Wegen einer Form des Heiratsschwindels musste sich am Montag ein 28-Jähriger aus Witten vor dem Schöffengericht in Waldbröl verantworten.
„Love Scamming“Vor dem Amtsgericht Waldbröl stand ein mutmaßlicher Liebesbetrüger

Das Strafgesetzbuch und Akten liegen in einem Gericht auf dem Tisch.
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Wegen „Love Scammming“, einer modernen Form des Heiratsschwindels, musste sich am Montag ein 28-Jähriger aus Witten vor dem Schöffengericht in Waldbröl verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn des schweren Bandenbetrugs angeklagt.
Laut Anklageschrift habe sich ein Bandenmitglied namens „Nero“ im Herbst 2020 gegenüber einer Morsbacherin als US-Soldat bei einem Einsatz in Nahost ausgegeben. Nach einer Anbahnungsphase über die sozialen Medien habe er von einem Tresor mit haufenweise Geld und mehreren teuren Handys gesprochen, den er gerne nach Deutschland transportiert haben wollte. Allerdings würden dabei Einfuhrsteuern in Höhe von rund 11.000 Euro fällig, die er nicht begleichen könne. Als die Morsbacherin mitteilte, dass sie höchstens 1500 Euro aufbringen könne, forderte Nero, dieses Geld einem Freund zu übergeben und für den Rest ein Bankdarlehen aufzunehmen.
Zivilbeamte der Polizei nahmen Beschuldigten in Morsbach fest
Der Angeklagte sagte, dass er von Nero aus Nigeria aufgefordert worden sei, das Geld in Morsbach abzuholen und an einen Unbekannten im Dortmunder Hauptbahnhof zu übergeben. Dafür sei ihm lediglich Benzingeld versprochen worden, was er aber bis heute nicht erhalten habe. Anfang Dezember habe Nero noch einmal angerufen und um die Abholung einer Spielekonsole gebeten, es sei ein Weihnachtsgeschenk.
So habe er die Frau kontaktiert und um die Übergabe an ihrer Wohnungstür gebeten. Die Morsbacherin war jedoch inzwischen misstrauisch geworden und hatte die Polizei um Hilfe gebeten, die Zivilbeamte bei dem Gebäude postiert hatte. Um keine „Missverständnisse“ aufkommen zu lassen, habe er eine Übergabe im Freien vorgeschlagen, schilderte er. Darauf ließ sich die Frau jedoch nicht ein und so konnte der Beschuldigte vor dem Gebäude festgenommen werden.
Die Verhandlung gestaltete sich recht schwierig, da sich der Angeklagte in einer Mischung aus Deutsch und Englisch äußerte und sich der Inhalt seiner Aussagen oftmals nicht eindeutig erschloss. Daher entschied Richter Carsten Becker, das Verfahren im Herbst mit einem Dolmetscher fortzusetzen.

