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NeuanmeldungenBielsteiner Gesamtsschule soll weitere Klasse bekommen

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Eine Frau in einem Klassenzimmer.

Die Verteilung der begehrten Plätze für den ersten Gesamtschuljahrgang war eine große Herausforderung, berichtet Schulleiterin Anja Kottmann. Darum freut sie sich, wenn nun mehr Kinder zum Zuge kommen.

Großer Ansturm schon vor dem Start: Die Stadt Wiehl möchte in der neuen Schule 27 zusätzliche Kinder aufnehmen. Doch es gibt auch Grund zur Sorge.

Die neue Bielsteiner Gesamtschule soll eigentlich nur vierzügig sein. Doch schon vor dem Start ist der Ansturm so groß, dass die Stadt Wiehl nun eine fünfte Eingangsklasse beantragt. Damit könnten zumindest im ersten Jahr 27 weitere Schüler aufgenommen werden.

Der städtische Beigeordnete Peter Madel kündigte nach einem einstimmigen Votum des Schulausschusses am Mittwoch an, den Antrag noch am Abend auf den Weg zu bringen. Madel rechnet mit einer zügigen Antwort, die nach ersten Signalen der Bezirksregierung positiv ausfallen dürfte. Danach wird die Schule die Eltern, deren Kinder auf der Warteliste   oben stehen, kontaktieren.

60 Kinder wurden in Bielstein abgelehnt

Die Gesamtschule hatte 168 Anmeldungen, zwei mehr als das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium. Während letzteres alle Bewerber aufnehmen muss und nun mit sechs Zügen startet, hat die Gesamtschule 60 Kinder ablehnen müssen, weil sie von der Bezirksregierung auf vier Züge begrenzt wurde.

Dies sind zum Großteil Bewerber, die aus Gummersbach, Reichshof oder Much stammen, also aus Kommunen mit eigener Gesamtschule, erläuterte Madel im Ausschuss. Schüler aus Engelskirchen und Nümbrecht sind dagegen gleichberechtigt und konkurrieren mit Wiehler Kindern, von denen am Ende des Losverfahrens neun abgelehnt wurden. Madel ist zuversichtlich, dass diese nun Berücksichtigung finden.

Die Eltern sind verständlicherweise verzweifelt.
Peter Madel, Beigeordneter, über die abgelehnten Schüler

Madel und Schulleiterin Anja Kottmann berichten unisono von „schwierigen Situationen“ und „verzweifelten Eltern“ beim Kampf um die knappen Gesamtschulplätze. In zwölf Fällen hätten diese bei der Bezirksregierung Widerspruch eingelegt.

Für den Wiehler Schulstandort ist der Ansturm auf die neue Gesamtschule erfreulich – aber auch mit Problemen verbunden. Ausschussmitglied Nicole Kiesling (FDP) berichtete aus Marienhagen im Wiehler Osten, dass alle dortigen Kinder, die sich an der Reichshofer Gesamtschule beworben haben, abgelehnt wurden mit der Begründung, dass Wiehl ja nun eine eigene Gesamtschule habe. Tatsächlich waren es elf Kinder, wie die Gemeinde Reichshof bestätigt. Und diese fangen nun am Wiehler Bonhoeffer-Gymnasium an, „obwohl sie teils nur eine eingeschränkte Gymnasialempfehlung haben“, wie Kiesling weiß.

Wiehler Gesamtschule rechnet mit Abgängen

Britta Stephan, kommissarische Leiterin des Bonhoeffer-Gymnasium, sagte in diesem Sinne: „Unsere Klientel wird sehr viel heterogener.“ Viele schwache Schüler erfordern einen größeren pädagogischen Aufwand, zumal 166 neue Schüler in sechs Klassen auf eine magere Personalausstattung treffen. In Arbeitsgruppen bereite die Schule neue Fördermaßnahmen vor. Dennoch glaubt Stephan: „Viele Kinder werden nach der sechsten Klasse wieder abgehen. Man kann absehen, dass sie nicht geeignet sind.“

Aber wohin sollen diese Kinder dann wechseln? Nadine Kötter (SPD) gab zu bedenken, dass eine Fünfzügigkeit der Gesamtschule vor diesem Hintergrund   eine Dauerlösung werden sollte. Larissa Gebser (CDU) nannte die gesetzlichen Vorgaben „lebensfremd“ und plädierte dafür, die Wiehler Kinder vorrangig zu behandeln.

Schülermangel ist jedenfalls zumindest in diesem Jahrgang kein Problem. Die Gemeinde Engelskirchen teilt auf Anfrage mit, dass die Anmeldungen an der Sekundarschule im Walbachtal nur leicht zurückgegangen sind.

Derweil läuft auch die bauliche Vorbereitung der Aufstockung der Bielsteiner Sekundar- zur Gesamtschule auf Hochtouren. Bert Schneider vom städtischen Hochbauamt berichtete dem Ausschuss, dass in dieser Woche mit der Sanierung des Dachgeschosses der ehemaligen Realschule begonnen wurde. Auf fast 1000 Quadratmetern entstehen vier Oberstufenklassen nebst Fach- und Differenzierungsräumen. Nach der Elektrik werden Heizkörper, Wände, Decken und Böden erneuert. Parallel treibt die Stadtverwaltung den ungleich aufwendigeren Neubau des Gymnasiums voran. Wie die stellvertretende Baudezernentin Alexandra Noss erläuterte, hat die erste Verhandlungsrunde mit den Firmen begonnen, die ein Angebot unterbreitet haben und die neue Schule schon bei der Planung beginnend als „Totalunternehmer“ bauen wollen.

Am 9. Juni sollen die Ergebnisse   im Stadtrat vorgestellt werden. Im November könne die Stadt dann den Auftrag vergeben, damit Anfang 2027 die Bauarbeiten beginnen.