressen sicher gestellt. Unter anderem stand sein Name darauf.
Christoph Gissinger ist zwar Rentner, aber sonst nicht das typische Opfer von sogenannten Enkeltricks und andere Telefonbetrugsversuchen. Er hat jahrzehntelang für die Volksbank gearbeitet, war Chef der Ründerother Feuerwehr und engagiert sich heute als Vorsitzender des Heimatvereins. Als naiv und leichtgläubig würde ihn wohl niemand beschreiben. Dennoch dauerte es gut zehn Minuten, bis er und seine Frau Angelika misstrauisch wurden.
Der falsche Kommissar klingt sympathisch
Am vergangenen Mittwoch hatte morgens um kurz nach sieben das Festnetztelefon geklingelt. Angelika Gissinger ging dran und ließ ihren Mann bald mithören. Ein Kommissar Kaminski meldete sich und berichtete von oben geschildertem Verbrechen. „Er sprach akzentfrei, hatte eine sympathische Stimme und bat darum, dass ich mich nicht aufrege", berichtet die Ründerotherin. Für Argwohn gab es darum zunächst keinen Anlass. „Es war wirklich ein gesittetes Gespräch."
Der Kommissar fragte dann: Ob in den letzten Tagen eine Person mit osteuropäischen Akzent bei ihnen an der Haustür geklingelt habe? Und ja, das war tatsächlich der Fall. Ein Mann, der sich als Mitarbeiter der Telekom vorstellte, wollte nach dem Router der Gissingers sehen. Christoph Gissinger sagt: „Bis dahin war alles glaubhaft und schlüssig."
Misstrauen wächst: Der Anrufer legt auf
Nun hatten die Gissingers aber kein Problem mit Telefon und Internet und ließen den Telekom-Mitarbeiter nicht herein. Umso seltsamer kam es den Eheleuten darum vor, dass der vermeintliche Kommissar dennoch vorgab, einen Grundriss ihrer Wohnung zu haben, mit dem sich die Gangster orientieren wollten. Ein Polizeikollege könne in einer halbe Stunde vor Ort sein, um die Sicherheitsvorkehrungen zu besprechen.
„Jetzt wird es aber spannend", entfuhr es Gissinger, Nun wurde er doch misstrauisch und sagte dem Anrufer, dass er bei der Polizei in Köln nachhören wolle, um den Sachverhalt zu klären. Daraufhin legte Kommissar Kaminski plötzlich auf, das Gespräch war beendet.

Angelika und Christoph Gissinger
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Rückfrage bei der Polizei und Warnung per Whatsapp
Gissinger meldete sich daraufhin bei der Polizei in Gummersbach. „Dort wurde mir gesagt, dass wir uns richtig verhalten hätten." Beruhigend war die Mitteilung der Polizei, dass es sich bei dieser Art von Betrügern nicht um Einbrecher handelt, die einen unangenehmen Besuch vorbereiten. Gissinger erfuhr: „Diese Art von Tätern wollten ihre Opfer verängstigen und zur Übergabe von Schmuck und Bargeld bewegen - was ja leider auch immer wieder gelingt, wie man der Presse entnehmen kann."
Die Polizei in Gummersbach ermunterte ihn, den Vorfall möglichst vielen Menschen mitzuteilen. Gissinger schrieb eine Whatsapp-Nachricht, die sich bald in den Chatgruppen verbreitete. „Seit wachsam und misstrauisch", rät er darin seinen Bekannten.
Polizei: Zurückfragen ist immer sinnvoll
Marc Leporin leitet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der oberbergischen Polizei und bestätigt: „Die Gissingers haben alles richtig gemacht." Zurückzufragen und die Polizei zu informieren, sei immer sinnvoll. Auch wenn, wie in diesem Fall keine Anzeige aufgenommen werden konnte, weil der Betrugsversuch noch nicht auf eine Geldübergabe hinauslief, so wie es bei Enkeltricks der Fall ist.
Fallzahlen steigen, Polizei setzt auf Prävention
Die oberbergische Kriminalstatistik zeigt, dass solche Betrugsdelikte immer häufiger vorkommen. Besonders betroffen sind ältere Menschen, die durch betrügerische Anrufe aufs Glatteis geführt werden. Hier stiegen die Zahl der bekannt gewordenen Fälle von 21 auf 38 Taten. Die Polizei sensibilisiert darum durch Präventiv-Aktionen, dafür, mit gesundem Misstrauen zu reagieren, wenn man am Telefon mit dramatischen Schilderungen konfrontiert wird, die darauf hinauslaufen, dass man Tür und Portemonnaie öffnet. Die Polizei bittet Freunde und Angehörige von älteren Menschen, diese auf die Betrugsmaschen aufmerksam zu machen.
Theaterstück zeigt Betrugsmaschen
Auch oberbergische Senioren waren von der Polizei eingeladen, als eine Theatergruppe in der vergangenen Woche in Odenthal im Theaterstück „Reingelegt und abgezockt" Betrugsmaschen auf die Bühne brachte. Die Gissingers haben solch ein Drama zu Hause erlebt. Aber mit Happy End. (tie)
